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Fürths erste Asylothek eingerichtet

Impulse zur besseren Integration in der Höfener Straße - 25.02.2016 11:30 Uhr

Die Kinder nahmen die neue Einrichtung gleich mit großer Begeisterung an. Deren „Erfinder“ ist Günter Reichert, Bruder der Fürther Sozialreferentin Elisabeth Reichert. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Sie wirbelten aufgeregt durcheinander und waren kaum zu bändigen: Dutzende Kinder wollten den Raum in der Gemeinschaftsunterkunft sofort in Beschlag nehmen, statt den Reden der Erwachsenen zu lauschen. Verstanden hätten sie diese ohnehin nicht – noch nicht. Denn schließlich werden in der Asylothek neben Freizeitbeschäftigungen wie Malen und Spielen auch Deutsch-Kurse angeboten.

Getragen und organisiert wird die Einrichtung vom Freiwilligenzentrum Fürth. Für Günter Reichert, der das Modell entwickelt und in Gostenhof 2012 die erste Asylothek mit aus der Taufe gehoben hat, ist das Engagement der Ehrenamtlichen besonders wichtig. „Integration kann nicht nur über staatliche Stellen funktionieren“, meint er. Ziel sei es, Bildungsmöglichkeiten anzubieten, eventuellen Spannungen und Konflikten entgegenzuwirken und die deutsche Kultur und Sprache kennenzulernen.

Seine Schwester, Fürths Sozialreferentin Elisabeth Reichert, sieht in der Asylothek „einen weiteren Mosaikstein für die Integrationsarbeit in Fürth“. Staat und Kommunen könnten sich um die Bereiche Wohnen, Bildung und Arbeit kümmern, doch die kulturelle und soziale Eingliederung der Neuankömmlinge sei eine Aufgabe für die gesamte Stadtgesellschaft.

Derzeit bringen sich gut zehn Bürgerinnen und Bürger als Betreuer in der Asylothek ein. „Es ist nötig, und es wird von den Bewohnern auch sehr gut angenommen“, hat Thomas Ziegler, der die Organisation gemeinsam mit Petra Stellwag übernommen hat, bald gemerkt. Leider werde „Gutmensch“ aktuell zu oft als Schimpfwort genutzt, doch die Aufgabe, die er und die anderen Freiwilligen übernommen haben, sei es wert: „Einer muss es ja tun.“ Den Ausschlag für Ziegler gaben nicht die Bilder von ankommenden Flüchtlingen in den Medien, sondern ganz konkrete Erlebnisse bei einem Sardinien-Urlaub. „Dort habe ich gesehen, welche Probleme entstehen, wenn man diese Menschen in einer fremden Umgebung komplett sich selbst überlässt.“

Geöffnet ist die Asylothek jeweils montags und donnerstags abends. „Natürlich können wir noch viele weitere Helfer brauchen“, sagt Ute Zimmer, Leiterin des Freiwilligenzentrums. Interessierte können sich dort informieren. Alles, was sie mitbringen sollten, sind „Offenheit, Geduld, Flexibilität und Neugier auf andere Kulturen.“ 

Armin Leberzammer

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