Mittwoch, 21.11.2018

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Fledermaus stoppt Straßenbau

Artenschutz verhindert Umgehung für Vincenzenbronn - 30.06.2018 14:00 Uhr

Es gibt keine neue Straße durch den Bibertgrund. Grund: Fledermaus und Zauneidechse. © Archivfoto: Petra Fiedler


Es war voll im Vincenzenbronner Bürgerhaus. Anwohner und Kommunalpolitiker zeigten größtes Interesse an dem, was die Vertreter des Staatlichen Bauamtes und des planenden Ingenieurbüros zu berichten hatten. 2015 noch war die Stimmung im Dorf bei einer Abstimmung zweigeteilt gewesen, eine knappe Mehrheit hatte für den Straßenbau votiert. Später gründete sich eine Initiative zum Erhalt des Bibertgrundes, hingegen ließen die Befürworter der Straße nichts von sich hören.


Jetzt waren bereits vereinzelt Informationen durchgesickert, dass der Bibertgrund im Süden nicht angetastet werden soll. Immer noch aber war eine Variante im Norden im Gespräch, um die Staatsstraße 2245 an Vincenzenbronn vorbeizuführen.


Erleichterter Applaus dann nach den Ausführungen von Lutz Engelhardt, im Staatlichen Bauamt zuständig für Naturschutz und Landschaftsplanung: Beide Varianten sind vom Tisch.


Seit Planungsbeginn hätten sich die Rahmenbedingungen in Sachen Natur- und Artenschutz verschärft, schickte Engelhardt seinen Ausführungen voraus.


Tiere können nicht ausweichen


Fledermaus und Zauneidechse sind demnach im Bibertgrund die Ursache, dass das Staatliche Bauamt der Trasse im Süden keine Chancen einräumt. Engelhardt formulierte es so: „Wir können keine funktionierenden Überflughilfen für die Fledermäuse und keine regelkonformen Querungen für die Zauneidechse anbieten.“ Nicht ganz so bürokratisch heißt das: Für beide Tierarten ist das Sterberisiko durch Bau und späteren Verkehr zu groß. Abhilfe ist nicht möglich, Ausweichkorridore in erreichbarer Nähe existieren nicht.


Auch für die Nordtrasse formuliert Engelhardt Befürchtungen in Sachen Naturschutz. Darüber hinaus habe sich gezeigt, dass die nördliche Strecke gegenüber der bestehenden Ortsdurchfahrt kaum Vorzüge hat. Maximal das Prädikat „Bauwürdigkeit“ könnte erreicht werden.


Nachdem beide Umfahrungsvarianten gestrichen waren, kündigte Andreas Eisgruber, Fachbereichsleiter Straßenbau, an, dass der Ausbau der Ortsdurchfahrt nun oberste Priorität habe. „Es sei denn“, meinte Eisgruber an Bürgermeister Friedrich Biegel und die Großhabersdorfer Gemeinderäte gewandt, „Sie möchten als Kommune unbedingt die Variante Nord.“ Nur dann würde das Staatliche Bauamt weitere Planungen und Erhebungen in die Wege leiten.


Biegel wagte daraufhin mit Blick auf die anwesenden Gemeinderäte die Prognose: „Ich gehe davon aus, dass wir uns auf den Ausbau der Ortsdurchfahrt verständigen.“ Er könne sich nicht vorstellen, so der Bürgermeister, dass auch nur einer auf einer Ortsumfahrung im Norden bestünde.


Erstmals war an diesem Abend die Planungsskizze für den Ausbau der bestehenden Straße zu sehen. Die Fragen der Vincenzenbronner bezogen sich vor allem auf das innerörtlich geltende Tempo 50 und dessen Durchsetzbarkeit. Und nach den Erfahrungen mit der Umgehungsplanung gab man den Behördenvertretern eine Mahnung mit auf den Weg: Bei den aktuellen Planungen sollten dieses Mal die Bürger mehr eingebunden werden. Straßenbau-Fachmann Eisgruber sprach denn auch von einem Vorschlag, „der noch nicht in Stein gemeißelt ist“. Biegel verwies seinerseits auf die Entscheidungen im Gemeinderat und die Bürgerbefragung im Rahmen der Planfeststellung.


Dass das Ergebnis des Informationsabends vor allem bei den aktiven Mitgliedern der „Bürgerinitiative zur Rettung des Bibertgrundes“ große Erleichterung hervorrief, überraschte nicht. Nicht ganz ernst gemeint war allerdings der Vorschlag, der Fledermaus nun ein Denkmal zu setzen.

  

Petra Fiedler

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