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Fürth will den Stillstand in Sachen Multiplex-Kino vermeiden

Gespräch mit dem Bauherren Alfred Ach - Unerwarteter Beschluss - 28.07.2014 06:00 Uhr

Die Entfernung eines Öltanks hinterließ eine Grube auf dem Gelände an der Gebhardtstraße — doch danach tat sich hier nur noch wenig. Nun soll ein Gespräch mit dem Bauherren Alfred Ach stattfinden. © Mark Johnston


Deshalb, so Wirtschaftsreferent Horst Müller auf FN-Anfrage, werde es im Lauf dieser Woche ein Gespräch zwischen ihm und Oberbürgermeister Thomas Jung auf der einen sowie Ach auf der anderen Seite geben. Ziel müsse es sein, „handlungsfähig zu bleiben“.

Müller räumt ein, dass der jüngste Beschluss des Stadtrats für ihn unerwartet kam, zumal sich im Wirtschaftsausschuss zwei Tage zuvor noch nichts dergleichen abgezeichnet hatte. Dort sei der Tenor gewesen, Ach – ab sofort aber gebunden an strikte Fristen für Baubeginn und Fertigstellung – auf dem Gelände an der Gebhardtstraße gewähren zu lassen.

Dem schob das Stadtratsplenum dann aber einstimmig einen Riegel vor. Die geänderten Planungen für das Kino hatten in der Sitzung für Entsetzen gesorgt, von „Schachtelarchitektur“ und „Feuerwehrhalle“ war die Rede. So wolle man den mit hohen Erwartungen verknüpften Komplex neben den Bahngleisen keinesfalls gebaut sehen – sondern so, wie er im Juli 2012, als Ach den Zuschlag bekommen hatte, vorgestellt worden war: mit Glasfronten und einem markanten, hoch aufragenden Kegel im Eingangsbereich.

Heikler Punkt

Nun, so beschreibt es der städtische Baureferent Joachim Krauße im Gespräch mit unserer Redaktion, sei die Optik, entworfen von einem anderen Planer, „sehr schlicht, sehr unscheinbar“. Der Eingang habe eher „die Anmutung eines überdimensionierten Garagentors“, das Kino wirke wie ein Gewerbebau. Auch Krauße macht aus seinem Urteil kein Hehl: „Es ist einer Stadt wie Fürth nicht würdig, so eine Kiste hinzustellen.“

Allerdings, und an diesem Punkt beginnt es heikel zu werden, ist im Vertrag über den Verkauf des Grundstücks an Ach keine Bindung an jenen speziellen Entwurf verzeichnet, auf den die Stadträte pochen. Krauße glaubt dennoch, dass die Kommune die besseren Karten hat: Schließlich habe man Ach das Grundstück im Vertrauen darauf überlassen, dass der von ihm präsentierte Entwurf seines damaligen Architekten Walter Achatz gebaut wird. Für diesen habe man auch die Genehmigung erteilt.

Das in ihn gesetzte Vertrauen habe Ach „verletzt“, das wirft für Krauße „die Frage auf, ob das Grundstück nicht auf diese Weise erschlichen worden ist“. Ach indes beharrte am Mittwochabend darauf: Nirgends stehe geschrieben, wie er das Kino zu gestalten hat, er wolle deshalb ungeachtet des Ratsbeschlusses weitermachen.

Außer Frage steht offenbar, dass er die geforderte Rückkehr zu den alten Achatz-Entwürfen nicht leisten kann: Zum einen hat er sie inzwischen als „unzureichend“ verworfen, zum anderen kämen sie wesentlich teurer als seine jetzt von der Stadt für untauglich befundenen Pläne – deren Entstehung in dieser abgespeckten Form auch einem finanziellen Engpass Achs im Frühjahr geschuldet war.

Bliebe als Alternative nur die Rückabwicklung des Kaufvertrags. Davon wollte Oberbürgermeister Thomas Jung am Freitag auf FN-Anfrage zwar noch nicht sprechen, doch er sagt auch: „Das einstimmige Votum des Stadtrats gibt uns wenig Spielräume.“ Man müsse mit Ach jetzt darüber verhandeln, „wie wir zu einer guten Lösung kommen, mit der beide Seiten leben können“. Am wichtigsten aber sei auch in seinen Augen, „eine schmerzhaft lange gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden“ – und damit den kompletten Stillstand in Sachen Kino. 

Wolfgang Händel

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