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Fürther Talgrund: Radler kontra Fußgänger

Konfliktpotenzial auf kombinierten Wegen - 21.04.2017 06:00 Uhr

Spielende Kinder und Grundstückseinfahrten: Radler müssen im Bereich der Spitzwiesenstraße besonders vorsichtig sein.

Spielende Kinder und Grundstückseinfahrten: Radler müssen im Bereich der Spitzwiesenstraße besonders vorsichtig sein. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Ein etwa 60-jähriger Rennradfahrer aus Nürnberg rempelt in Höhe der Einmündung des Stichwegs zur Spitzwiesenstraße einen Neunjährigen an, der zusammen mit seinem Freund am Wegrand auf die Mutter gewartet hatte. Im Krankenhaus wird später eine schmerzhafte Prellung diagnostiziert. Dem Schlag in den Rücken aus voller Fahrt ging keinerlei Provokation voraus. Der Radler behauptet zwar, geklingelt zu haben, doch davon wollen weder die Kinder noch drei Frauen mit Hunden in unmittelbarer Nähe etwas gehört haben.

Der Mann ignoriert entsetzte Kommentare der Umstehenden und radelt einfach weiter. Wenig später kehrt er aber zurück und wird von mehreren Anwohnern festgehalten. Die Polizei wird gerufen, weshalb der Vorfall ein Nachspiel hat. Vor einer Woche erst wurde die Mutter des Neunjährigen von einer Radlerin angefahren und zog sich eine Armverletzung zu.

Auch ihr Vater hatte schon eine schmerzhafte Begegnung mit einem Radfahrer. Weil es an der Engstelle zwischen Fluss und Bebauung bereits wiederholt zu gefährlichen Situationen gekommen war, hat die Stadt mehrere Schilder aufgestellt, um Radler vor spielenden Kindern und Grundstücksausfahrten zu warnen. Mit mäßigem Erfolg allerdings.

"Gegen den zunehmenden Egoismus sind wir machtlos", räumt Straßenverkehrsamtsleiter Hans-Joachim Gleißner auf Anfrage der Fürther Nachrichten ein. Beispiele genug hat er auf Lager von Menschen, die meinen, sich alle Freiheiten herausnehmen zu können, weil sie mit Muskelkraft unterwegs sind. Auch der rabiate Radler betont den aufgebrachten Anwohnern gegenüber seinen Anspruch auf den Regnitztalweg als traditionelle Trainingsstrecke.

Dafür birgt sie jedoch zu viele Risiken. Im Juni vergangenen Jahres erst hat ein junger Radler eine Radfahrerin umgerempelt, die aus der Straße "Am Regnitzhang" auf den Talweg einbog. Ein Beinbruch war die Folge, doch der Unfallfahrer machte sich aus dem Staub. Der Vorfall gab Anlass, über ein Ausweisen des Talwegs als Vorfahrtsstrecke nachzudenken, wie es in Freiburg praktiziert wird.

Zu riskant

Hans-Joachim Gleißner sieht darin jedoch keine Lösung. Und auch Überlegungen, die Taltrassen für überörtliche Radschnellwege zu nutzen, steht der Amtsleiter reserviert gegenüber. Dazu gebe es einfach zu viele Gefahrenstellen. Das meint auch Olaf Höhne, der Fürther Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). Der Realisierung eines solchen Projekts stünde der Mischverkehr dort im Wege.

Ein alternativer Schnellweg entlang der Erlanger Straße und Stadelner Hauptstraße birgt nach Höhnes Ansicht wiederum Probleme an den großen Kreuzungen. Im Tal könnte die Stadt seiner Ansicht nach jedoch schon einiges zum Entschärfen der Risiken tun. Der ADFC-Sprecher denkt dabei in erster Linie an eine Verbreiterung, wie sie jetzt zwischen Ludwigsbrücke und Käppnersteg in Angriff genommen werden soll. Außerdem an Markierungen, die vor gefährlichen Kurven und Einmündungen warnen.

Als wenig hilfreich hat sich in der Vergangenheit die Trennung von Fußgängern und Radlern mit einer durchgezogenen Mittellinie erwiesen. Weil die Markierungen vor allem in engen Kurven immer wieder missachtet, oder – was noch gefährlicher war – die Seiten verwechselt wurden, hat man sie am Ulmenweg schließlich entfernt. Der Fürther Verkehrspolizei ist die Problematik der Talwege längst bekannt. Eine auffällige Häufung von Zusammenstößen und Rempeleien ist aktuell jedoch nicht festzustellen, meint ein Sprecher. 

VOLKER DITTMAR

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