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Friedensappell aus Roßtal in den Nahen Osten

Palästinenserin Faten Mukarker berichtet aus ihrer Heimat - 09.12.2017 13:00 Uhr

Ein israelischer Soldat passiert den Olivenhain einer palästinensischen Familie, die gerade bei der Ernte ist. © Alaa Badarneh/dpa


Im "Weißen Lamm" bestellt Faten Mukarker Bratwürste, und lacht über das erstaunte Gesicht ihrer Begleiterin. "Es gibt auch Christen unter Palästinensern" klärt die dunkelhaarige Dame auf. Von 4,7 Millionen Palästinensern sind 1,4 Prozent orthodoxe Christen und 98 Prozent Muslime.

Auch die Familie von Faten Mukarker besaß Olivenbäume. Der Garten wurde gerodet, als die Mauer entstand, die Israel entlang des Gazastreifens, aber auch an der Grenze zu Ägypten hat bauen lassen. © Thomas Scherer


Der Gast aus Palästina ist wegen eines Vortragsabends zur Steuerungsgruppe Fair Trade nach Mittelfranken gekommen. Barbara Schröder und Annegret Schulte betreuen ihre Besucherin mit dem großen Gepäck liebevoll. Im Gemeindesaal wird eine Verkaufstheke improvisiert. Die Palästinenserin schleppt im riesigen Koffer Olivenholz-Schnitzereien aus ihrer Heimat mit: Herzen, Krippenfiguren, Schafe, Kamele und heilige Familien werden auf roten Servietten arrangiert und warten auf Käufer.

Die tröpfeln herein. Das Fair-Trade-Team hat Getränke hingestellt. Kuba-Kola und Fläschchen mit Rotwein. Es ist diese Art von Zuhörern, die Faten Mukarker gar nicht mehr überzeugen muss. Sie sind politisch engagiert und wissen, worüber der Gast in akzentfreiem Deutsch spricht.

Ausbildung zur Arzthelferin

Faten Mukarker wurde in Beit Jala geboren, das oberhalb Bethlehems liegt. Von dort kam sie mit ihrer Familie ins Rheinland. Der Vater, ein Schriftsetzer, hatte 1956 bei "Skala" angefangen. Einer arabischen Zeitung mit Informationen über deutsche Politik für die arabische Welt. Faten ging in der rheinischen Kleinstadt Alfter zu Schule, sie durfte auf die Höhere Handelsschule und sie machte eine Ausbildung zur Arzthelferin. "Ich dachte deutsch, meine Eltern dachten arabisch", sagt sie heute in einem leicht traurigen Ton, der erkennen lässt, dass sie Europäerin ist.

Ihre Weltoffenheit ließ beim Vater die Alarmglocken schrillen. Sie war 19, als er feststellte: "Es ist höchste Zeit!" Die Familie fuhr mit dem Auto über die Türkei und Persien nach Bethlehem. Faten wurde mit einem Mann namens Nikola verheiratet und blieb in Palästina. "Die Liebe kam später", sagt die Mutter von vier Kindern lakonisch.

In der Propstei der evangelischen Gemeinde traf Faten mit ihren Deutschkenntnissen auf den spä-teren evangelischen Landesbischof Bayerns, der von 1985 bis 1991 als Probst an der Erlöserkirche in Jerusalem wirkte. In einem Gebiet, das so groß ist wie Hessen und das in zwei Teile geteilt ist, nämlich Palästina und Israel, schlossen der Geistliche Johannes Friedrich und seine Frau Dorothea mit der jungen Frau Freundschaft, die regelmäßiger Gast in den Arbeitskreisen von Dorothea Friedrich war. "Was kann ich tun?", lautete die drängende Frage Faten Mukarkers und die Friedrichs rieten der Palästinenserin, ihre Erlebnisse aufzuschreiben.

Ins Buch "Leben zwischen Grenzen", in dem erzählt wird, wie ihr Mann Nikola, ein Schneider, nach der ersten Intifada 1987, in der sich die Palästinenser gegen die Besatzer auflehnten, keine Arbeit mehr bekam. Das Geld wurde knapp. Faten Mukarker arbeitete als Reiseleiterin für deutsche Touristen. Sie bot neben Führungen durch Kirchen arabisches Essen an und erzählte aus dem Alltag.

So gut, dass sie auf die Idee kam, ein Stück palästinensischen Lebens wieder nach Deutschland zu tragen. In Vorträgen und in Olivenholz geschnitten. Die ersten Interessenten meldeten sich 2001 aus dem ostfriesischen Leer und Faten Mukarker machte sich auf die Reise und kommt seitdem mindestens einmal im Jahr nach Deutschland.

Was die Frau aus Palästina zu sagen hat, ist spannend. "Mucksmäuschenstill", erzählt Barbara Schröder, seien die Kinder aus der 8. und 9. Klasse der Roßtaler Mittelschule gewesen, denen Faten Mukarker von der bis zu neun Meter hohen Mauer erzählt und Bilder gezeigt hat, um die Situation im Nahen Osten deutlich zu machen.

Die Dame aus dem Nahen Osten zeigt einen Paradiesgarten mit tausend Jahre alten Olivenbäumen, mit Orangen und Zitronen, Granatäpfeln und Pfirsichen. Das Grundstück gehörte ihr und ihrer Familie, die es
sorgsam hegte.

Zeugen der Zerstörung

Eines Tages riefen Nachbarn: "In eurem Garten sind Soldaten, sie haben Bulldozer." Eilig machten sich die Mukarkers auf den Weg und wurden Zeugen der Zerstörung. Um Platz für die Mauer zu schaffen, war der Garten gerodet worden. In Roßtal kamen vielen ob der Brutalität die Tränen.Faten Mukarkers Friedenswunsch lässt keinen kalt, doch die Weltgemeinschaft hat anderswo alle
Hände voll zu tun. Großartig, dass die kleine Frau in ihrer Mission nicht nachlässt.

"Leben zwischen Grenzen", Faten Mukarker, 19 Euro, Bestellung unter nijmehh@hotmail.com. Faten führt Gruppen für Studiosus und den Heilig-Land-Verein, aber auch Individualreisende. Kontakt faten_mukarker@hotmail.com 

Ursula Persak

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