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Grundig-Park wird bebaut

P&P lässt Pläne für Wohnquartier am Main-Donau-Kanal neu aufleben - 20.06.2011 09:00 Uhr

Von der Straße aus ist nur ein Teil der früheren Grundig-Villa zu sehen, die inmitten eines großzügigen Parks liegt und den neuen Wohnhäusern weichen müsste.

Von der Straße aus ist nur ein Teil der früheren Grundig-Villa zu sehen, die inmitten eines großzügigen Parks liegt und den neuen Wohnhäusern weichen müsste. © Mark Johnston


Als der Elektronikkonzern noch florierte, hatte sich Firmengründer Max Grundig hier, auf dem Areal mit rund 57000 Quadratmetern Fläche, ein luxuriöses Domizil geschaffen. Ende 1985 jedoch, Grundig hatte die Leitung seines angeschlagenen Unternehmens bereits an den holländischen Philips-Konzern abgetreten, wandte der zunehmend verbitterte Patriarch seiner Heimatstadt den Rücken.

Max Grundig, inzwischen 77 Jahre alt, siedelte samt Frau und Kind ins noble Baden-Baden über, ein Landhaus mit 50 Zimmern und einem 260000 Quadratmeter großen Park hatte er dort erworben. Die Fürther Villa samt Park indes wurde als Tagungsstätte genutzt und verwaiste später, blieb aber im Besitz der Grundig-Stiftung, zuständig für die Verwaltung des beträchtlichen Familienvermögens.

Anfang des Jahrtausends schließlich schmiedete die Stiftung Pläne für ein Wohnquartier, ein Bebauungsplan wurde entworfen und 2006 vertraglich mit der Stadt fixiert; seitdem allerdings bewegte sich nichts mehr — zum Leidwesen der Besitzer und zur Genugtuung von Naturschützern, die gegen die ihrer Meinung nach zu intensive Bebauung, gegen zu nahe an den Waldrand rückende Häuser und befürchtete Beeinträchtigungen des Wasserschutzes Sturm gelaufen waren.

Die Debatte dürfte nun eine Neuauflage erleben, denn P&P, in den vergangenen Jahren als überaus reger Denkmalsanierer und Bauherr in Fürth bekannt geworden, übernimmt die Planung „mit geringfügigen Änderungen“, so Firmenchef Michael Peter auf FN-Anfrage. Das Konzept sieht einen Riegel von Mehrfamilienhäusern mit maximal vier Geschossen direkt an der Straße Am Europakanal vor, der auch als Schutz vor dem Lärm der nahen Südwesttangente für dahinterliegende Grundstücke dienen soll. Dort, so Peter, seien „Stadtvillen“ mit maximal neun Wohneinheiten vorgesehen, zum Wald hin sollen dann zunehmend Doppel- und Einzelhäuser das Bild bestimmen.

Nach Peters Angaben wird die Gesamtwohnfläche rund 16000 Quadratmeter umfassen, angesprochen wird, wie bei P&P üblich und schon angesichts der bevorzugten Lage, ein betuchteres Publikum; auch für Familien eigne sich der Standort „hervorragend“, wie Peter wirbt.

Keine Chance mehr wird allerdings das vorhandene Gebäude im Park haben: Obwohl es ihm die „toll gebaute“, äußerst stattliche Grundig-Villa angetan hat, wird sie nach Peters Angaben dem Abrissbagger zum Opfer fallen. „Ein Stilbruch“ wäre sie im neuen Ensemble, meint er.

Rund 13 Jahre nach dem Abzug von Grundig aus Fürth wird damit ein weiteres Relikt des einstigen Weltunternehmens im Stadtbild verschwinden.

  

Wolfgang Händel

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