Montag, 17.12.2018

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Gustavstraße? Kaufen! Fürth bekommt Monopoly-Edition

Vorschläge erwünscht - Filz im Kneipenviertel und ein Storch als Spielfigur? - 27.04.2016 13:30 Uhr

Der Stadtpark dürfte es ziemlich sicher aufs Spielbrett schaffen: Auch dem Monopoly-Männchen hat es hier beim Pressetermin gut gefallen. © Claudia Ziob


Ein Paradies wird Fürth wohl auch auf dem Spielbrett nicht sein, wie im wahren Leben lauern vielerorts Gefahren: „Du bist in die falsche U-Bahn gestiegen und nach Nürnberg gefahren – mach dich schnell auf den Rückweg.“ So könnte sich das zum Beispiel lesen, wenn man demnächst bei Monopoly eine Ereigniskarte zieht. „Setze einmal aus und trink ein Grünerla“, ist da noch ein recht erträgliches Szenario – aber auch harte Einschnitte in die Biografie drohen: „Du hast in der Gustavstraße zu viel Lärm gemacht, gehe sofort ins Gefängnis.“

Wobei das mit dem Gefängnis so eine Sache ist. Für Fürther gäbe es da ja vielleicht noch eine bessere Strafe, meint ein Nutzer: „Gehe ins Frankenstadion!“

So könnte das dann auf dem Spielfeld aussehen: Im Internet können die Fürther über diese und viele andere Straßennamen abstimmen. © FN


Seit die Macher der neuen Fürth-Edition – zwei Nürnberger übrigens – kürzlich eine Facebookseite („Monopoly Fürth“) ins Leben gerufen haben, nehmen die Fürther ihnen begeistert einen Teil der kreativen Arbeit ab. Mehr als 650 Menschen folgen der Seite schon und füllen die Kommentarspalten mit Vorschlägen, nicht nur für die Ereigniskarten. Der Plan, die künftigen Kunden in die Gestaltung einzubinden, damit das Spiel am Ende auch gut ankommt, scheint aufzugehen. „Es ist Wahnsinn, wie die Fürther Bock drauf haben“, staunt Timo Schap (25), der mit Florian Berlinger (28) das Spiel im Sommer auf den Markt bringen möchte.

Für die beiden jungen Unternehmer, die im Zirndorfer Lions Club aktiv sind, ist es eine Premiere: das erste eigene Produkt. Ursprünglich, so erzählen sie, hatten sie angedacht, dass der Lions Club selbst die Städte-Ausgabe herausbringen sollte, um den Gewinn für wohltätige Zwecke einsetzen zu können – so wie es der Lions Club Dinkelsbühl gemacht hat. Doch für den Club wäre das unternehmerische Risiko zu hoch gewesen, sagen sie heute. Schließlich könne keiner mit Gewissheit sagen, ob sich das Spiel in Fürth verkauft.

Die Köpfe hinter der Fürth-Ausgabe: Timo Schap und Florian Berlinger. © Claudia Ziob


Sie gründeten stattdessen eine eigene Firma, „tiber Marketing“, die nun in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Spieleverlag Winning Moves die Fürth-Ausgabe verwirklicht. Der Verlag fing in Deutschland bereits 1999 mit den Städte-Ausgaben des beliebten Gesellschaftsspiels an, das 1904 in den USA erfunden wurde. Nürnberg ist schon länger dabei – aber auch Oberursel oder Wangerooge waren vor Fürth Monopoly-Stadt. Mit individualisierten Spielen, die beispielsweise Firmen oder Vereine in Auftrag geben können, hat sich der Verlag vor einigen Jahren ein zusätzliches Geschäftsfeld geschaffen.

Im Fall der Fürth-Ausgabe liegen Planung und Vermarktung in den Händen von tiber Marketing, die sich zur Unterstützung einen Online-Marketing-Experten, Holger Rothe von der Nürnberger 1Agency, ins Boot geholt haben. Timo Schap und Florian Berlinger schwebt eine limitierte Auflage von 5000 Stück vor, auch den Preis dürfen sie selbst festlegen; 44,95 Euro soll das Spiel kosten. Ein Teil des Gewinns soll in wohltätige Zwecke fließen. Für Fürth und gegen Zirndorf haben sie sich entschieden, weil sie hier das größere Kundenpotenzial sehen. Wie bei den Städte-Editionen üblich suchen sie gerade auch noch nach Sponsoren: lokale Unternehmen, Einrichtungen oder Vereine, die auf den Spielfeldern oder -karten Platz finden.

Da beide ihre bisherigen Jobs behalten haben, sitzen sie vor allem abends oder am Wochenende am Computer, um die Facebookseite zu pflegen: Hier wollen sie die Nutzer über die Details abstimmen lassen: Welche Straßen sollen unbedingt dabei sein? Wie sollen Spielbrett und Verpackung aussehen? Welche Spielfiguren wollen die Fürther haben?

Zum Sieg mit Waltraud und Mariechen?

Und aus denen sprudeln die Ideen. Als Spielfiguren müssen Waltraud und Mariechen her, dazu am besten auch der „Adler“, Ludwig Erhard mit Zigarre, ein Grundig-Radio, das Pfeifndurla, das Berolzheimerianum, eine Uvex-Brille, ein Kärwawagen mit Krone – und die Störche!

Manche Orte und Ereignisse sind für die Fürther ein Muss, etwa: Grüner Markt, Hornschuchpromenade, Michaeliskirchweih, Gustavstraße – die, so schlägt es einer vor, am besten mit Filz überklebt wird, oder, so frotzelt ein anderer, ab 22 Uhr gesperrt werden müsste. Aber auch die Glückstraße wünscht sich mancher auf dem Brett, den Fischerberg, die Tanzschule Streng oder das Uhrenhäuschen.

Schap und Berlinger haben schon dazugelernt: Auf Protest stieß ihr Vorschlag, „Greuther Fürth“ auf ein Spielfeld zu drucken: „Bitte ohne Greuther!“, flehten einige, „Sportpark Ronhof“ kristallisierte sich rasch als die bevorzugte Variante heraus. Und auch beim "Playmobil Funpark" klärten die Fans sie auf: Zirndorf gehöre definitiv nicht zu Fürth.

Die Rivalität zwischen Fürth und Nürnberg wollen sie auf jeden Fall einbauen, versprechen die beiden Unternehmer. Und haben gleich einen passenden Vorschlag von Nutzern im Kopf: "Du wurdest in der Fußgängerzone mit einem Club-Trikot erwischt, zahle....". Grenzen gibt es übrigens auch bei der Individualisierung, sagt Schap: Ein Gefängnis muss sein. 

Claudia Ziob

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