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Herzdruckmassage: So retten Laien Leben

Die FN-Video-Serie zur Ersten Hilfe dreht sich diesmal um das Kernthema Reanimation - 15.09.2017 18:18 Uhr

„Die Herzdruckmassage ersetzt den Kreislauf des Patienten“: Demo-Objekt ist auch im Video diese Puppe, die erkennen lässt, ob das Gehirn durch die Reanimation mit Blut und also mit Sauerstoff versorgt wird. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Die Erste-Hilfe-Serie der Fürther Nachrichten befasst sich mit großen und kleinen Notfällen vom Herz-Kreislauf-Stillstand bis zum Wespenstich. Im Mittelpunkt jeder Folge steht die Frage, die viele medizinische Laien latent beunruhigt: Was muss ich tun, wenn ich mich plötzlich in der Rolle eines Ersthelfers wiederfinde? Erklärt, demonstriert und veranschaulicht werden die oft lebenswichtigen Handgriffe von Medizinern und anderen Rettungsexperten. Nach einer kurzen Sommerpause geht es diesmal um ein Kapitel, das besonders angstbesetzt ist, aber entscheidend für das Überleben von Menschen an der Schwelle zum Tod: die Herzdruckmassage.

 

Sich in den Brustkorb eines fremden Menschen zu stemmen, bedeutet für Ungeübte auch, eine gewisse innere Scheu beiseite zu schieben. Zeit für Gedanken über solche Befindlichkeiten bleibt aber nicht, wenn ein Mensch bewusstlos ist und aufgehört hat zu atmen. Denn: "Schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff sterben die ersten Zellen im Gehirn unwiederbringlich ab", erklärt Oberarzt Dr. Rainer Krämer von der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Fürth.

Eine Person ist also bewusstlos und atmet nicht. Wie fange ich an? Prüfe ich zuerst den Puls? Nein, sagt Krämer. "Die Herzdruckmassage ersetzt den Kreislauf des Patienten." Durch sie bringt man die Blutzirkulation und damit die Sauerstoffversorgung des Gehirns wieder in Gang. Ersthelfer sollten keine Zeit mit Pulssuche und -messen vergeuden. Nur eines müssen sie unbedingt tun, ehe sie sich dem Patienten zuwenden: die Rettungsleitstelle alarmieren (Telefon: 112) oder veranlassen, dass Umstehende diesen Part übernehmen.

Was muss ich beachten bei der Herzdruckmassage? "Legen Sie beide Handballen in der Mitte des Brustkorbs, etwa in Höhe der Brustwarzen, mittig aufeinander aufs Brustbein des Patienten, drücken Sie mit ausgestreckten Armen und einer Frequenz von mindestens 100 Stößen pro Minute etwa fünf Zentimeter tief in den Brustkorb des Patienten", sagt Krämer. Als Faustregel gilt: 30 mal drücken, zweimal beatmen. Nur mit der richtigen Frequenz und Drucktiefe — "und das sollte in Erste-Hilfe-Kursen regelmäßig geübt werden" – kommt genügend Blut im Gehirn an und sorgt für das Überleben, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Woher weiß ich, was 100 Stöße pro Minute sind? Michael Schob, Fachkoordinator Akut- und Notfallversorgung am Klinikum Fürth, listet einige prominente Schlager mit circa 100 Beats pro Minute auf. Haben Ersthelfer die Refrains der Songs im Hinterkopf, sagt er, pumpen sie im idealen Takt. Seine Beispiele: Stayin’ Alive (Bee Gees), Biene Maja (Karel Gott), Highway to Hell (AC/DC), Dancing Queen (ABBA), Atemlos (Helene Fischer).

Wie funktioniert die Mund-zu-Mund-Beatmung? Nachdem 30 Mal gedrückt wurde, lässt der Ersthelfer für einen Augenblick vom Brustkorb ab und wendet sich dem Kopf des Patienten zu. Er überstreckt den Kopf ein wenig, hebt das Kinn also an, hält die Nase zu und pustet zweimal nacheinander die eigene Atemluft in den Mund des Patienten. Diesen Rhythmus — 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen — gilt es einzuhalten, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Hat der Ersthelfer oder jemand an seiner Seite die Rettungsleitstelle noch am Hörer, so Mediziner Krämer, dann leiten die Kollegen dort via Telefon-Reanimation sicher durch die Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Wie lange kann sich die Reanimation hinziehen? "Normalerweise wird jeder Notfalleinsatz bei uns im Großraum innerhalb von zwölf Minuten erreicht", sagt Krämer. "Das heißt: Auch am Land ist professionelle Hilfe in der Regel nach dieser Zeitspanne zur Stelle und übernimmt." Wer sich als Ersthelfer nicht alleine am Unfallort befindet, könne sich bei der durchaus kräftezehrenden Herzdruckmassage mit anderen abwechseln.

Muss ich Angst haben, dem Patienten die Rippen zu brechen? Jedem Ersthelfer sollte klar sein, betont Krämer, dass eine Herzdruckmassage nur bei einem Sterbenden in Betracht kommt. "Ich kann also nichts falsch machen außer nichts zu tun, denn dann ist der Tod dieses Menschen unausweichlich."

Was, wenn ich mich ekle vor der Mund-zu-Mund-Beatmung? Man kann für wenig Geld Hilfsmittel kaufen, so Krämer, etwa Schlüsselanhänger mit Beatmungstuch und Einwegventil zum Schutz des Helfers. Aber: "Es gilt auch hier wieder, sich klarzumachen, dass der Patient stirbt, wenn ich als Ersthelfer untätig bleibe." 

Birgit Heidingsfelder E-Mail

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