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Montag, 18.02.2019

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Hoffnungsschimmer im Jammertal der Kirche

Bankkaufmann und Priester: Elmar Nass von der WLH in Fürth will neue Perspektiven eröffnen - 10.02.2019 21:00 Uhr

Der Fürther Hochschullehrer Elmar Nass verordnet der kranken Kirche mehr wertschätzende Pluralität. © Foto: Edgar Pfrogner


Herr Nass, was war der Auslöser für Ihre Arbeit?

Elmar Nass: Ein ungutes Gefühl treibt mich schon lange beim Blick auf die Kirche um. Da werden kritische Fragen gerne zur Seite geschoben und die hohen moralischen Ansprüche nicht immer erfüllt. Als ich vergangenes Jahr mit einer Grippe längere Zeit zu Hause festgehalten wurde, wollte ich die Zeit nutzen und habe mich ans Schreiben gemacht.

 

Einfach so?

Nass: Ja, ich habe mir von der Leber geschrieben, was mich bewegt, und war erstaunt, dass es doch über 200 Seiten geworden sind. Aber es ist ja auch keine wissenschaftliche Abhandlung mit lauter Fußnoten.

 

Aber Sie haben trotzdem eine anspruchsvolle Dialogform gewählt.

Nass: Vorbild ist der Roman Utopia von Thomas Morus. Der darin gepflegte Dialog bietet eine schöne Möglichkeit, Argumente gegeneinander auszuspielen.

 

Ihr Ansatz ist die Kirche in Deutschland im Jahr 2020. Das mutet wenig utopisch an.

Nass: Aber die Perspektive ist auf 2040 gerichtet. Ich will aufzeigen, was in 20 Jahren verändert werden kann. So wird die Frage greifbarer, was wir heute realistisch tun können. Ich gebe mich keinen Illusionen hin, dass wir blühende Landschaften bekommen, will aber anhand von ein paar Anhaltspunkten aufzeigen, wie der Abwärtstrend gestoppt werden kann.

 

Wo sehen Sie die Ursachen für diesen Trend?

Nass: Ich registriere Glaubwürdigkeitsverluste innerhalb der Kirche. Seilschaften haben manchmal mehr Gewicht als gute Argumente. Überhaupt werden kritische Stimmen nicht genug gehört. Es mangelt an wertschätzender Pluralität, die man aushalten muss. Außerdem gibt sich die Kirche nach außen hin viel zu defensiv.

 

Kämpft sie denn nicht mit genug Problemen?

Nass: Aber sie hat eben auch Stärken, die viel mehr herausgekehrt werden könnten.

 

Welche meinen Sie?

Nass: Das christliche Menschenbild zum Beispiel. Und eine Hoffnungsperspektive, die vom irdischen Erfolg losgelöst ist.

 

Genügt das allein schon, um die Krise zu meistern?

Nass: Nein. Man sollte auch über neue Priesterbilder nachdenken. Etwa über Arbeiterpriester, die auch im Berufsleben stehen und einen missionarischen Anspruch haben.

 

Missionare?

Nass: Ja. Mission heißt für mich Einladung zum Glauben. Wir dürfen nicht nur auf Enttäuschungen schauen, sondern sollten auch aus der Begeisterung von Kirchenmitgliedern lernen. Wir müssen den Glaubenden noch mehr aufs Maul schauen, um andere begeistern zu können.

 

Welche Rolle spielt die Ökumene?

Nass: Ich bin davon überzeugt, dass ihr die Zukunft der Kirche gehört.

 

Und die sozialen Probleme werden ausgeklammert?

Nass: Als Sozialethiker halte ich es für unverzichtbar, dass die Kirche Stellung beziehen muss zu den sozialen Fragen der Zeit. Und sie sollte sich dabei mit einer Stimme in die Diskussion einbringen. Das bekommen wir wegen Profilierungen oftmals noch nicht so gut hin. Die Kleinstaaterei, das Kirchturmdenken sollte aufhören.

 

Elmar Nass: Utopia christiana – Vom Kirche- und Christsein heute. Mit einem Geleitwort von Erzbischof Ludwig Schick. Lit-Verlag Münster, 256 Seiten, 19,90 Euro  

Interview: Volker Dittmar

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