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Hiergeblieben!

Die Streichhölzer spielten Bruckner und Sibelius - 21.09.2010 15:54 Uhr

Streichhölzer-Chef Bernd Müller (hier in Aktion beim Sommerfest der Musikschule im Südstadtpark im Juni dieses Jahres) zeigte mit seinem Ensemble keine Scheu vor symphonischen Kolossen. © Hans-Joachim Winckler


Anton Bruckner war es gewohnt, dass die Zuhörer seiner symphonischen Kolosse in Scharen den Saal verließen. In St. Heinrich, berstend voll wie sonst nur an Heiligabend, ging niemand. Das muss nicht unbedingt allein an den verwandtschaftlichen Banden liegen, die die Streichhölzer vielhundertfach mit den Streichhölzer-Fans verbindet. Die Siebte, die dem 60-Jährigen 1884 einen späten Durchbruch brachte, muss zwingend in gute Hände geraten, wenn sie weder narkotisieren noch verschrecken soll.

Streichhölzer-Chef Bernd Müller wagte also einiges mit dem Schritt, seinem Ensemble jenen E-Dur-Sechzigminüter zuzumuten, der mehr noch in Sachen Konzentration als in spieltechnischer Hinsicht einem Orchester alles abverlangt. Nur gut, dass General-Langweiler Sergiu Celibidache lediglich für ein Zitat im Programmzettel herhielt und nicht auch als interpretatorisches Vorbild; stattdessen gingen die Streichhölzer forsch, beherzt, im rondoartig gedrängten Finale sogar entfesselt zur Sache — eine sehr reife Leistung, die ruhig noch etwas mehr jugendlichen Deutungs-Überschwang vertragen hätte.

Müllers Stärke: Keine Neben-, Mittel-, Unterstimme versickert im Heinrich-Riesenkirchenschiff im Sound-Nirwana. Vor allem das Adagio war bis in kleinste Verästelungen geprobt; ärgerlich nur, dass sich die Streichhölzer hier zum Einsatz von Pauke und Becken verleiten ließen, zwei Show-Schmankerl, die Bruckner der Originalfassung zwar hinzufügte, später aber wieder revidierte. Müllers Schwäche: Die Bändigung der Lautstärke-Proportionen. Weil beispielsweise das Orchester im Kopfsatz hochkonzentriert, aber zu laut loslegte, verschenkte es den Effekt der gesteigerten Coda.

Bezaubernd hingegen Soloflöte und -klarinette, der substanzreiche Streicherklang, das souverän disponierte Wagnertuben-Quartett. Großer Respekt, der auch dem Vor- und Nachwuchsorchester gilt, die eingangs gemeinsam und mit viel Hingabe Jean Sibelius’ Andante festivo in ein romantisch schimmerndes Klangbett gelegt hatten. 

MATTHIAS BOLL

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