Mittwoch, 14.11.2018

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Gebeutelte Bauern: Ist die Soforthilfe eine gute Idee?

Im Fürther Landkreis sorgt man sich, dass die Verbandsforderungen dem Image schaden könnten - 16.08.2018 06:00 Uhr

„Der Mais ist regelrecht verdurstet“, sagt BBV-Kreisobmann Peter Köninger. Die Menge der Niederschläge bewegt sich derzeit auf dem Niveau des ebenfalls trockenen und heißen Jahres 2003. © Foto: Thomas Scherer


Sie sei besorgt über die Auswirkungen der Dürre, unter der viele Bauern leiden müssten, teilt Julia Klöckner auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft mit. In der Sache bleibt die Ministerin aber hart. Erst brauche es Zahlen, Daten und Fakten, bevor eine Entscheidung über Bundeshilfen fallen könne, so das Ergebnis eines Gesprächs mit Vertretern der Länder am Montag in Berlin. Nächste Woche soll es so weit sein.

Peter Köninger hat damit kein Problem. Weniger anfreunden kann sich der Fürther Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands jedoch mit der Taktik des DBV. Anstatt vorzupreschen, wäre es nach Ansicht des Krebeners besser gewesen, zunächst intern zu verhandeln und dann Ergebnisse zu verkünden.

Die Rechtfertigungen leid

Doch nun steht die Milliarde im Raum, und wirbelt gleich Diskussionen auf "Ihr kriegt Geld", das müssten sich Kollegen am Stammtisch oder im Verein schon anhören, sagt der Milchviehhalter. Dem Image des Berufsstands sei das nicht zuträglich, man sei es zudem leid, sich – Stichwort Tierwohl und Düngeproblematik – ständig rechtfertigen zu müssen.

Doch wie gebeutelt wurden die Bauern in Stadt und Land? Zumindest im Westen – Köninger nennt Großhabersdorf und Wilhermsdorf – passte es mit den Niederschlägen einigermaßen bis in den Juni hinein dank zweier Starkregenfälle am Himmelfahrtstag und eine Woche später. Trockener wurde es, je näher man der Stadt kam. Und inzwischen ist die Situation überall längst kritisch: "Der Mais", sagt Köninger, "ist regelrecht verdurstet."

Nördlich des Hofes von Johannes Strobl im Cadolzburger Ortsteil Greimersdorf steht seit 1989 eine Wetterstation. 249 Liter Niederschlag pro Quadratmeter wurden dort seit Jahresbeginn bis gestern gemessen. Der langjährige Mittelwert bis zum 14. August liegt bei 425 Litern. Das heißt, die Flur musste heuer bisher mit rund 45 Prozent weniger Regenwasser auskommen. Zum Vergleich: Im Hitzesommer 2003 waren es zur gleichen Zeit rund 260 Liter. Strobl kann sich nicht erinnern, dass die Ernte jemals so früh begonnen hat wie in diesem Jahr. Weizen, die wichtigste Getreidekultur auch im Landkreis, Mais und Zuckerrüben, das sind die wesentlichen Standbeine seines Betriebs. Die Einbußen, wobei die Rüben noch auf dem Feld stehen, beziffert der Ortsobmann für Cadolzburg-Roßendorf im Bereich der Marktgemeinde allgemein zwischen 35 und 40 Prozent.

Trotzdem bereitet dem Greimersdorfer Landwirt die geforderte Milliardenhilfe "Bauchschmerzen". Obwohl Zahlungen einzelnen Betrieben sicher helfen würden: In der gesellschaftlichen Debatte schadeten sie der Landwirtschaft, glaubt er. Wenn der Staat Geld investieren wolle, dann doch lieber zielgerichtet in innovative, sprich sparsame Bewässerungssysteme oder Rückhaltebecken.

Staubtrockener Boden

Bewässern muss auch Thomas Peter – und zwar Flächen für Erdbeeren, die sein Sohn Johann für das nächste Jahr vorbereiten will: Dämme bauen, die von einer schwarzen, mit Löchern versehenen Folie überspannt werden, in die die jungen Pflanzen kommen. So funktioniert das – aber: Die Dämme waren nicht zu formen. "Alles Staub", sagt Thomas Peter, der zudem Bullenmast betreibt und mit Spargel neben Erdbeeren noch stark auf eine zweite Sonderkultur setzt. Im Juni war hier die Ernte erledigt, und der Oberasbacher Landwirt zufrieden. Beim Spargel sei die Lage gut gewesen, obwohl mit der zunehmenden Wärme Masse auf den Markt drückte. Auf dem einen oder anderen Acker ließ er das Stechen deshalb früher einstellen.

Weil Thomas Peter mit seinen Maschinen auch für andere Kollegen arbeitet, kommt er herum im Landkreis. Kurios war zum Teil die Lage: In Keidenzell drosch er Raps, die Ernte sei "fast normal" gewesen. Ganz anders beim Weizen in Gonnersdorf und Greimersdorf bei Johannes Strobl. Auf den dortigen "guten Böden" war der Ertrag schlechter als auf Peters eigenen Flächen. Das, sagt er, habe es noch nie gegeben.

Weil auch Futter knapp ist, plant die Bundeslandwirtschaftsministerin eine Direktverordnung, nach der ökologische Vorrangflächen jetzt für dessen Anbau genutzt werden darf. Heute unterrichtet sie das Kabinett. Köninger und Peter haben für ihre Tiere aktuell zwar genügend Vorrat. Im Bereich Cadolzburg/Seukendorf, wo vor fast genau einem Jahr Sturm "Kolle" tobte, fehlten Betrieben beim Grünschnitt 30 bis 40 Prozent, so der BBV-Kreisobmann. Klöckners Schritt komme aber leider zu spät. Denn selbst für eine Sommerklee-Grasmischung, die hier gesät werden könnte, gilt: Ohne Wasser wächst nichts. 

Harald Ehm

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