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Fürther Vorbilder in Ehren gehalten

Vor 81 Jahren wurden im KZ Dachau Rudolf Benario und Ernst Goldmann ermordet - 15.04.2014 21:00 Uhr

An den Birken, die Benario und Goldmann vor dem ehemaligen Clubheim der Kanuten noch selbst gepflanzt hatten, versammelten sich viele Menschen zum Gedenken. © Ralf Rödel


Die Uferpromenade an der Rednitz, flussaufwärts schräg gegenüber der Stadthalle. Dort stehen vier Birken. Man glaubt gar nicht, dass die schon mehr als achtzig Jahresringe zählen. Anfang der 1930er Jahre hatten die Fürther Juden und Anhänger der KPD Rudolf Benario und Ernst Goldmann den Kanuclub gegründet. An dieser Stelle stand das Bootshaus und dort hatten sie eigenhändig die Birken gepflanzt, zwecks Sicherung des Ufers. Seit 2007 ist hier auch eine Gedenktafel zu finden, die schon häufig beschmiert wurde. Hier fanden sich am vergangenen Sonntag etwa 50 Menschen ein, um an den 81. Todestag von Benario und Goldmann zu erinnern.

Hans Brenner vom Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus erinnerte in seiner Rede an die Umstände von damals. Nach dem Brand des Berliner Reichstags erließen die Nazis die Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat, was praktisch die Aufhebung aller bisher geltenden bürgerlichen Rechte jedes Einzelnen bedeutete. Am 9. März 1933 verkündete der Nürnberger Abgeordnete der NSDAP und stellvertretende Gauleiter von Franken, Karl Holz, vom Balkon des Fürther Rathauses: „Mit dem heutigen Tag beginnt in Bayern das große Saubermachen.“ Bereits am Tag darauf wurden 15 Funktionäre der KPD und ein Sozialdemokrat inhaftiert und, da die Gefängnisse nicht ausreichten, ins soeben eröffnete KZ Dachau verschleppt.

Brenner erinnerte an Benarios und Goldmanns Warnungen vor den Nazis, vor Verbrechen und Krieg, Warnungen, die sich aufs Furchtbarste bestätigen sollten. Brenner erinnerte an den Völkermord der Nazis in der Ukraine, namentlich an das Massaker von Babi Jar bei Kiew. Und er zog Parallelen zur aktuellen politischen Lage in der Ukraine: „Es stände deutschen Politikern gut an, Geschichte zu studieren, anstatt die Nachfahren faschistischer Kollaborateure zu hofieren.“

Brigitte Dittrich, Fürther Stadträtin der Grünen, dankte dem Bündnis gegen Rechtsextremismus und den engagierten Bürgern, die den Einzug der rechtsextremen „Bürgerinitiative Soziales Fürth“ in den Stadtrat verhindert hatten, und warnte zugleich vor weiteren rechtslastigen Gruppierungen wie der „Alternative für Deutschland“: „Aufklärung tut not.“

Ein Vertreter des Infoladens Benario, der ungenannt bleiben wollte, äußerte schließlich seine Skepsis zum Prozess gegen den NSU, zur jahrelang falsch ermittelnden Polizeiarbeit sowie zur aus seiner Sicht mangelhaften Aufklärung der rechtsradikalen Vernetzungen. Was dann in einer generellen Kritik an Kapitalismus und Patriarchat mündete. 

Reinhard Kalb

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