Mittwoch, 12.12.2018

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Fürth und Nürnberg vereinigt im Biergenuss

Brauerei Tucher weiht das «einzige Zwei-Städte-Sudhaus der Welt» ein - Beckstein verweigert Kostprobe - 25.09.2008

Hinten moderne Technik, vorn seelige Bierfreude: Rosely Schweizer von der Oetker KG, Fürths OB Thomas Jung und Staatssekretärin Dagmar Wöhrl (v.l.) verkosten den Gerstensaft, den Tucher im neuen Sudhaus braut. © Thomas Scherer


Vor einem Jahr war Spatenstich, vor sieben Monaten wurde Richtfest gefeiert und seit gestern ist die 23 Millionen Euro teure Anlage offiziell in Betrieb. Quasi in Rekordzeit wurde «eine der vermutlich modernsten Brauereien weltweit» hochgezogen, wie Geschäftsführer Wieland Hoppen zur Einweihung sagte. Einen Rekord kann Tucher aber definitiv für sich beanspruchen: Es hat nun das «einzige Zwei-Städte-Sudhaus der Welt». Genau zwischen den vier riesigen Sudkesseln verläuft die Stadtgrenze Nürnberg-Fürth; an der Wand zeugen zwei Stadtwappen davon, welche Seite zu welchem städtischen Hoheitsgebiet gehört.

Ob dieser besonderen Lage fand die Einweihungsfeier dann auch prompt im Sudhaus mitten auf der Stadtgrenze statt. Bei der Sitzordnung hatte man penibel darauf geachtet, die Oberbürgermeister Thomas Jung und Ulrich Maly ihrem Territorium zuzuordnen. Das Rednerpult allerdings stand auf Fürther Gebiet, wenn auch nur knapp. OB Maly grüßte deshalb zunächst von Nürnberger Seite aus, bevor er aufs Podest stieg und ein Grußwort an die gut 100 geladenen Gäste richtete. Er erinnerte an die 700 Jahre alte Brauereigeschichte der Region, bevor er den Hausherren bei Tucher versprach: «Wir werden beim Konsum kräftig mithelfen.»

Der Fürther OB - der extra eine Stadtratssitzung verschoben hatte, um gebührend feiern zu können - nannte die Einweihung «ein ganz bemerkenswertes Ereignis». Die Geschichte zeige, wie existenziell Bier für die Leute sei: «Proteste und Unruhen gab es in Fürth immer dann, wenn die Bierpreise erhöht wurden.»

Mit Protesten wiederum kennt Ministerpräsident Günther Beckstein sich aus, hatte er diese doch erst kürzlich mit einer Äußerung über Autofahren und zwei Maß Bier ausgelöst. Sein Grußwort in der Braustätte war deshalb besonders gespannt erwartet worden. Dieses Mal allerdings äußerte er sich ganz unmissverständlich: «Bier muss man bewusst genießen und Alkohol hat im Straßenverkehr nichts zu suchen.» Wie zum Beweis verzichtete er auf ein frisch gezapftes Tucher - schließlich standen für ihn gestern noch mehr Termine an.

Zwischen den kurzen Ansprachen der Politprominenz versorgten die beiden Geschäftsführer von Tucher Bräu, Fred Höfler und Wieland Hoppen, die Gäste mit Informationen über die neue Brauerei: 700 000 Hektoliter Bier will man hier pro Jahr produzieren, dafür wurden 28 Gärtanks mit 2600 Hektoliter Fassungsvermögen und vier große Sudkessel gebaut. Das Sortiment der neuen Anlage reicht vom klassischen Pils über Bockbier bis hin zu alkoholfreien Bieren. Da der Gerstensaft in einem neuartigen geschlossenen System entsteht, dringt kein Malzgeruch mehr nach außen. Stolz sind die Geschäftsführer auf die Energiebilanz des Neubaus: Dieser brauche nur halb so viel Strom, Gas und Wasser wie die alte Brauerei in der Schwabacher Straße.

Derzeit produziert Tucher in Fürth noch an beiden Standorten. Dem Bier aber merke man das nicht an: «Nicht mal unsere Braumeister können unterscheiden, aus welcher Brauerei es stammt», betonte Geschäftsführer Hoppen - und die sind immerhin geschmackstechnisch geschult.

Dass sie auch in Zukunft viel zu kosten haben werden, das garantierte gestern Rosely Schweizer von der Oetker KG, zu der Tucher als hundertprozentige Tochter der Radeberger Gruppe gehört. Laut ihren Worten bekennt sich der Konzern mit dem «mutigen Neubau» zum Standort Nürnberg-Fürth. Schließlich wisse man, was man an dem «guten fränkischen Bier, der stolzen Marke Tucher und den engagierten Mitarbeitern» habe. 

Annika Peissker

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