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Grafflmarkt in Fürth: Vorverkauf im Campingwagen

Stadt rückt ab von Telefon-Reservierung — Erinnerungen an ein "Mordstheater" - 27.08.2013 09:00 Uhr

Das Glück der Graffler ist nah: Am 20. und 21. September kann in der Altstadt wieder gestöbert werden. Doch bevor es so weit ist, müssen die Platzkarten für die Stände vergeben werden — und dabei blieb es bisher nicht immer friedlich.

Das Glück der Graffler ist nah: Am 20. und 21. September kann in der Altstadt wieder gestöbert werden. Doch bevor es so weit ist, müssen die Platzkarten für die Stände vergeben werden — und dabei blieb es bisher nicht immer friedlich. © Hans Winckler


Am Freitag, 13. September, parkt auf der Fürther Freiheit erstmals ein Campingwagen mit der Aufschrift „Vorverkauf Grafflmarkt“. Ab 16 Uhr sind dort Karten für die begehrten Plätze zu haben. Dabei gilt: Pro Person gibt es nur eine einzige Karte.

Marion Mehringer vom Markt- und Veranstaltungsservice sagt, die Stadt wolle diese Variante ausprobieren, weil sich zuletzt Beschwerden über die Praxis der telefonischen Reservierung gehäuft hatten. Anrufer, die nicht zum Zug gekommen waren, beklagten, dass sie stundenlang das Besetzt-Zeichen im Ohr hatten und letztlich leer ausgingen.

Die Variante mit dem Telefon gibt es zwar schon lange, aber nicht so lange wie den Grafflmarkt: Sie wurde im Herbst 1992 eingeführt, weil die Stadt ihren „Kunden“ das zuvor übliche persönliche Erscheinen samt stundenlangem Schlangestehen ersparen wollte — und ihren Beschäftigten eine Zumutung.

Begehrter Campingwagen: Er wird am Freitag, 13. September, auf der Freiheit stehen. Die Platzkarten für den Grafflmarkt werden von hier aus vergeben.

Begehrter Campingwagen: Er wird am Freitag, 13. September, auf der Freiheit stehen. Die Platzkarten für den Grafflmarkt werden von hier aus vergeben. © Stadt Fürth


Marion Mehringer ist 61 Jahre alt und seit 40 Jahren im Dienst der Stadt. Sie erinnert sich gut an jene Zeiten, als ihre Behörde noch im City-Center untergebracht war und Anwärter auf Standkarten nachts vor ihrem Büro campierten, um am Samstagmorgen unter den Ersten zu sein. „Das war ein Mordstheater“, sagt sie und erzählt von Raufereien und Randale. Immer wieder habe die Polizei einschreiten müssen, weil sich Besoffene „Campingstühle gegenseitig auf den Kopf geschlagen“ und Anwohner über den Krach beschwert hätten. Als es „immer schlimmer“ wurde, habe man auf telefonische Reservierung umgestellt.

Doch das Gerangel um die besten Plätze hielt an. Zwei Leitungen, sagt Mehringer, seien stets freigeschaltet worden. „Mehr geht nicht, schon aus personellen Gründen.“ Am Telefon saßen in der Regel sie selbst und ein Kollege. „Da klingelt’s ununterbrochen, da kriegen Sie knallrote Ohren.“ Irgendwann gingen die beiden dazu über, sich in ihrem Büro, das sich inzwischen im Wirtschaftsrathaus befindet, einzuschließen. Vor die Tür hängten sie ein Schild mit der Aufschrift „Klopfen zwecklos“. Schutzmaßnahmen, erklärt Mehringer, denn Leute, die stundenlang nicht durchkamen, machten sich schon mal auf den Weg in die Innenstadt und „rannten uns wutentbrannt die Tür ein“.

Rund 185 Karten werden für die Bereiche Königstraße, Gustavstraße, Waagplatz und Waagstraße sowie Grüner Markt verkauft. Ein Stand von der Größe eines Tapeziertischs kostet 31 Euro, ein doppelt so breiter 62. Auf den Flächen um den Löwenplatz und um St. Michael (Kindergraffl) gilt: Wer zuerst kommt, malt zuerst.

Karten vorab gibt es nur für gemeinnützige Einrichtungen. Den immer wieder erhobenen Vorwurf der Mauschelei weist Mehringer zurück. Bestechungsversuche gebe es zwar, sagt sie. Aber auf die „blöde Frage“, was man ihr zahlen müsse, habe sie eine Standardantwort: „Unter einem Haus in Florida fang’ ich gar net an.“

Marion Mehringer ist gespannt auf den 13. September. Ausschreitungen wie früher werde es am helllichten Tag ja wohl nicht geben, meint sie. Trotzdem sei angedacht, einen Sicherheitsdienst zu engagieren. Von einem Online-Verkauf hält Mehringer übrigens wenig. Zum einen, argumentiert sie, gebe es immer noch Leute ohne Internet, zum anderen würden die Karten deutlich teurer, wenn die Stadt eine Agentur einschalte.
  

BIRGIT HEIDINGSFELDER

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