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Fest im Leben verwurzelt

„Frauen in Fürth“ Porträtfotos zeigen starke Persönlichkeiten - 01.03.2012 16:30 Uhr

Die Fotografin Judith Dzierzawa vor ihren Aufnahmen. Intensiv hat sie sich mit ihrem Gegenüber beschäftigt und versucht, die Charaktere zum Ausdruck zu bringen. © Hans Joachim Winckler


„Die Frauen, die ich kenne, haben Sie genau getroffen. Bei allen habe ich mir gedacht: so isse.“ Ein schöneres Kompliment gibt es wohl kaum für einen Künstler, und so strahlt auch Judith Dzierzawa über das Lob einer Besucherin. In ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien hat sie die Gesichter eingefangen. Eine der Damen lächelt über ihren Brillenrand direkt in die Kamera, eine andere schaut ernst, eine dritte schaut verschmitzt zur Seite.

Die Wahl des Ausschnitts lässt die Bilder wirken, legt den Fokus auf das Gesicht und blendet alles andere aus. Dzierzawa musste dabei fast ein kleines Wunder vollbringen: Erst vor vier Wochen nämlich stieg sie als Ersatz für die erkrankte ursprüngliche Fotografin ein. Fast Tag und Nacht habe sie, neben ihrem Halbtagsjob als Grafikerin bei einer Fürther Druckerei, an der Ausstellung gearbeitet, erzählt die 42-Jährige. Die Zielvorgabe: Eine große Bandbreite an Frauen in Fürth zu zeigen, die in ihrem Beruf oder Ehrenamt Großartiges leisten, und somit deren Schaffen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Auf Wunsch und in Kooperation mit dem Frauenforum Fürth entstand bereits im November letzten Jahres die Idee für die ungewöhnliche Ausstellung, wie Hilde Langfeld, Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt Fürth, erzählt. Doch wo sind diejenigen zu finden, die frauenpolitisch interessiert und engagiert sind? „Natürlich auf der Frauenmesse, die im Januar in der Stadthalle stattfand“, sagt Langfeld.

Herausgekommen ist eine tatsächlich bunte Mischung: von der Kultur- und Sozialreferentin über die Unternehmerin, die Rentnerin und die Juristin bis hin zur Studentin zeigt die Schau nicht nur die unterschiedlichsten Berufs-, sondern auch Altersgruppen. „Um die Gleichstellung auf die Spitze zu treiben, habe ich alle Frauen zu mir ins Atelier eingeladen, um sie in der gleichen Umgebung abzulichten“, erläutert Dzierzawa. Die Nachnamen der Fotografierten erfährt der Ausstellungsbesucher nicht, dafür aber die Berufsbezeichnung und ein Lebensmotto. Bei Irma S., Studentin, Integrationsbeirätin und alleinerziehende Mutter, lautet es etwa „Hauptsache nicht aufgeben“. Und dazu passen die ausdrucksstarken Augen, die Dzierzawa eingefangen hat, perfekt.

„Sie hat meine Persönlichkeit sehr gut getroffen“, findet auch Annita R., Hauptschullehrerin im Ruhestand und ehrenamtlich engagiert beim Museum Frauenkultur Regional-International. Sie schaut, als hätte sie den Schalk im Nacken – und dem ist auch so, wie sie lachend zugibt. „Es ist wirklich erstaunlich, denn Judith Dzierzawa kannte mich ja nicht, und hat mich anscheinend sofort so wahrgenommen, wie ich bin“, sagt die 64-Jährige anerkennend. Sie kenne viele der porträtierten Frauen, und „man könnte da jetzt viele interessante Netze zwischen den Porträts ziehen.“.

Die Ausstellung „Frauen in Fürth“ ist noch bis 10. März donnerstags, freitags und samstags von 14 bis 18 Uhr in der Frauengalerie Kunstraum Rosenstraße, Rosenstraße 12 Hinterhaus, zu sehen.

  

Claudia Wunder

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