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Die Saitenspinner covern „Skandal im Sperrbezirk“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, aber nicht „Die schwarze Barbara“ — warum?
Ludwig: Das liegt wahrscheinlich an der Geschichte unserer Band. Wir sind schon lang auf dem Markt und haben aber erst spät damit begonnen, solche Songs zu covern, die wir vor 30 Jahren nicht mit der Kneifzange angefasst hätten. „Die schwarze Barbara“ ist so ähnlich wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“: Im Grunde sind das Volkslieder, die ja ganz nett sind, aber einen seltsam braunen Touch haben. Das hat für manche heutzutage noch immer einen blöden Anstrich. Unsere Fans würden es vermutlich nicht fassen, wenn wir plötzlich so etwas spielen würden.
Heino, das war für Ihre Generation ein klares Feindbild, oder?
Ludwig: Aber ganz klar! Weil er völlig andere Zuhörer bedient hat. Die damals 20-jährige Beatles- und Stones-Generation hat er nie bedient. Heino war für uns damals ja noch weiter weg als der herkömmliche Schlager oder Peter Maffay, den wir und alle, die aus der Rock-Ecke kamen, für ziemlich grenzwertig hielten. Heute sehe ich das alles aber total entspannt. Das ist alles sehr lang her.
Sie sind jetzt 60, Heino 74. Wie schräg muss man drauf sein, um mit 74 Songs von Rammstein und den Ärzten zu covern? Vergreift sich Heino am Kulturkanon der jungen Generation?
Ludwig: Ich finde das, was Heino jetzt macht, sehr mutig. Der Mann hat schon so viel erlebt und will jetzt was austesten. Ein Dünnbrettbohrer ist er nicht. Der muss nicht mehr das 100000. Volkslied durchnudeln. Damit riskiert er sogar, sich die eigenen Fans zu Feinden zu machen. Aber Heino hat es halt nicht mehr nötig, opportunistisch zu sein. Das Alter ist übrigens gar kein Hinderungsgrund, finde ich. Mir fällt das neue Album von Countrybluessänger John Williams ein, der 74 ist und immer noch eine tiefe, supervolle Stimme hat. Sagenhaft.
Wer weiß, was Sie mit 74 singen...
Ludwig: Jedenfalls denke ich noch lange nicht ans Aufhören. Musik ist wie guter Sex. Immer wieder schön. Und der Spaß daran geht einfach nicht vorbei.
Wem stehen denn die Saitenspinner insgeheim geschmacklich näher: Rammstein oder Heino? Vorstellbar, auch mal einen Rammstein-Song zu covern?
Ludwig: Rammstein ist bestimmt nicht die Richtung, auf die sich die Band einstimmig einigen könnte. Es gibt Kollegen, die die interessant finden, ich gehöre nicht dazu. Wir kommen aus dem Mainstream- und Classic-Rock, und Rammsteins Industrial Rock kommt eher nervig rüber. Heino ist nun wirklich das völlig entgegengesetzte Extrem, der steht ebenso außerhalb unseres Spektrums. Wir machen lieber was in die Richtung AC/DC und rockig-ironische Schlager. Also weder Rammstein noch Heino.
Jetzt aber mal angenommen, das Telefon klingelt und Heino ist am anderen Ende mit der Bitte, gemeinsam mit euch aufzutreten. Wie entscheiden Sie sich?
Ludwig: Ach, ich glaube, da hätten wir keine Berührungsängste. Wir sind auch schon mit Bata Illic live aufgetreten, das muss man von der lustigen Seite nehmen. Ich glaube nicht, dass man auf Dauer geschädigt ist, wenn man an der Seite eines bekannten Sängers wie Heino auf der Bühne steht. Der PR-Effekt ist ja ebenfalls nicht ganz übel.




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