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High-Tech-Labor im Sattelschlepper

Das BioTechnikum informiert in Langenzenn über Chancen und Risiken der Biotechnologie - 13.02. 13:00 Uhr

LANGENZENN  - Es ist ein echter Hingucker: Fast 17 Meter lang und vier Meter hoch ist das BioTechnikum, das seit 2008 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in ganz Deutschland unterwegs ist. Am Dienstag und Mittwoch, 14. und 15. Februar, macht es am Wolfgang Borchert-Gymnasium Station, um über Biotechnologie zu informieren. Doch nicht nur von außen bietet die mobile Erlebniswelt einen imposanten Anblick. Was Besucher im Inneren des Sattelschleppers erwartet, erläutert Dr. Martin Brenndörfer, der als projektbegleitender Wissenschaftler den Truck begleitet.


„Man muss die Vorgänge verstehen, um sie nutzen zu können“: Martin Brenndörfer.
„Man muss die Vorgänge verstehen, um sie nutzen zu können“: Martin Brenndörfer.
Foto: privat
„Man muss die Vorgänge verstehen, um sie nutzen zu können“: Martin Brenndörfer.
„Man muss die Vorgänge verstehen, um sie nutzen zu können“: Martin Brenndörfer.
Foto: privat

Herr Brenndörfer, am Dienstag gibt es ab 19 Uhr in der Schulaula einen Vortrag unter dem Titel „Biotechnologie — was ist das?“. Erklären Sie das doch mal in Kurzform.

Dr. Martin Brenndörfer: Biotechnologie ist die Anwendung des Wissens aus denLebenswissenschaften.Unser Kampagnentitel „Leben erforschen — Zukunft gestalten“ will das in griffiger Form auf den Punkt bringen.

Wie machen Sie das im Truck anschaulich?

Brenndörfer: Auf zwei Ebenen haben wir über 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Im unteren Bereich findet sich die komplette Infrastruktur eines wissenschaftlichen Labors: Pipetten, Mikroskop, Zentrifuge, PCR-Maschine, mit der man kleinste Mengen DNA vervielfältigen kann. Im Praktikum nutzen die Langenzenner Schüler diese Ausstattung beispielsweise, um einen genetischen Fingerabdruck herzustellen. Im Obergeschoss findet sich ein kleiner Hörsaal für Filmvorführungen, Vorträge oder Diskussionen. Eine interaktive Ausstellung führt in die verschiedenen Forschungs- und Anwendungsgebiete der Biotechnologie ein. Mikroskopische Aufnahmen kleinster Teile zeigen im Großformat, wie faszinierend etwa ein Schimmelpilz aussieht. Je nach Interessenlage kann man sich im Truck mehrere Stunden informieren.



Biologie und Technologie: eigentlich zwei völlig gegensätzliche Pole. Wie passt das zusammen?

Brenndörfer: Die Biotechnologie ist anwendungsorientiert und begleitet uns längst im Alltag. In Waschmitteln zum Beispiel sind En-zyme, die aus Bakterien isoliert werden und Proteine und Fette spalten, so dass sich Flecken bereits bei niedrigen Temperaturen lösen. Viele Medikamente, wie Insulin oder Antibiotika, sind das Ergebnis biotechnologischer Forschungen. Gentechnik spielt hierbei eine zentrale Rolle. Dennoch ist das Thema umstritten. Teilweise hat man bereits einen enormen Nutzen, auch ohne dass Erbmaterial verändert werden muss. Etwa, wenn man einen Apfel mit speziellen Eigenschaften züchten möchte. Dank gentechnischer Analyseverfahren kann man bereits am ersten Trieb erkennen, welche Eigenschaften die Kreuzung hat und muss nicht warten, bis der Baum nach Jahren Früchte trägt.

So wird Leben manipuliert...

Brenndörfer: Kulturpflanzen werden seit Jahrtausenden von Menschen durch Züchtung verändert. Die Gentechnologie ermöglicht nun gezielte Veränderungen. Man muss die Vorgänge allerdings genau verstehen, um sie nutzen zu können. Daran wird intensiv geforscht. Wir informieren gleichermaßen über Vor- und Nachteile, über Chancen und Risiken dieser Technologien.

Medizinforschern ist es bereits gelungen, künstliches Herzgewebe zum Schlagen zu bringen. Steuern wir auf das menschliche Ersatzteillager zu? Wie weit darf Ihres Erachtens die Manipulation des Lebens gehen?

Brenndörfer: Diese regenerative Medizin wird unter ethischen Aspekten sehr kontrovers diskutiert. Aber wenn man an Patienten mit Herzfehlern denkt und weiß, dass über die Stammzellen-Therapie die Möglichkeit bestehen könnte, defektes Gewebe zu ersetzen, erkennt man das Potenzial auf diesem Feld. Fakt ist, es gibt nicht genügend Organspender, warum also nicht auf solche Therapieformen setzen? Aber da steckt die Biotechnologie noch in der Grundlagenforschung. Deren Ziel ist es, eines Tages Zelltypen herzustellen, die helfen können, Krankheiten zu heilen.

Ziel der Kampagne ist auch, Berufsperspektiven aufzuzeigen und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Wie kommt das bei den Jugendlichen an?

Brenndörfer: Viele, die zum Tag der offenen Tür kommen, sind so begeistert, dass sie fragen, ob sie ein Praktikum machen können. Etliche kommen ganz zielgerichtet, weil sie Entscheidungshilfe für die Studienwahl suchen. Da bietet die Biotechnologie ein weites Feld. Als interdisziplinäres Fach fußt sie auf den Naturwissenschaften, auf Biologie, Chemie und Physik. Im Biotechnikum können die Schüler richtige Laboratmosphäre schnuppern und praktisch testen, was im Unterricht nur in der Theorie vermittelt werden kann.

Am Dienstag, 14. Februar, steht das BioTechnikum von 15.30 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit offen. Abends gibt es in der Schul-Aula zwei Vorträge: 19 Uhr: Biotechnologie — was ist das?“; 19.45 Uhr: „Karrierechancen Biotechnologie“. Wer das Biotechnikum in Langenzenn verpasst, hat am Donnerstag, 16. Februar, von 16 bis 18 Uhr, noch Gelegenheit, in Schwabach einzusteigen. Dort macht der Truck am Adam-Kraft-Gymnasium in der Bismarckstraße 6 Station. Internet: www.biotechnikum.eu

  



Interview: Sabine Dietz

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