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Fränkisches Mullywood

Uraufführung von „Fürther Freiheit Fünf“ enttäuscht - 22.09.2012 14:22 Uhr

Kulissenschieber in Aktion: Bei der Vorstellung geht es mitunter recht turbulent zu, doch inhaltlichen Leerlauf vermag das allerdings kaum zu übertönen.

Kulissenschieber in Aktion: Bei der Vorstellung geht es mitunter recht turbulent zu, doch inhaltlichen Leerlauf vermag das allerdings kaum zu übertönen. © Hans-Joachim Winckler


Schön, wenn sich was Griffiges aufs Etikett schreiben lässt. Indiens Filmindustrie wird so zum Beispiel zu Bollywood: Bombay plus Hollywood. Geht klar. Bombay heißt allerdings schon länger als Leinwandliebling Shah Rukh Khan Frauenherzen bricht Mumbai – was direkt zu Bollywood im Kulturforum führt, das sich tatsächlich als eine Art von Mullywood entpuppt.

Schließlich steht im Mittelpunkt ein Haus, in dem sich nicht weniger als ein „multikultureller Mikrokosmos“ auftun soll. Eine gute Idee, weil dieses Szenario vertraut ist und passt für diese Stadt. Da wird jetzt gesungen, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Und getanzt, was immer besser gelingt, je weiter der Abend fortschreitet.

Ambitioniertes Ensemble

Ein buntes, sichtlich ambitioniertes Ensemble bevölkert die „Fürther Freiheit Fünf“. Jeder darf einen dieser Typen spielen, die man zu kennen glaubt. So wie Rashid (Richard Greene), den indischen Pizzabäcker, der ein zauberhaftes Pidgin-Englisch beherrscht. Oder Ayla (Romy Schiller), die alleinerziehende Friseurin mit ihrem Sohn Umut (Oliver Dauwalter).

Elf Darsteller sind zusammengekommen. Das könnten elf Geschichten sein. Erzählt wird keine einzige so, dass sie den Zuschauer richtig warm werden lässt, mit diesen im Grund sehr spannenden Protagonisten. Stattdessen sind hier elf Multi-Kultis auf der Suche nach einem roten Faden. Angélique Verdel und Thomas Herr haben sich als Autoren und Regisseure offensichtlich zu viel vorgenommen.

Vertane Chance

Allzu oberflächlich und klischeebehaftet bleiben Beziehungen und Lebensentwürfe. Zu schematisch werden die sich anbahnenden Paarbildungen abgehakt. Dabei hätte es doch wirklich interessant werden können, wie es zum Beispiel mit Eberhard „Redwood“ (Klaus Meile) weitergeht. Der arme Kerl hat beim Werkeln an der Indianer-Kindereisenbahn auf der Fürther Kirchweih einen Stromschlag abbekommen und glaubt seither, er sei eine Rothaut. Da wüsste man schon gerne noch ein bisschen mehr.

Auch die Klammer, die das indisch-fränkische Musikspektakel zusammenhalten soll, funktioniert nicht wie erhofft. Die Geschichte von Martha (Daniela Maria Argentato-Seiler), die auf ihr Leben zurückblickt, bleibt viel zu vage, um zu berühren. Die gewitzte Bühne (Dietmar Schleinitz) funktioniert allerdings perfekt und bietet einen vielversprechenden Rahmen.

Nette Zeiten

Erstaunlicherweise lässt das Autorengespann Verdel und Herr sein großes Thema, eben jenen versprochenen Blick auf einen „multikulturellen Mikrokosmos“, nahezu außen vor. Paradiesisch nette Zeiten sind – abgesehen von ein paar wenigen floskelhaften Anspielungen – in der „Fürther Freiheit Fünf“ ausgebrochen. Schön wär’s ja.

Nicht ganz so fröhlich stimmen die Liedtexte. Zeilen wie „Ja, ja, ich bin da, ja, ja, du bist da“ lassen poetischen Spielraum erkennen. Aber wenigstens haben sich am Ende alle richtig lieb. So ist das wohl in Bollywood.

Fürther Freiheit Fünf, ein Fürther Bollywood-Musiktheater von Angélique Verdel und Thomas Herr. Weitere Vorstellungen am 22., 27., 28. und 29. September, jeweils 20 Uhr, im Kulturforum (21Euro, erm. 10,50 Euro)
  

SABINE REMPE

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