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Fürth: MIB hat eine weitere Hürde genommen

Bebauungsplan abgesegnet — Ausschuss kann nicht rechtzeitig über Festsaal beraten - 20.07.2013 10:00 Uhr

Während die Arbeiten auf dem Fiedler-Areal fortschreiten, rennt den Gegnern des Festsaal-Abrisses die Zeit davon. © Michael Müller


Vom 29. Mai bis 1. Juli lag der Entwurf des Bebauungsplan aus, um Bürgern und Trägern öffentlicher Belange die Möglichkeit zu geben, Einwände vorzubringen. Drei Kritik-Schwerpunkte kristallisierten sich dabei heraus, wie Baureferent Joachim Krauße in der Sitzung des Bauausschusses erläuterte.

Thema Nummer eins: der Festsaal. Hier rieben sich die Einwender daran, dass im Bebauungsverfahren keine Abwägung stattfand, ob MIB den Saal abreißen dürfe. Den Vorwurf wies Krauße zurück. Diese Abwägung sei im sogenannten Denkmalverfahren erfolgt, und das reiche. Der Bebauungsplan selbst lege in der Frage Abbruch oder Erhalt nämlich gar nichts fest.

Thema Nummer zwei beschäftigt einige Anlieger in der Moststraße: Sie wiesen darauf hin, dass hier wahrscheinlich Parkplätze wegfallen werden, die auch die Kunden der umliegenden Geschäfte nutzen. Dafür, erwidert Krauße, gebe es dann aber ja die Tiefgarage, die MIB bauen will.

Thema Nummer drei: Die Abstände zu den Nachbargrundstücken werden kleiner ausfallen, als es die bayerische Bauordnung verlangt. „Das darf man machen, wenn man es städtebaulich begründet“, sagt jedoch Krauße. Sein Argument: Die Stadt brauche „große Flächen für den Einzelhandel“, vor allem im Erd- und im ersten Obergeschoss.

Im Ausschuss sah niemand Grund, über die Ausführungen des Baureferenten zu diskutieren: Sepp Körbl (SPD) kündigte an, dass seine Fraktion in der Stadtratssitzung zustimmen werde – und ihm taten es Harald Riedel (Grüne) und Tobias Wagner (CSU) nach. „Ich freue mich, dass der Schlusspunkt nah ist“, sagte Wagner. „Wenn das beendet ist, können wir uns alle in die Arme fallen.“

Während die Stadträte also parteiübergreifend zufrieden sind, müssen die Abriss-Gegner eine weitere Hiobsbotschaft verdauen. Wie berichtet, hatte sich Stadtheimatpfleger Alexander Mayer – er fehlte erkrankt in der Bauausschusssitzung — unter anderem an den Petitionsausschuss des Landtags gewandt, um dort Unterstützung im Kampf für den Festsaal zu erhalten. Doch der Hilferuf kam zu spät: Für den Petitionsausschuss hat soeben die Sommerpause begonnen, erst im September tagt das Gremium wieder. Der Investor MIB aber will, wie berichtet, Ende Juli mit dem Abbruch des Park-Hotels beginnen.

In der vorletzten Sitzung hatte der Ausschussvorsitzende, Hans Joachim Werner (SPD), das Thema Festsaal zwar noch auf die Tagesordnung gesetzt, wie er auf FN-Nachfrage sagte; die Mitglieder hörten einen „Sachstandsbericht“. Als nächstes muss aber die Staatsregierung Stellung nehmen — und darüber könnte frühestens im September beraten werden.

„Die Petition hätte früher eingereicht werden müssen“, sagt Werner. Der Ausschuss könne dem Investor nicht vorschreiben, mit dem Abbruch zu warten: „Er hat eine bestandskräftige Abbruchgenehmigung.“ Werner gibt auch zu bedenken: Die Stadt habe – seines Wissens nach – rechtlich korrekt gehandelt, „die Mehrheiten haben entschieden“. Leider, so der Landtagsabgeordnete, „werden verdienstvolle Initiativen oft zu spät gestartet.“ Der Saal habe in Fürth „offenbar lange ein Mauerblümchen-Dasein“ geführt. Der Einfluss des Ausschusses aber wäre ohnehin begrenzt: „Wir hätten nur bitten können.“

Allein beim Bitten belässt es derweil die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, deutschlandweit die größte Bürgerbewegung für den Denkmalschutz, nicht. Horst von Bassewitz, Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission der Stiftung, schimpft: „Die Maximierung von Verkaufsflächen eines Einkaufszentrums kann 2013 nicht mehr Richtschnur sein bei der Erhaltung unserer europäischen Innenstädte.“

Man bedauere den „rüden Umgang“ mit dem Saal, der eine „herausragende stadt- und kulturgeschichtliche Bedeutung“ und eine „beeindruckende räumliche Qualität“ habe. Von Bassewitz spricht von einem „eklatanten Fall von Kulturlosigkeit“, eine „Vorbildrolle der Stadt“ sei nicht erkennbar. Die Stiftung sei überzeugt davon, dass sich der Saal in ein Einkaufszentrum integrieren ließe und ein toller Werbefaktor wäre.
  

Claudia Ziob

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