Donnerstag, 15.11.2018

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Hier lernen Männer was dazu

Kulturforum: VOXfive und The ChorSets beim "Local Vocals"-Doppelkonzert - 15.10.2018 14:30 Uhr

Erlanger Dreigesang: Andrea Albrecht, Daggi Krauß und Petra Heinl alias The ChorSets erwiesen unter anderem der kürzlich verstorbenen Aretha Franklin die Ehre. © Foto: Markus Kohler


Wenn die Frau ihrem Mann einen Forderungskatalog überreicht, geschieht dies auf unterschiedliche Art: bittend, schmeichelnd, befehlend, aber stets mit einer ultimativen Note in der Botschaft, die zu ignorieren selbstmörderisch wäre. Diese Note, in musikalische Form gebracht, zeichnete den "Local Vocals"-Abend aus.

Den Auftakt machten The ChorSets aus Erlangen: drei Damen, gekleidet in Nachtschwarz und sündigem Rot, die wie im Friseursalon Zeitschriften studieren. Blätter wie Muscle oder Men’s Health, Magazine, die muskelbepackte, vor Testosteron platzende Stallburschen in purer Körperlichkeit propagieren. Entsprechend soulig geht es zur Sache: "Ain’t no Mountain high enough", "You are so beautiful" und natürlich "Respect", ganz im Geiste der kürzlich in den Soulhimmel emporgefahrenen Aretha Franklin.

Moment, ein Mann ist auch dabei und müht sich unermüdlich am E-Piano ab, wenn er nicht gerade demonstrativ sein Strickzeug in die Höhe reckt: Ingo Rattmann rollt den Souldiven Andrea Albrecht, Petra Heinl und Daggi Krauß den roten Melodie- und Rhythmusteppich aus, auf dem die Ladies zum Sturmangriff auf männliche Selbstzufriedenheit ausholen. Sehr zur Freude der Zuhörerinnen, während die Zuhörer nach und nach tiefer in den Stühlen versinken.

Nach kurzer Verschnaufpause sind die VOXfive von der Nürnberger Hochschule für Musik am Zug. Das gemischte Quintett verzichtet ganz auf instrumentale Begleitung und betört mit seinem harmonisch fein abgestuften A-cappella-Gesang. Meist singen die drei Damen Silke Straub, Agnes Lepp und Christina Jung den Text, während die Herren Hayo Keckeis und Sören Balendat mit Doop-doopdeewoop-Vokalisen den bedächtigen Rhythmus vorgeben. Zu den Höhepunkten ihres Vortrags gehört eine Doo-wop-Darbietung von "Der Mond ist aufgegangen" — freilich keine brav-besinnliche Abendmeditation, sondern eine rhythmisch vertrackte Version, die leider schon nach der dritten Strophe zum Ende kommt, aber mit Matthias Claudius’ Feststellung abschließt, dass der Mensch immer weiter von seinem Ziel abirre.

Ist das so? Die Frage schreckt auf, und die Verweigerung eines versöhnlichen Abschlusses zieht sich bei aller Harmonieseligkeit immer wieder durch den VOXfive-Auftritt. Das kann auch das gesungene Küchenrezept für Chili con Carne nicht überdecken.

Fazit: "In jeder Frau steckt ein Stück Hefe", singen die drei ChorSets. Und "don’t forget the mexican Spices", raten VOXfive. Wenn dies alles miteinander aufgeht, dann ist der musikalische Ohrenschmaus garantiert. 

REINHARD KALB

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