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Fürther Politiker zu Jamaika: Kröten für alle, bitte!

Die Chefs von CSU, FDP und Grünen halten eine Koalition für möglich - 26.09.2017 13:00 Uhr

Handschlag für Jamaika – schwer machbar, aber auch nicht ausgeschlossen, meinen führende Vertreter der in Frage kommenden Parteien in Fürth. © Foto: Frank Rumpenhorst/dpa


Manfred Hierdeis merkt man eine gewisse innerliche Zerrissenheit an. "Das ist mit Sicherheit nicht meine Lieblingskoalition", sagt der Fürther Grünen-Chef über jenes Bündnis, das inzwischen als einzige Regierungsoption im Land gilt, nachdem die SPD angekündigt hat, in die Opposition gehen zu wollen.

Für praktikabel hält Hierdeis allerdings auch eine Minderheitsregierung aus Union und FDP, die sich bei den jeweiligen Sachthemen unterschiedliche Partner suchen müsste, um eine Mehrheit für ihre Gesetze zu bekommen. Allerdings: Hierdeis fürchtet, dass diese Regierung nicht die Legislaturperiode überstehen könnte. "Und das würde die AfD mit ihrer Propaganda dann so richtig ausschlachten."

Sicherer wäre es also in seinen Augen, eine tragfähige Koalition zu bilden. "Die Grünen müssten die eine oder andere Kröte schlucken", sagt er. "Die anderen aber auch. Das funktioniert doch nur, wenn alle auf Augenhöhe agieren."

Auch Stephan Eichmann, Vorsitzender der FDP in Fürth, glaubt an Jamaika: "Das kann klappen", sagt er. Seine Partei sieht er in der Pflicht: "Ich halte nichts von einer Verweigerungshaltung." Die Jamaika-Parteien hätten genug Schnittmengen, um eine stabile Regierung bilden zu können. Die FDP habe zwar Ziele, die sie nicht aufgeben wolle. Aber das gelte auch für die anderen. "Einen Kompromiss kann man suchen und auch finden."

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Dass die Grünen über einen etwaigen Koalitionsvertrag ihre Basis abstimmen lassen wollen, wünscht er sich auch für die FDP. Als Gefahr für Jamaika sieht Eichmann die CSU und nennt beispielhaft Horst Seehofer, der davon sprach, seine Partei müsse nun die "offene rechte Flanke" der Union wieder schließen. Auch Manfred Hierdeis sieht diese Haltung als Problem: "Man hat doch schon im Wahlkampf gesehen, dass es nichts bringt, AfD-Parolen nachzuplappern", wirft er der CSU vor.

"Wir haben es nicht nötig, jemandem hinterherzulaufen"

"Wir haben es nicht nötig, jemandem hinterherzulaufen, schon gar nicht der AfD", beteuert Michael Au, der Chef der Fürther Christsozialen. Allerdings gelte es, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen: "Das Propagieren von Multi-Kulti kann da nicht der richtige Weg sein." Sollte Jamaika zustande kommen, so Au, seien alle vier Partner gut beraten, auf die Wähler zu hören. Und: Alle müssten die viel zitierten Kröten schlucken und ein Stück weit von eigenen Standpunkten abrücken.

"Ich glaube, dass wir einen gemeinsamen Nenner mit der FDP und Teilen der Grünen finden können", sagt Au und setzt noch obendrauf: "Das muss was werden. Neuwahlen wären jedenfalls das Schlechteste, was passieren könnte."


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Johannes Alles

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