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Historische Schmuckstücke erstrahlen in neuer Pracht

Fürths Altbaufassaden sind eine Schau: Die Stadt hat gelungene Sanierungen auch heuer wieder mit Anerkennungspreisen ausgezeichnet - 12.12.2017 20:55 Uhr

Eine Augenweide mit vielen Facetten: Das Entree zur Fürther Prachtmeile an der Ludwigsbahntrasse bilden die Hornschuchpromenade 1 ... © Thomas Scherer


Lang ist die Liste gelungener Renovierungen, die der Bauausschuss Anfang November einstimmig zur Prämierung abgesegnet hatte. So lang, dass für jedes der neun Objekte nur noch eine Prämie von 1650 Euro übrig blieb. Gemessen am Millionenbetrag, der ins Aufmöbeln des alten Gemäuers geflossen ist, war es lediglich eine Geste der Wertschätzung. Immerhin kam noch eine warme Suppe dazu. Zu der hat Oberbürgermeister Thomas Jung die Preisträger am Dienstagmittag nach der Scheckübergabe bei klirrender Kälte vor den Prachtbauten in der Luisenanlage in ein nahes Lokal eingeladen.

... und die Königswarterstraße 52 © Thomas Scherer


Den kürzesten Weg zum Ortstermin hatte Hans Joachim Fürsattel, Eigentümer des unmittelbar benachbarten Wohnhauses Hornschuchpromenade 1. Schon 2013 war das 130 Jahre alte Prachtexemplar aus der Gründerzeit unter den Preisträgern. Heuer wurde Fürsattels Engagement bei der Reparatur eines Kriegsschadens zusätzlich honoriert. Massive Sandsteinblöcke, jeder eineinhalb Tonnen schwer, ließ er zur Rekonstruktion der Originalfassade verbauen. Mit billigem Blendwerk wollte er sich nicht begnügen. Im zweiten Stock wohnte einst sein Großvater Hans Fürsattel, der in Doos eine Eisfabrik besaß und im Winter Natureis aus dem Ludwigskanal brechen durfte. Solche persönlichen Erinnerungen rechtfertigen für den Enkel den höheren Aufwand.

In der Ludwigstraße 71 wurde das Schaufenster eines ehemaligen Ladens erhalten. © Thomas Scherer


Aber auch ohne derartige Bindungen schwärmen Hauseigentümer von ihren Objekten. Ehrensache war es für Michael Lang und Silvan Conle, dass sie das schmucke Schaufenster eines längst verwaisten Tante-EmmaLadens im Altbau Ludwigstraße 71 bei der Umwandlung in Wohnraum erhielten, obwohl das bautechnisch nicht einfach war. So retteten sie den Charme vergangener Zeiten, als Wohnen und Einkaufen noch keine Berührungsängste hatten.

Das Flair der Gaststätte "Zum Waldheim" haben Karin Harrer und Roland Ziegler bei der Renovierung der Waldstraße 39 in Form des goldfarbenen Schriftzugs an der Fassade bewahrt. "Ein paar Millionen Euro" sind laut Ziegler in den Ausbau des Wohnhauses mit schönem Hinterhof und Balkonen geflossen.

Schöne Perspektiven bieten die Fassaden der Blumenstraße 15 ... © Thomas Scherer


... und der Rosenstraße 3 © Thomas Scherer


In der aufwändig sanierten Blumenstraße 15 beeindruckte die Jury insbesondere die liebevoll restaurierte Haustüre, in der Rosenstraße 3 und Ottostraße 5 die nach historischem Vorbild erneuerten Fenster. Prämierte Schmuckstücke besonderen Kalibers sind das ehemalige Evorahaus in der Königswarterstraße 52 und die monumentale Mietshausgruppe Nürnberger Straße 136. Am Evorahaus besticht der prächtige Erkerturm. Im Inneren des Gebäudes verbergen sich ein prächtiges Vestibül und zauberhafte Stuckdecken. Auch in der Nürnberger Straße 136 gehört die reiche Innenausstattung zu den Qualitätsmerkmalen historischer Wohnkultur.

"Wir brauchen Sie als Wegbereiter, damit noch mehr Nachbarn auf den Geschmack der Altbausanierung kommen", gab Baureferentin Christine Lippert den Preisträgern mit auf den Heimweg. Die Denkmalstadt Fürth strahlt schließlich nicht nur mit herausragenden Schmuckstücken wie Rathaus und Theater, sondern vor allem durch die schiere Masse historischer Bausubstanz, die den Zweiten Weltkrieg weitaus besser überstanden hat als die Nachbarstadt Nürnberg. 

VON VOLKER DITTMAR

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