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Wilhelm Schnabl hat goldene und grüne Farbpartikel an den Händen. Im Rohbau ist der „Adler“ fertig, den der Stadtverband der Kleingärtner Fürth zum Fränkischen Erntedankfestzug am Sonntag, 10. Oktober, 11 Uhr, auf die Reise durch die Innenstadt schicken will — und an dem Schnabl schon seit sechs Wochen täglich arbeitet.
Das geht nur, weil der frühere Maschinenbauer, der bei Mannesmann beschäftigt war, inzwischen seinen Ruhestand genießt. Vom Modellbau und vom Tüfteln mag er freilich auch als Rentner nicht lassen, denn das ist für den 62-Jährigen das „große Hobby“, wie er sagt.
Dass der „Adler“-Nachbau „nur“ in halber Originalgröße entsteht, ist der Größe des flachen Kärwa-Umzugswagens geschuldet, auf den das mit allerlei Detail ausgestattete Modell verladen werden soll. Als zünftige Zugmaschine dient Wilhelm Schnabls ebenfalls schon unter die Oldtimer einzureihender Schlüter-Traktor, den Schnabl selbst restauriert hat.
Schon zum „150-Jährigen“ der deutschen Eisenbahnen 1985 hatte Wilhelm Schnabl einen „Adler“-Nachbau auf die Räder gestellt. Damals wurden für das Vehikel mehrere Klappräder ausgeschlachtet. Auch der damalige Oberbürgermeister Uwe Lichtenberg trat gerne in die Pedale dieses recht fantasievoll umgesetzten „Adlers“, wovon vergilbte alte Zeitungsausschnitte im Kirchweih-Archiv der Kleingärtner zeugen.
Die Wiederauflage des damaligen Eisenbahn-Projektes im Jahr 2010 sollte deutlich originalgetreuer werden. So wälzte Wilhelm Schnabl Modellbahnkataloge und schmökerte in Büchern über die erste deutsche Bahnlinie. Darunter die erst 2008 erschienene Monografie „Adler — Stationen einer Lokomotive“ des Nürnberger Eisenbahnhistorikers Peter Heigl.
Besagtes Bändchen liegt nun im „Haus der Kleingärtner“ auf der Werkbank neben „Adler“-Risszeichnungen, -Plänen und -Detailstudien. Und einem „Adler“-Holzmodell der spanischen Firma „Occre“ im Großspur-Maßstab 1:24, von dem Wilhelm Schnabl nicht nur einige Maße abgriff, sondern sich auch Inspiration für die Einzelteil-Struktur seines großen Modells holte.
So hat auch der „Kärwa-Adler“ große Namensschilder mit erhabenen Lettern, die Federpakete der Lok werden ebenso nachgebildet, wie die Kesselbeschläge oder der typische, trichterförmig auslaufende Schornstein der Stephenson-Konstruktion von 1835. Dass Wilhelm Schnabl auch die Holzbeplankung des Kessels möglichst originalgetreu kopierte, versteht sich von selbst.
Mit Roland Weck und Georg Stolz hat der Hobby-Lokomotivkonstrukteur Schnabl zudem kompetente Helfer, die ebenfalls mit Säge und Schraubenzieher, Malpinsel und Schleifpapier umgehen können und kräftig mit anpacken.
Echte Prunkstücke sind die roten Speichenräder der Lok geworden, die Schnabl und sein Team ebenfalls aus Holz gefräst und gedrechselt und danach handlackiert haben. Ein Klarlack-Überzug soll am Ende für den nötigen Glanz sorgen.
Bis zur Fertigstellung werden aber nach Wilhelm Schnabls Schätzung noch ein paar Wochen ins Land ziehen. Manche Einzelheiten müssen überarbeitet werden, damit auch Bahn-Enthusiasten mit „Insiderwissen“ nichts auszusetzen haben. So sorgt der „Adler“ nach 175 Jahren wieder für strahlende Gesichter.



