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Als die bestens vernetzte und bestens informierte Fangemeinde via Facebook und Twitter zu tuscheln begann, entschied Intendant Werner Müller, schon jetzt die Vorverkaufskasse zu öffnen. Die Neuigkeit ging rum, obgleich der taufrische Spielplan erst Ende April vorgestellt wird. Auf Portalen wie musicalinfo-online, musicalzentrale und thatsMusical ist es seit ein paar Tagen die Nachricht: Pia Douwes bekommt eine Hauptrolle. In Fürth.
Wer sich nicht eben rund um die Uhr einen Musical-Kenner nennt, dem nützt vielleicht ein Vergleich: Douwes im Stadttheater, das ist wie Landsmann Arjen Robben bei der SpVgg. Gilt unter den Showbusiness-Herren der gebürtige Kamener Uwe Kröger als der ungekrönte König, gebührt die Ehre auf Damenseite sicherlich Douwes. Die beiden sind mehrfach miteinander aufgetreten, derzeit touren sie mit der Show „Die größten Musical-Hits“ durch die Lande.
Mit Eigenlob sind Theater-Pressestellen selten geizig; in diesem Fall aber liegt Stadttheater-Sprecher Christof Goger richtig, wenn er Pia Douwes als Musical-Darstellerin „aus der Topstar-Oberliga“ preist. Die Amsterdamerin sang 1992 die Hauptrolle in der „Elisabeth“-Uraufführung in Wien, in derselben Partie war sie hierzulande lange Zeit in Stuttgart, Essen und Berlin zu erleben. Am Broadway, am Londoner West End und in Utrecht stand sie in der Rolle der Velma Kelly in „Chicago“ auf der Bühne, sie sang in „Cats“, „West Side Story“ und „We will rock you“. 50 Alben umfasst ihre Diskografie, Fernsehzuschauer kennen Douwes als Jurorin und Coach der sat1-Show „Ich Tarzan, du Jane“.
Dass sie sich nun unter die Fürther begibt, hat zu tun mit einem Musical, das seit seiner Broadway-Premiere im April 2009 die Branche elektrisiert. Brian Yorkeys „Next to normal — fast normal“ ist mit Ehrungen, darunter elf Tony-Award-Nominierungen, überhäuft worden und schert in vielerlei Hinsicht aus den üblichen Genre-Schemata aus. Statt singender Löwen und schmachtender Eisenbahnen geht es in dem Sechs-Personen-Stück um eine amerikanische Familie, die unter Hochdruck steht — unter anderem, weil es Mutter Diana (Douwes) nicht gut geht: sie ist sexuell frustriert und manisch depressiv. Ernsthafter Stoff also, auch musikalisch weit jenseits von Lloyd Webbers Ohrenkonfektionsware. Sensibel lotet das Textbuch die Höhen und Tiefen aus, durch die Diana, ihr Mann Dan und Tochter Natalie (Sabrina Weckerlin, in Fürth bekannt aus „Jekyll & Hyde“) gehen. Da will man mitmachen: Nicht weniger als 1000 Darsteller bewarben sich Ende Oktober in Berlin um die sechs in Fürth zu vergebenden Rollen, 100 wurden eingeladen zum Vorsprechen und -singen. Unter ihnen: Pia Douwes.
Mit „Next to normal“ setzt das Haus die Reihe seiner eher kammerspielartig konzipierten Musicals fort, die mit „The last five years“ und „Das Lächeln einer Sommernacht“ begann. Eine besondere lokale Pointe hat die Inszenierung, die den Auftakt der Eigenproduktion der Spielzeit 2013/14 markiert, zudem. Titus Hoffmann heißt der Tausendsassa, dem es gelang, sich frühzeitig die Rechte an „Next to normal“ an Land zu ziehen. Der in Berlin lebende Schauspieler und Entertainer stand in London und Innsbruck auf der (Musical-)Bühne, auf der Atlantik-Überfahrt der „Queen Elizabeth 2“ präsentierte er sein Soloprogramm. Und: Hoffmann ist in Fürth groß geworden.
Als Abiturient des Schliemann-Gymnasiums kam er, seinerzeit noch im giftgrünen Sakko, im Stadttheater-Einlassdienst mit dem Kussmund der Muse in Berührung. Nun kehrt der Schwager von Kulturpreisträger Ewald Arenz als Regisseur in die alte Heimat zurück. „Next to normal“ hat er übersetzt, die musikalische Leitungwird in den Händen von Christoph Wohlleben liegen, die Choreografie macht Melissa King und für das Bühnenbild zeichnet Stephan Prattes verantwortlich. Premierentermin: 11. Oktober.
Für die Aufführungen am 19. Oktober, 2. und 3. November gibt es bereits Karten im freien Verkauf an der Theaterkasse, Tel. 9742400.




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