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Freitag, 14.12.2018

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Fett, Filz und Kunst

Ein Theaterstück beleuchtet den Mythos Joseph Beuys - 08.12.2008

Roland Eugen in seiner Doppelrolle als Hut und ehemaliger Beuys-Student. © mvo


Regisseurin Friederike Pöhlmann-Grießinger stellte dabei das Objekt in den Mittelpunkt, von dem der Meister sich nie trennte: Seinen berühmten Filzhut. Schauspieler Roland Eugen schlüpfte abwechselnd in dessen Rolle und berichtete aus der Perspektive der Kopfbedeckung über das ereignisreiche Leben des polarisierenden Künstlers, um dann wieder einen Mann darzustellen, der früher ein paar Semester bei Beuys studiert hatte und Rückschau hielt.

Da wurde die ganze schillernde Biografie beschrieben, von den Kriegserlebnissen als Sturzkampfflieger über einen psychischen Zusammenbruch bis zu der legendären Besetzung des Uni-Sekretariates und Verlust des Lehrauftrages. 1965 erklärte Beuys in einer Kunstaktion gar einem toten Hasen seine Bilder. 1974 ließ er sich dann in New York, komplett in Filz eingewickelt, zu einer Galerie fahren, wo er in einem Raum zusammen mit einem Kojoten eingeschlossen wurde und drei Tage nur mit dem Tier verbrachte. Köstlich wechselte Eugen zwischen der Hut- und der Menschenrolle. Eine respektable Leistung, die der Darsteller mit starker Bühnenpräsenz ablieferte.

Etwas weniger altbekannte Lebenslaufdetails hätten allerdings gut getan, ebenso wie mehr Auseinandersetzung mit der Frage, ob man den Revolutionär zwischen Fett, Filz und sozialer Skulptur, den Aufsprenger des engen Kunstbegriffs, heute eigentlich noch braucht. Seine gesellschaftlichen Utopien wurden immer wieder angedeutet, aber nicht zur Gegenwart in Bezug gesetzt. Ob und wie sich junge Künstler noch heute von Beuys inspirieren lassen, war auch kein Thema. Und so blieb es ein netter Theaterabend über einen spannenden, extravaganten Star.

CLAUDIA SCHULLER 

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