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Gäste bleiben hungrig: Der Cadolzburg fehlt ein Café

Wer nach dem Besuch des Erlebnismuseums einkehren will, wird enttäuscht - 22.08.2018 07:26 Uhr

Wer das schöne Ambiente der Cadolzburg nach dem Museumsbesuch genießen möchte, sucht vergeblich nach Gastronomie. © Foto: Winckler


Rund 50 Senioren steigen aus einem Reisebus, dessen Kennzeichen verrät, dass er aus Hessen kommt. Man ist neugierig auf das Museum und schon mal begeistert von der Fachwerkromantik, die am Marktplatz den Weg zur Burg säumt. Das Mittagessen ist für die Gruppe gebucht. "Ein Schäuferle wird’s bei mir geben", verrät ein rüstiger Herr. Das Busunternehmen hat sich schon im Vorfeld gekümmert. Gegessen wird in einem Wirtshaus vor den Toren der Cadolzburg.

"Willkommene Einnahme"

Eine Vorstellung, die Bürgermeister Bernd Obst durchaus gefällt: "Bustouristen sind für unsere Gastronomen eine gut planbare und willkommene Einnahme." Aber: Obst weiß auch, dass nicht jeder, der mit dem Bus anreist, auch pauschal versorgt wird. "Ich höre ja immer wieder, dass Gäste nach dem Museumsbesuch in oder an der Burg einkehren möchten."

Dieses junge Paar aus Nürnberg hat sich als Selbstversorger Getränk und Snack mitgebracht. © Foto: Fiedler


Ein Cappuccino, ein Glas Wein, ein kleiner Snack: Viel bräuchte es nicht, um die Cadolzburg auch gastronomisch einzuhegen. "Es ist einfach wunderschön vor der Burg, und viele Gäste möchten diese Atmosphäre geradezu aufsaugen", sagt Obst.

Dass Gastwirtschaft und Veste eine herrliche Symbiose eingehen können, wissen die Cadolzburger von ihrer österreichischen Partnergemeinde Mauterndorf. Dort gibt es einen Wirt auf der Burg. Bei dem können Besucher entweder auf einen schnellen Café einkehren oder auf ein abendfüllendes Ritteressen.

Doch so weit muss man gar nicht gehen. Wer auf der Kulmbacher Plassenburg das erste Tor zur Vorburg passiert, läuft an einem Gastronomiebetrieb mit Terrasse vorbei. Ein paar 100 Meter weiter im imposanten Innenhof können sich Gäste ebenfalls stärken. Und auch auf der Kaiserburg in Nürnberg, die der Freistaat aktuell für 26 Millionen Euro saniert, wird sich künftig ein Café finden.

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Konkrete Absage

In Cadolzburg liegt das offenbar in weiter Ferne. Dabei gäbe es geeignete Gebäude: Besonders passend wäre das alte Schulhaus. Dessen Renovierung wäre allerdings ebenfalls Sache des Freistaats und nicht des Marktes. Die Mitarbeiter der Bayerischen Schlösserverwaltung kennen die Örtlichkeiten. Bernhard Weber hält sich bedeckt, wenn man ihn quasi als Vertreter des Freistaats, in dessen Eigentum sich das Burggelände befindet, danach fragt, ob das alte Schulhaus für gastronomische Zwecke aufgehübscht werden könnte.

Gespräche habe es zwar in der Vergangenheit gegeben, berichtet Weber. Für Spekulationen sei aber derzeit kein Raum. Die offizielle Auskunft der Pressestelle hört sich konkreter an: "Es gibt derzeit keine Pläne, ein Café einzurichten."

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Immerhin hatte schon vor Jahren, als die Renovierung der Burg und das Konzept des Museums beschlossen wurden, eine hochrangige Besuchergruppe die Möglichkeit eines Burgcafés durchgespielt. Mit dabei war damals Fred Höfler, Geschäftsführer der Tucher-Brauerei. "Man kann sich das sehr schön im alten Schulhaus mit seinem lauschigen Gärtchen vorstellen", meint er. Höfler erinnert sich aber auch, wie von Seiten der Schlösserverwaltung rasch eine ziemlich unschöne Zahl genannt wurde, als es um die Höhe der Renovierungskosten ging. "Zehn Millionen Euro standen da im Raum", erzählt Höfler.

Er persönlich spricht sich für ein Engagement auf der Cadolzburg aus. Demnach könnte Tucher die Kosten für die gastrospezifische Einrichtung übernehmen. Immerhin summieren sich diese auch schon auf erkleckliche drei- bis vierhunderttausend Euro.

Tucher im Boot?

Doch Höfler, gerade neuer Kleeblatt-Präsident geworden, hat den Ruhestand vor Augen. Ein neuer Geschäftsführer wird seine Nachfolge antreten. Ob Tucher dann weiter im Boot sitzt, könne er nicht abschätzen. Und so erscheint es aus diversen Gründen mehr als zweifelhaft, ob sich der verständliche Wunsch des Cadolzburger Gemeinderats nach einem Burgcafé realisieren lässt.

Böte das aber nicht eine Chance für die ortsansässigen Wirte? Bernd Obst ist anzumerken, dass er auf deren verstärktes Engagement hofft. Er will deshalb noch einmal alle zu einer Gesprächsrunde bitten. "Jetzt wissen wir ja, wie gut die Cadolzburg läuft", meint er. Vielleicht könne man auch das Angebot vor Ort noch besser auf die Besucher und ihre Bedürfnisse abstimmen.

Obst denkt beispielsweise daran, dass die Wirte den Ruhetag der Burg mit ihrem Betrieb abstimmen könnten. Das wäre der Montag. Aber vielleicht will sich der eine oder andere Cadolzburger Gastronom auch als richtiger Burgwirt etablieren. Selbst wenn die Besucher dann das Gelände der Veste verlassen müssten.

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Petra Fiedler

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