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Sonntag, 23.09.2018

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Falsche Botschaft

Gedankenlose Werbung - «Suche nach dem Kick» - 10.08.2007

Mit einem Schnapspreis von 1,50 Euro wollten die Vincenzenbronner Kärwaburschen Gäste anlocken, eine Botschaft, die Jugendliche durchaus missverstehen können. Die Werbung wurde bereitwillig geändert. © Strickstrock


Im Großhabersdorfer Ortsteil Vincenzenbronn findet von heute an die Kärwa statt. Eine Woche zuvor wurde auf das Fest mit einem liebevoll gestalteten Werbebanner hingewiesen. Die Botschaft: das Datum der Veranstaltung und der Schnapspreis, Hochprozentiges gibt’s für 1,50 Euro.

Justiziabel sei das Angebot noch nicht, meint Fürths Umweltreferent Christoph Maier zu dem Fall. Der Preis müsste deutlich darunter liegen, um als Lockangebot durchzugehen. «Eine Frage des guten Geschmacks ist es aber allemal.»

Darauf angesprochen erklärte Bürgermeister Lothar Birkfeld, dass ihm die Werbung bis dato noch gar nicht aufgefallen sei, «sonst hätte ich schon reagiert». Er werde jedenfalls dafür Sorge tragen, dass der Hinweis verschwindet. «Denn das darf und soll so nicht sein.» Die Kärwa sei ein traditionsreiches Fest, Essen und Trinken gehörten dazu, «aber der Fokus soll nicht beim Trinken liegen und schon gar nicht beim Schnaps», so Birkfeld. Er kündigte an, mit den Verantwortlichen zu sprechen.

Das sind in diesem Fall die örtlichen Kärwaburschen: «Wir haben uns da einfach keine Gedanken gemacht», räumt Wolfgang Meyer, einer der Zuständigen, ein. Wie jedes Jahr hätten sie auch diesmal wieder die Gäste mit Alkohol locken wollen, «weil wir uns noch keine Rock-Band leisten können». Die Werbung wurde geändert, das Banner hochgerollt, der Schnapspreis damit unkenntlich gemacht.

Jugendliche sollten mit der Werbung keinesfalls angesprochen werden. «Wir öffnen unsere Bar deshalb auch erst gegen 22 Uhr, da sind die Jüngeren hoffentlich schon zu Hause», so Meyer. Der Ausschank werde kontrolliert, die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes eingehalten. Eine hundertprozentige Kontrolle sei dennoch nicht möglich, so der Kärwabursche. Die Kleinen ließen sich einiges einfallen, sogar Stempel fälschen gehöre mittlerweile dazu.

Gesellschaftliches Problem

Knackpunkt sei die Bar, meint Gerhard Meyer, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion (PI) Zirndorf, - vor allem wenn Volljährige minderjährige Freunde mit Hochprozentigem versorgten. Weiteres Problem sei mitgebrachter Alkohol. Auch wenn die Trunkenheitsdelikte zurückgegangen seien, habe nach Meyers Einschätzung gerade der Konsum von harten Alkoholika bei Jugendlichen zugenommen. «Das ist aber ein gesellschaftliches Problem, das kann die Polizei nicht lösen, wir können nur einen Überwachungsdruck aufbauen.»

Die Tendenz, dass verstärkt im privaten Bereich der Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen zunimmt, sieht auch Jürgen Eck, stellvertretender Leiter der PI Stein. «Es geht nur noch darum, möglichst schnell möglichst viel zu trinken - eine insgesamt bedenkliche Entwicklung, da ist es schwer, dagegen zu halten.»

Alkohol sei als Droge legalisiert und je niedriger der Preis, desto verlockender. Über die Folgen machten sich Jugendliche in der Regel keine Gedanken. Seine Arbeit wäre wesentlich einfacher, wenn Alkohol deutlich teurer wäre, so Eck.

Komasaufen, Flatratetrinken - ernsthaft sei doch niemand an dem Problem interessiert, die Menschen kümmerten sich nicht darum, sagt Herbert Koch, Leiter der Suchtberatungsstelle der Caritas in Fürth. Die Erlebnisgier in der Gesellschaft habe zugenommen. Jeder sei nur noch auf der Suche nach dem nächsten Kick. «Erwachsene leben es den Jugendlichen vor und die Wirtschaft verdient gut daran.» Gesetze alleine würden daran nichts ändern, die bestehenden reichten völlig aus. «Der Mensch muss sich ändern», so Koch. Die Schuld bei den Jugendlichen zu suchen sei falsch, die seien nur anfälliger. 

Sabine Strickstrock

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