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Im Stadtarchiv wird hochgestapelt. Gut drei Meter ragen die Regale in dem kleinen Raum auf, der seit neuestem vieles beherbergt, was Zeugnis über die Braukunst nach Fürther Art gibt. Versammelt sind hier Unterlagen von Humbser, Grüner, Geismann, Bergbräu und Evora & Meyer. Bislang war die einmalige Sammlung in einem Lagerhaus der Tucher-Brauerei in der Südstadt untergebracht. Eine Aufbewahrung, die Stadtarchivar Martin Schramm vorsichtig mit eher „subopitmal“ umschreibt.
Er freut sich über den Zuwachs: „Es geht darum, das alles für die Zukunft zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Daran arbeitet bereits ein engagiertes Team von Ehrenamtlichen, zu denen unter anderem Helmut Ell und Kamran Salimi gehören. Vorbereitet wird derzeit auch eine große Bier-Geschichtsausstellung im Stadtmuseum, die am 20. Juni eröffnet wird. Fred Höfler lobte das Engagement der Helfer nachdrücklich: „Das sind Leute, die extrem viel wissen vom Brauwesen, vom Bier und von gesellschaftlichen Zusammenhängen.“
In den fünfzig großen Kartons, in denen die Unterlagen ins Stadtarchiv umzogen, befanden sich zum Beispiel zahlreiche Hauptbücher. Beim Auspacken wurden aber auch Urkunden entdeckt, wie das offensichtlich oft zur Hand genommene Exemplar vom 16. September 1896, in dem die Umwandlung der Privatbrauerei der Gebrüder Grüner zur Aktienbrauerei Fürth festgehalten wurde.
„Grüner“ – das ist ein Stichwort, das Tucher-Chef Höfler immer noch staunen lässt. Er habe sich nicht vorstellen können, dass die Neuauflage des Traditionsbiers zu einem solchen Erfolg werden könnte, gesteht Höfler: „Es ist die beste Bier-Einführung, die ich je erlebt habe.“ Möglich wurde dieses Revival übrigens auch nur dank alter Unterlagen: „Uns ist ja das historische ,Grüner’-Sudbuch in die Hände gefallen.“
Doch nicht nur Papier lagert ab jetzt auf den Archivregalen im Burgfarrnbacher Schloss. Einzug hielten auch historische Krüge, Bierkästen, alte Original-Flaschen oder Reklametafeln. Das eine oder andere Werbemittel gibt Anlass zu Grübeleien. Da wäre etwa die weiß-grüne Fahne, auf der ein Nürnberger Stadtturm prangt samt den Worten „Brauhaus Nürnberg – Abtlg. Fürth“. Eindeutig in die Jahre gekommen, aber noch gut in Form, ist eine ungeöffnete Dose Grüner-Königstrunk. Helmut Ell schätzt: „Die hat es ungefähr bis 1977 gegeben.“
Ebenso spannend wie informativ sind Fotos, die zu den Unterlagen zählen. Darauf ist unter anderem die prachtvolle Jugendstil-Ausstattung im Inneren des einstigen Humbser-Sudhauses an der Schwabacher Straße zu bewundern. Für eine Überraschung sorgte eine bislang unbekannte Aufnahme des Geländes der Brauerei Evora & Meyer an der Erlanger Straße. Heute steht davon nur noch ein einziges villenähnliches Gebäude auf einem Supermarkt-Parktplatz.
Archiv-Leiter Schramm dankte Höfler für die Unterlagen. „Sie sind ihrer historischen Verantwortung gerecht geworden“, lobte er und appellierte an alle Fürther: „Bevor etwas endgültig weggeworfen wird, schauen Sie bitte lieber noch einmal genau hin – auch das Tagebuch des Urgroßvaters kann möglicherweise von Interesse sein.“




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