In Veitsbronn war man fleißig in den Wochen vor Weihnachten. Eine siebenseitige Farb-Broschüre wurde konzipiert und produziert: Die Bewerbungsunterlagen der Gemeinde als Standort für eine FOS. Und zwar nicht als Zweigstelle der Fürther Max-Grundig-Schule, sondern für eine eigenständige vierzügige Einrichtung mit den Fachrichtungen Wirtschaft und Soziales.
Zusammen mit einem Schreiben von Bürgermeister Peter Lerch ging das Werk am 23. Dezember an die 18 Räte des Zweckverbands FOS/BOS, in dem die Landkreise Fürth sowie Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und die Stadt Fürth als Träger der Schule vertreten sind. Das Gremium muss heuer über die Anmietung von Räumen für die Max-Grundig-Schule im Schuljahr 2012/2013 entscheiden. Trotz eines Neubaus platzt das für 750 Schüler ausgelegte Gebäude an der Dambacher Straße nach wie vor aus allen Nähten: Acht Klassen sind im Fürther Stadtgebiet ausgelagert.
Im Brief und im Gespräch mit unserer Redaktion pries Lerch Veitsbronn als idealen Standort. Der Komplex der Mittelschule bietet Platz, viel Platz. Die Kapazitäten für einst 450 Schüler werden derzeit nur noch von 96 genutzt. Eines der beiden Gebäude stünde ab September zur Verfügung, das zweite ab nächstem Jahr sagte Lerch. Fachräume seien vorhanden. Anfallende Umbaukosten – kalkuliert sind knapp 500000 Euro – würden von der Gemeinde getragen. Die gute öffentliche Verkehrsanbindung über die Bahn nach Fürth und Neustadt/Aisch führte der Bürgermeister ins Feld und die große Anzahl an Parkplätzen.
Für Veitsbronn hatte sich auch der Landrat, der im vergangenen Jahr den Vorsitz des Zweckverbandes FOS/BOS innehatte, stark gemacht. Im Mai 2010 hatte Dießl Lerch schriftlich mitgeteilt, er habe in Gesprächen mit der Stadt Fürth, der Zweckverband-Geschäftsführung und der Schulleitung den Vorschlag unterbreitet, bezüglich „der Klärung der künftigen Raumfragen auch den Schulstandort Veitsbronn mit einzubeziehen“. Der Landrat lobte insbesondere die Verkehrsverbindungen zu den anderen beiden Zweckverbandsmitgliedern („hervorragend“). Die Lösung Veitsbronn sei deshalb aus seiner Sicht „durchaus überlegenswert“.
Vertreter der Stadt Fürth, etwa Bürgermeister Markus Braun, gaben sich da weit zurückhaltender. Der Fürther Schulleiter Reinhold Kunkel wehrte sich aus organisatorischen Gründen („eine Katastrophe“) vehement. Nicht zuletzt deshalb brachte der Landrat im Mai vergangenen Jahres eine eigenständige FOS ins Gespräch. Dabei kristallisierte sich jedoch ein anderes Problem heraus: Für eine neue Schule bräuchte es zwischen 400 und 500 Schüler. Das sei „nicht realistisch“ räumt Dießl ein, der ein Potenzial von knapp 250 Schülern sieht. Zudem wolle man den Fürther Schulstandort „nicht schwächen“.
Auch in einer anderen Landkreiskommune wurde man unterdessen plötzlich aktiv: In Langenzenn konstituierte sich in der vergangenen Woche der „Verein der Freunde und Förderer des Schulstandorts Langenzenn“ (die FLN berichteten). Als Ziel der Arbeit wird unter anderem „die Weiterentwicklung des Schulstandorts“ genannt. Darauf angesprochen meinte Bürgermeister Jürgen Habel zunächst scherzhaft: Man habe weder eine Fachhochschule noch eine Universität, erklärte dann aber auf konkrete Nachfrage: „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, hätten wir die FOS gerne hier. Sie wäre eine logische Ergänzung.“
Im Sinn hatte Habel eine Kooperation mit dem Wolfgang-Borchert-Gymnasium. „Für mich kam die Initiative der Stadt überraschend“, sagt der Landrat. Er habe nicht gewusst, dass hier Raumkapazitäten zur Verfügung stünden. Doch das ist der Fall: Der 1986 errichtete und unterdessen viermal erweiterte Neubau der Bildungseinrichtung bietet Platz für 1179 Schüler. Derzeit wuseln knapp 300 Mädchen und Jungen weniger durch die Gebäude an der Sportplatzstraße 2: Aktuell liegt der Stand bei 887 Gymnasiasten. Sinkende Schülerzahlen, das könnte künftig aber auch weniger Lehrer bedeuten. Ein befürchtetes Szenario, dem man mit dem FOS-Projekt ebenfalls begegnen wollte. Schließlich werden Fachoberschüler auch in Fürth zu einem nicht unerheblichen Teil von Gymnasiallehrern unterrichtet.
Gespräche waren jedenfalls geführt und auch der Langenzenner Stadtrat sowie der kommunale Finanzausschuss hatten sich im Januar zweimal in nichtöffentlicher Sitzung mit der Thematik beschäftigt. Blieb noch das Kultusministerium, das gewonnen werden musste.
Am vergangenen Sonntag hatte Matthias Dießl einen Termin in München und warb bei Ludwig Spaenle für den Vorschlag einer „teilselbstständigen Dependance“ in Veitsbronn beziehungsweise der Lösung „Gymnasium und FOS“ in Langenzenn. Der Minister habe „sehr verhalten“ reagiert, sagt Dießl auf FLN-Anfrage. Kleine Standorte, so der Einwand mit Blick auf Veitsbronn, hätten sich als schwierig erwiesen. Auch bei Langenzenn habe der Minister abgewunken, aus organisatorischen Gründen. Damit bleibt die Situation nach Dießls Worten „unbefriedigend. Wir müssen in Fürth weiter mit Auslagerungen leben. Aber jetzt wissen wir wenigstens, woran wir sind.“



