Sonntag, 17.02.2019

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Halteverbot vor Zirndorfer Schulen: Vater beklagt "Abzocke"

Ordnungsamt rechtfertigt die rigide Überwachung mit dem Schutz der Schüler - 03.02.2019 16:01 Uhr

Das Halteverbot vor der Schule in Zirndorf sorgt für Ärger. © Horst Linke


Regelmäßig sei dort – hinter Gebäudeecken oder Mauern verborgen – eine städtische Mitarbeiterin mit Fotoapparat zu beobachten, wie sie Eltern auflauere, die nur kurz vor der Schule mit dem Auto hielten, um ihre Kinder aus- oder einsteigen zu lassen. "Das ist Wegelagerei", ärgert sich Meinel, nachdem er kurz zuvor ertappt wurde, als er seinen Sohn abholte.

"Er war der Einzige, der noch wartend herumstand, es war kein Bus mehr da und auch keine anderen Schüler, aber eben die Dame vom Ordnungsamt", berichtet er. Und die erwischte ihn gleich bei zwei Verstößen, die sie fotografisch dokumentierte: Nämlich, als er kurz im Halteverbot stand — und das auch noch entgegen der Fahrtrichtung auf der dem Schulgebäude abgewandten Straßenseite. Macht zwei Knöllchen, jeweils zu 15 Euro, habe ihn die Dame aufgeklärt und sich unerbittlich gezeigt.

Seit Jahren ausgeschildert

"Verstoß ist Verstoß", sagt Zirndorfs Ordnungsamtschef Thomas Rieß dazu und nimmt die Kritik gelassen: "Das ist so und ist auch so gewollt." Den Vorwurf, dass Bürger die Kontrollpraxis als Frechheit bewerten, kennt er: "Das höre ich zehn bis 15 Mal jeden Monat bei mir im Büro." Doch das absolute Halteverbot sei keinesfalls neu, sondern seit mehr als zehn Jahren so ausgeschildert. Und überwacht werde "genauso intensiv wie immer, ganz einfach aus Sicherheitsgründen".

Dem Chaos, wenn die Jugendlichen zum Schlussgong aus der Schule strömen und auf Elterntaxis und Bussen treffen, wolle man entgegenwirken. Elterntaxis, die in Zweierreihen vor dem Gebäude die Straße blockieren, beschwören ihm zufolge gefährliche Situationen herauf. Rieß: "Wir ahnden das massiert und nicht nur vor der Real-, sondern auch vor der Mittel- und den zwei Grundschulen in der Stadt, und zwar auf explizite Aufforderung von Schulleitungen und Elternbeiräten."

Die zwei städtischen Verkehrsüberwacher seien angehalten, regelmäßig vor den Schulen zu kontrollieren, das bedeute: "Mindestens einmal die Woche, das kann aber auch öfter sein."

Das Thema koche an jeder Schule immer wieder mal hoch, und wenn sich jemand bei ihm über das Vorgehen beklagt, kläre er ihn eben darüber auf, worum es geht: die Sicherheit der Schulkinder. "Der eine versteht es, der andere nicht, aber dass jemand deswegen vor den Kadi gezogen ist, habe ich noch nicht erlebt", sagt Rieß.

Abgesehen davon, kenne er keine Schule, "vor der Parkbuchten für Eltern vorgesehen sind, um ihre Kinder ein- oder auszuladen, denn da haben Privatautos nichts zu suchen". Einem Realschulkind, das ja mindestens die fünfte Klasse besuche, sei zumutbar, findet er, 40 oder 50 Meter zu einem Platz zu gehen, "wo Eltern berechtigt im Pkw sitzend auf den Nachwuchs warten können". 

Sabine Dietz

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