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Frischer Götterfunken-Regenguss

Mitreißender Grenzgang: Die klassische Band Spark beim Fürther "Passagen"-Finale 2017/18 - 18.05.2018 11:00 Uhr

Ansteckende Spielfreude und irrwitzige Arrangements: Das Publikum im Kulturforum mochte Andrea Ritter, Christian Fritz, Victor Plumettaz, Stefan Balazsovics und Daniel Koschitzki (v.re.) nicht gehen lassen. © Foto: Thomas Scherer


Freude, schöner Götterfunken: Der Name Spark ist nicht von ungefähr gewählt, er bedeutet "Funke". Und der Funke springt von Anfang an von der Kufo-Bühne aufs Publikum über. Was nicht unbedingt zu erwarten war.

Denn neben Klavier, Cello und Violine macht eine ganze Batterie von Blockflöten, von der fingerkurzen Piccolo bis zur hüfthohen Röhre, den Löwenanteil des Instrumentalbestands aus. Hinzu kommt eine Melodica. Auweia, denkt der Besucher, der die Musikstunden in der Grundschule noch ganz gut im Gedächtnis hat. Auweia, denkt er sich auch angesichts des Programms. Da stehen Bach, Mozart, Cole Porter neben Abba, Filmkomponisten wie Michael Nyman und unbekannten Namen der neueren Musik. Berührungsängste kennen die Dame und die vier Herren jedenfalls nicht.

Doch dann: Wie so oft bei Konzerten im Progressiv-Stil fängt alles ganz leise mit einem Murmeln an, einem Ur-Rauschen. Das Cello brummt, die Melodica quäkt im Stakkato, die Violine gesellt sich dazu, und zu dritt spinnen sie die Hörer in ein akustisches Gewebe ein, das urplötzlich die Piccoloflöte mit höchsten Spitztönen messerscharf durchschneidet.

Wiewohl klassisch ausgebildet, verstehen sich die Sparks nicht als Ensemble, sondern als Band. Soll heißen, statt des elitären Anstrichs pflegen sie die Spielfreude der Musikanten. Und diese Spielfreude ist es auch, die ihre unbestreitbare Virtuosität noch übertrifft. Was tut es da, dass Stücke von Mozart bruchlos in eine Gigue von Max Reger übergehen? Dass bulgarische Folklore auf Bach trifft?

Dabei gibt es bei den Sparks, Echo-Klassik-Preisträger 2011, keine dominierenden Instrumente; vielmehr wandert die Melodie vom Cello zur Flöte, von da zum Klavier und zur Violine, wieder zurück, kreuz und quer; und wer eben noch schön soliert und brilliert hat, begnügt sich zwei Takte später wieder mit dem bloßen Rhythmus.

Das garantiert Abwechslung und Spannung. Selbst die als Erholungspausen gedachten Soli geraten zu Höhepunkten der Intimität. Etwa, wenn Andrea Ritter auf der Flöte das "Lamento di Tristano" eines unbekannten Meisters aus dem 14. Jahrhundert spielt. Oder wenn Christian Fritz auf dem Klavier George Gershwins "Préludes for Piano" zelebriert oder Victor Plumettaz seinem Cello ein mitreißendes Solo aus Seufzen, Stöhnen und Klagen entlockt. Plumettaz hat auch Händels eingängige Sarabande derart arrangiert, dass der strenge Tanzschritt doch noch Luft und Platz für kleinere Kapriolen lässt.

Das Publikum — BR-Klassik übertrug außerdem via Livestream — mag die Musiker gar nicht mehr von der Bühne lassen. Die revanchieren sich mit zwei Zugaben. So ist das mit den "Passagen": Die letzte Etappe fällt im Idealfall immer unvergesslich aus.

ZDen Mitschnitt des Konzerts sendet BR-Klassik am 7. Juni um 20.05 Uhr.  

Reinhard Kalb

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