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"Hospital to go": Cadolzburger Kliniken in modularer Bauweise

Die Unternehmensgruppe Cadolto ist auf flexible Gebäude spezialisiert — 210 Mitarbeiter am Firmensitz - 06.08.2017 21:00 Uhr

Einblick in die Produktion bei Cadolto in Cadolzburg, dem nach eigenen Angaben führenden Spezialisten für die Herstellung von Klinik- und Laborgebäuden in modularer Bauweise. Hier zu sehen sind Schweißarbeiten an einer Stahlkonstruktion, die später die Decke oder den Boden eines Moduls bildet. © Cadolto


In der Stahlbauhalle von Cadolto, in der die Profile mit der Säge zugeschnitten werden, gibt es alle paar Minuten einen ohrenbetäubenden Knall. Es riecht nach Metallstaub. Einen Stock höher und einige Arbeitsplätze weiter fliegen die Funken aus Schweißgeräten. Über den stattlichen Hof auf dem 100 000 Quadratmeter großen Areal geht es vorbei an fertigen Gebäudeteilen, die auf ihren Transport warten, in eine riesige Halle für den Aufbau, wo an mehreren Modulen gleichzeitig geschraubt wird.

15 bis 30 Tonnen Stahl verarbeitet der Cadolzburger Betrieb jeden Tag in seinen witterungsgeschützten Produktionshallen. Gleichzeitig verlassen diese fertige Module mit einer Gesamtfläche von 100 bis 140 Quadratmeter, illustriert Produktionsleiter Theodor Kaczmarczyk bei einem Besuch der Cadolzburger Grünen und des Kreisverbands Fürth Land unter dem Motto "Mittelstand im Wandel – Zukunft des Bauens".

Cadolto besetzt dabei eine Nische und ist auf die schnelle Errichtung flexibler Kliniken und Labore spezialisiert. Diese können an einer Stelle errichtet, im Laufe der Jahre modifiziert und später auch andernorts nach neuen Bedürfnissen wieder aufgebaut werden, erklärt Geschäftsführer Michael Schäffler. So sei das beispielsweise bei den Operationsräumen in Rothenburg in der Oberlausitz gewesen, die später nach Wiesbaden gebracht und inzwischen verkauft wurden. Die Lebensdauer der Container liege bei 50 Jahren. "Wir können Gebäude zusammensetzen. Sie sind erweiter- und verkleinerbar, recyclebar, miet- und finanzierbar", schildert der Geschäftsführer und erklärt: "Wir sind eine Alternative zum konventionellen Bau. Aber wenn die Zeit keine Rolle spielt, hat die Modulbauweise oft schlechte Karten."

Anfänge mit Leiterwagen

Zeitdruck war denn auch dafür verantwortlich, dass Cadolto 2010 den Zuschlag für den Neubau der Fürther Frauenklinik bekam. Binnen acht Monaten stand das gut 7200 Quadratmeter große Gebäude; herkömmlich errichtet hätte es doppelt bis dreimal so lange gedauert, schätzt Klinikumsvorstand Peter Krappmann. Seine Modulbauweise ist dem vierstöckigen, aus 133 "Bauklötzen" bestehenden Gebäude nicht anzusehen – genauso wenig wie dem repräsentativen Firmensitz Cadoltos. 210 Mitarbeiter sind dort und weitere 140 im thüringischen Krölpa für die in fünfter Generation geführte Unternehmensgruppe tätig, die 1890 zunächst mit der Herstellung von Leiterwagen und Holzgerüsten an den Start ging.

Hier werden Leitungen in dem Gebäudeteil vormontiert. © Cadolto


Über die Produktion von Bauwagen, die jahrelange Erfolge bescherten, und von Containern kam Cadolto vor drei Jahrzehnten schließlich zur Modulbauweise, schildert Schäffler. Derzeit würden verstärkt auch Rechenzentren nachgefragt. Je nach Ausstattung dauert es 17 bis 27 Tage, bis ein Modul zusammengebaut ist. Eine Bettenstation etwa sei weniger aufwändig als ein OP-Saal oder gar ein Labor für die Landesgewerbeanstalt, das das einwandfreie Funktionieren der teils hochsensiblen Geräte garantieren müsse.

Jedes Gebäude wird im Werk geplant und dort so weit als möglich vorgefertigt – inklusive der kompletten Gebäude-, Labor- oder Medizintechnik sowie der Fliesen, Möbel und Fassade. "Vor Ort ist dann nur noch die Verkabelung und die Installation der Brandschutzanlagen erforderlich", sagt Produktionsleiter Kaczmarczyk. Außerdem müssen Modulstöße geschlossen, Fassade und Dach fertiggestellt werden.

Schwertransporter bringen die Elemente an ihren Standort. "Vor allem abends fahren hier recht große Module raus, die so manchen Anwohnern in Cadolzburg etwas Probleme bereiten", berichtet Kaczmarczyk, der seit bald drei Jahrzehnten bei Cadolto arbeitet und sagt: "Unser Lager ist sozusagen auf der Straße – ähnlich wie in der Autoindustrie." Die Zulieferer säßen in der Umgebung und stellten Sondermaße gleich vorgeschnitten zu.

100 Millionen Euro Umsatz

Mit seinen Projekten, zu denen auch ein 17 000 Quadratmeter großes Krankenhaus im Passivhausstandard im norwegischen Kirkenes gehört, erwirtschaftet der Mittelständler einen Jahresumsatz von zirka 100 Millionen Euro. Ein pfiffiger Slogan in Anspielung auf Kaffee zum Mitnehmen verweist derweil auf Cadoltos Kernkompetenz: "Hospital to go". 

ASTRID LÖFFLER

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