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Fürther Orte der kunstvollen Erinnerung

Wie Senioren und junge Menschen in der Kleeblattstadt zueinander fanden - 26.06.2018 13:00 Uhr


Mag ja sein, dass wir längst in einem globalen Dorf leben, aber hat uns das einander näher gebracht? Rebecca Suttner, engagierte Mitarbeiterin in der kunst galerie fürth, weiß: "Familien wohnen zunehmend seltener mit mehreren Generationen am gleichen Ort, geschweige denn unter einem Dach." Das bedeutete aber auch, dass Kinder kaum mehr auf die Erfahrungen, die Eltern oder Großeltern irgendwo gemacht haben, zugreifen können.

Aus diesen Überlegungen entstand, wie berichtet, Suttners Projekt: Sie brachte Kinder und ältere Menschen zusammen, die einander jene Fürther Schauplätze vorstellten, mit denen sie eine Geschichte verbinden. Beteiligt waren zum einen Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen drei bis fünf aus einer freiwilligen Neigungsgruppe an der Grund- und Hauptschule Schwabacher Straße. Dazu gesellten sich Seniorinnen und Senioren, die sich für die Idee interessierten.

Renate Haarländer, Lehrerin in der Schwabacher Straße, erinnert sich gut an die Stimmung vor dem ersten Treffen: "Die Aufregung war auf beiden Seiten groß", erzählt sie beim Abschlusstreffen. "Zum Kennenlernen wurde eine Art von Speed Dating gemacht, jeder sprach kurz mit jedem, und prompt begannen sich erste Freundschaften zu entwickeln."

Suttner macht noch einmal klar, wie die folgenden Zusammenkünfte abliefen: "Wir sind stets zu einem besonderen Ziel gegangen. Dort wurde ein Erlebnis oder eine Geschichte erzählt, die ein Teilnehmer mit diesem Ort verbindet, und anschließend gab es Gelegenheit zur kreativen Gestaltung." Der Fürther Künstler Stephan Schwarzmann bereitete dafür besondere Ideen vor, und so wurde gebastelt, gestickt, gedruckt, gemalt, gefaltet. . .

In einer Broschüre, die nun in der kunst galerie fürth am Königsplatz ausliegt, wird nun gezeigt, wie intensiv die Auseinandersetzung von Jung und Alt mit dem jeweiligen Thema war. Ursula Könitzer (74) etwa stellte der Gruppe ganz persönliche Kindheitserinnerungen an ihre "Sommerresidenz" vor: das Fürther Flussbad. Dazu wurden anschließend Figuren gestaltet, die dank farbiger Klebebänder sehr schicke Badeanzüge bekamen. "Meine eigene Figur ist mir nicht ganz so gelungen, wie ich wollte. Aber ich habe mein Herzblut da reingehängt und liebe sie", versichert Ursula Könitzer lachend.

Prima Puppentheater

Rim, Funda und Eleni – die Schülerinnen sind neun und zehn Jahre alt – berichteten den anderen von ihrem Chorauftritt im Stadttheater während der Musischen Woche: "Das Mikro hat immer gepiept, aber wir haben weitergemacht. Dann haben wir viel Applaus gekriegt und sind Eis essen gegangen." Ein wunderbares Puppentheater, das alle miteinander bastelten, erinnert jetzt an diesen Abend.

Möglich wurden die Besuche etwa im Stadttheater, im Fürthermare oder im Rathaus nur, weil der Gruppe die Türen geöffnet wurden. Walter Groß, Direktor des Amtsgericht, erinnert sich als einer dieser Unterstützer des Projekts an die Zusammenkunft im Gericht: "Zum Schluss des Rundgangs sind wir sogar in unserer Haftzelle gelandet. Aber ich hatte ja den Schlüssel dabei. . ."

Lob für das generationenübergreifende Konzept, das im Rahmen des 200. Jubiläums der Fürther Selbstständigkeit ablief, gab es von Bürgermeister Markus Braun und von Karin Heinzler, die Kultur- und Sozialreferentin Elisabeth Reichert vertrat: "Projekte wie diese sind für den Zusammenhalt in unserer Stadt sehr wichtig." 

Sabine Rempe

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