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Gesucht: Ein neuer Kino-Standort für Fürth

Wenn die Kommune das Wölfel-Areal entwickelt, muss das City-Kinocenter weichen — Blick in die Südstadt - 21.09.2010 16:00 Uhr

Betreiber Alfred Ach investiert schon seit Jahren kein Geld mehr in das City-Kino. Den Standort hält er selbst nicht mehr für ideal. © Hans-Joachim Winckler


Es gab eine Zeit, da kamen Filmstars in schöner Regelmäßigkeit nach Fürth. Supernase Thomas Gottschalk, Til Schweiger, Katja Riemann – sie alle waren zu Gast im Kinocenter an der Rudolf-Breitscheid-Straße. „Der Sepp Vilsmaier hat allein fünf Premieren bei uns gefeiert“, schwärmt Kino-Betreiber Alfred Ach. Die Kontakte zu den Stars stammten aus Achs Zeit als Mitglied im Bayerischen Filmtheaterbeirat.

Die Kontakte hat er immer noch, nur die Stars will er nicht mehr nach Fürth holen. „Nicht mit diesem Kino, das müssen Sie verstehen“, sagt Ach und meint damit den Zustand seines Filmpalasts. Seit Jahren hat er nicht mehr in das Gebäude und die vier Kino-Säle investiert. Einen entsprechend tristen Anblick bietet es. Nun steht es endgültig vor dem Aus.

Die Stadt hat das Areal gekauft, um dort sowie im benachbarten Park- Hotel und auf dem Fiedler-Gelände einen neuen Einkaufsschwerpunkt für die Innenstadt zu entwickeln (wir berichteten). Für ein Kino ist kein Platz mehr vorgesehen, sagte unlängst Oberbürgermeister Thomas Jung gegenüber den FN. Alle Flächen würden für den Einzelhandel benötigt.

Für Alfred Ach ist das kein Weltuntergang, schon länger sei er unzufrieden mit dem Standort seines Kinos, das er vor etwa 30 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern übernommen hat. Den Pachtvertrag verlängert er zuletzt regelmäßig nur noch um ein Jahr. Es sei die Parkplatzsituation, die ihm zu schaffen mache. „Früher gab es auf der Fürther Freiheit außer der Kärwa kaum Veranstaltungen“, sagt er. Inzwischen rauben ihm Fürth Festival, Metropol-Marathon und vieles mehr die wertvollen Stellplätze.

Vor zwei Jahren, als der Investor Sonae Sierra ein großes Einkaufszentrum links und rechts der Breitscheidstraße plante, schöpfte Ach neue Hoffnung. Die Portugiesen wollten nicht nur ein Kino in den Komplex integrieren, sondern auch ein Parkhaus unter der Freiheit bauen. „Mit Sonae Sierra war ich quasi handelseinig, das Kino zu betreiben“, sagt Ach. Dann platzten die Pläne des Investors.

Und nun? Ach ist „fest entschlossen“, in Fürth weiterhin „Kino zu machen“. Allerdings wünscht er sich von der Stadt Unterstützung bei der Standortsuche und -entwicklung. Sehr angetan ist er von der Südstadt, die sich „prächtig“ entwickelt habe.

Dort gebe es ein noch leer stehendes Gebäude des insolventen Versandhändlers Quelle – und beim Phönix-Center genügend Stellplätze. Auf welche Immobilie Ach ein Auge geworfen hat, will er zwar nicht verraten, doch wer eins und eins zusammenzählt, kann nur auf das ehemalige Retourenlager von Quelle kommen.

Nicht mehr als sieben Säle

Laut Rathauschef Jung sieht die Stadt für das 27000 Quadratmeter große Areal an der Leyher Straße tatsächlich eine Nutzung aus dem Bereich Freizeit vor, auch ein Kino sei vorstellbar. Für Jung wäre der Standort jedoch nur zweite Wahl. Fest steht für ihn, dass eine Stadt wie Fürth – trotz der Nähe zur üppigen Nürnberger Filmtheater-Landschaft – neben den Spartenkinos Babylon und Uferpalast auch ein „klassisches Kino“ benötige. Am besten in der Innenstadt, so Jung: „Mein Favorit ist die Fläche neben der Wolfsgrubermühle.“ Dort wäre die Stadt bereit, „bei der Erschließung“ mitzuhelfen.

Es wäre der zweite Anlauf, an dieser Stelle ein Kino unterzubringen. Vor zehn Jahren zerschlugen sich bereits die Pläne eines Investors für ein Multiplexkino. Schon wegen der Nähe zur Kneipenmeile Gustavstraße hält auch Ach den Standort für geeignet; vorausgesetzt, er sei ohne „Riesenaufwand“ zu bebauen. An ein Multiplex-Kino denkt er jedoch nicht. Maximal sieben Säle, dazu Gastronomie und ein Multifunktionssaal für kulturelle Veranstaltungen. Dann würde Ach auch wieder Stars nach Fürth holen wollen. So wie früher. „Das“, sagt er, „war eine schöne Zeit.“ 

Johannes Alles

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