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Der „Gelbe Löwe“ ist einer der Großhabersdorfer Schätze. Das imposante Fachwerkgebäude entstand im Jahr 1683. Noch älter ist nur die Kirche im Ort. Auch das 2009 fertig renovierte Gasthaus zum Roten Ross ist mit dem Baujahr 1697 etwas jünger. Wie das „Rote Ross“ hat der „Gelbe Löwe“ eine eindrucksvolle Fachwerk-Fassade, allerdings nicht mit roten Balken, sondern namensgebend in Gelb. Aus Sicht der Denkmalschützer ist nicht nur das beeindruckende Äußere erhaltenswert, im Inneren finden sich genauso Details von historischer Bedeutung, darunter eine Wendeltreppe und der aus der Zeit von 1900 stammenden Gastraum. Genauere Untersuchungen des Gebäudes waren aber bislang noch nicht möglich.
Das hat seine Ursache in den komplizierten Eigentumsverhältnissen. Denn mit 104000 Euro kaufte die Gemeinde zwar das Gebäude, nicht aber das Inventar. Das gehört den Erben des früheren Besitzers, und selbst sie haben nicht ohne weiteres Zugriff. Denn der Besitzer ist in Thailand verstorben und dort auch beerdigt. Allerdings ist in Deutschland nie ein Totenschein angekommen. Die Details zu regeln, ist nun Aufgabe des Nachlassgerichtes und das kann dauern. „So lange fassen wir im Inneren nichts an“, sagt Großhabersdorfs Bürgermeister Friedrich Biegel.
Das Ausräumen ist aber die Voraussetzung für etliche Untersuchungen, die im Gebäude nötig sind, um mit den Sanierungsarbeiten beginnen zu können.
Drei Architektenbüros würden die Sanierung gerne leiten. Sie müssen zunächst sogenannte Modernisierungsgutachten erstellen. In einer Sondersitzung des Großhabersdorfer Gemeinderates warben die Vertreter der Büros mit größtenteils preisgekrönten Referenzprojekten für sich. Darunter Herrmann Keim vom gleichnamigen Büro aus Fürth und Hartwig Werner, Chef der Architekturwerkstatt in Gunzenhausen. Das dritte Büro ist in Großhabersdorf gut bekannt: Knoll & Konopatzki aus Rothenburg ob der Tauber leiteten die Arbeiten am „Roten Ross“. In den Erhalt der historischen Bausubstanz haben die Gastwirtsfamilie Lang, die Städtebauförderung und die Gemeinde zusammen eine Millionen Euro investiert.
Architekt Andreas Konopatzki rückte als einziger nicht diverse Gutachten in den Mittelpunkt, sondern forderte dazu auf, zunächst zu klären, welchen Zweck der „Gelbe Löwe“ künftig erfüllen solle. Erst danach könne man über den nötigen Umfang der Gutachten entscheiden.
Er präsentierte dazu verschiedene Ideen: Ein Hotel mit Restaurant und Seminarräumen. Ein Bürgerhaus für Vereine, private und kulturelle Veranstaltungen. Ein Haus der Dienstleistung mit einem Bürgerbüro, Praxen für Anwalt oder Steuerberater, Heilpraktiker oder Physiotherapeut.
Den Fokus zuerst auf die künftige Nutzung zu legen, war ein Gedanke, der nicht nur bei den Großhabersdorfer Gemeinderäten gut ankam, sondern auch bei Dagmar Piezunka, Referentin für die Städtebauförderung bei der Regierung von Mittelfranken. Sie sieht in der Sanierung des „Gelben Löwen“ einen „entscheidenden Baustein für ein aktives Ortszentrum in Großhabersdorf“ und räumt dem ambitionierten Vorhaben einen hohen Stellenwert ein.
Noch gibt es keine belastbaren Zahlen, was die Modernisierung des Baudenkmals kosten wird, doch die Gemeinde darf mit einer Förderung von 60 Prozent aus dem Topf der Städtebauförderung rechnen, 40 Prozent müsste sie selbst schultern. Ob es dabei bleibt oder weitere Zuschüsse hinzukommen, ist noch zu klären.
Was sich die Vertreterin der Regierung auf jeden Fall erwartet, ist, dass der Gemeinderat seine Hausaufgaben macht und eine Gestaltungssatzung für den Ortskern erlässt. „Erst damit“, erklärt Piezunka, „hat die Gemeinde eine Steuerungsmöglichkeit und kann ein Abdriften bei Neu-und Umbauten verhindern.“ Sie weiß, dass solche Satzungen bei Bürgern oft unbeliebt sind, doch, meint sie, letztlich führe ein attraktiver Ortskern zu einer Wertsteigerung der Immobilien.
Und noch eines erwartet Dagmar Piezunka von der Sanierung des „Gelben Löwen“: Private Bauherren könnten nachziehen. Für Inhaber einer denkmalgeschützten Immobilie sei das durchaus interessant aufgrund der Förderung der öffentlichen Hand und dank Steuererleichterungen.
Potenzial hat Großhabersdorf mit vielen markanten Gebäuden genug, wie der städteplanerisch beratende Architekt Matthias Rühl in Großhabersdorf mittels Bildern nachwies. Mit Kritik sparte Rühl aber auch nicht: Manches historisch wertvolle Haus „vergammelt in unverantwortlicher Weise“.



