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Fürther gedachten der Opfer der Pogromnacht

300 Menschen erinnerten in der Geleitsgasse an die Gräuel der Nazis vor 79 Jahren - 09.11.2017 21:58 Uhr

Musikalisch untermalt vom Marienstraßenorchester gedachten etwa 300 Menschen am Mahnmal in der Geleitsgasse, wo einst die Synagoge stand, den Opfern der Pogromnacht vor 79 Jahren. © Foto: Ralf Rödel


In einem waren sich alle Redner einig: Niemals dürfe vergessen werden, was sich in Deutschland am 9. November 1938 ereignet hat. In Fürth brannte, wie in vielen anderen Städten auch, die Synagoge ab, jüdische Geschäfte wurden geschändet und zerstört. Zahlreiche Juden wurden auf der Freiheit brutal zusammengetrieben, wo sie stundenlang in der Kälte ausharren mussten. Viele von ihnen sind später von den Nazis nach Dachau deportiert worden.

In heutigen Zeiten, in denen die Erinnerung an die Gräuel allmählich verblasse und Angriffe auf Minderheiten wieder erheblich zunähmen, dürften die Geschehnisse von damals nicht in Vergessenheit geraten, mahnte Niklas Haupt vom Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus, das gemeinsam mit der Stadt Fürth, der Israelitischen Kultusgemeinde sowie dem evangelischen und katholischen Dekanat zu der Gedenkfeier geladen hatte.

Wiederholte Anschläge

Auch in Fürth, so Haupt, nehme rechte Gewalt wieder zu. Er rief etwa die wiederholten Anschläge auf die Stelle am Rednitzufer ins Gedächtnis, die an die beiden jungen Naziopfer Rudolf Benario und Ernst Goldmann erinnert.

André Hermany setzt auf die Versöhnung, die in seinen Augen eng mit der Erinnerung verknüpft ist. "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind große Werte", sagte der katholische Dekan. Sie müsse man weitergeben an die Kinder und Kindeskinder.

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Die Reichspogromnacht 1938: Gewalt gegen Juden in Franken

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 überfielen die Nationalsozialisten in ganz Deutschland jüdische Gotteshäuser, Friedhöfe, Geschäfte und Wohnungen und hinterließen eine Spur der Zerstörung - auch in Nürnberg, Fürth und der Region.


Mahnende Wort kamen von Oberbürgermeister Thomas Jung. "Wir müssen die Demokratie verteidigen", fordert er und kritisiert, dass auf der Hardhöhe unmittelbar nach der Gedenkveranstaltung ein Pegida-Aufmarsch stattfinden durfte. Dass die rechtspopulistische Organisation ausgerechnet am 9. November demonstriert, sei vor zehn Jahren noch unvorstellbar gewesen, so Jung. Einige Fürther dürften die Veranstaltung in der Geleitsgasse dem Protest gegen Rechts vorgezogen haben: Auf der Hardhöhe, wo Pegida ihren "Spaziergang" abhielt, blieb es auf beiden Seiten ruhig.

Die Gedenkstunde beschloss der Rabbiner Jochanan Guggenheim mit einem Totengebet und dem Kaddisch, einem der wichtigsten Gebete des Judentums.

  

Gwendolyn Kuhn

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