Mittwoch, 12.12.2018

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"Ich möchte die wirtschaftliche Stärke Fürths sichtbar machen"

Die neue Leiterin der IHK-Geschäftsstelle spricht über ihre Zukunftspläne - 09.07.2018 11:00 Uhr

Brennt für die Spielvereinigung und die Fürther Wirtschaft: Maike Müller-Klier, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Fürth. © F.: André De Geare


Frau Müller-Klier, Sie waren bislang Leiterin des Referats Volkswirtschaft und Statistik bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken – ein renommierter Posten. Was hat Sie da bewogen, nach Fürth zu wechseln?

Maike Müller-Klier: In Nürnberg habe ich die Themen Konjunktur, Arbeitsmarkt und Fachkräftesicherung sehr theoretisch bearbeitet. Nach sieben Jahren in dieser Position war es mir wichtig, wieder mehr Bodenhaftung und Kontakt zu den Unternehmen zu bekommen. Außerdem spielt da das Thema Lokalpatriotismus mit rein: Ich bin in Fürth aufgewachsen, habe seit 15 Jahren eine Dauerkarte bei der Spielvereinigung und lebe seit 2004 mit meiner Familie im Landkreis. Da ist es natürlich schön, wenn man beruflich in seine Heimat zurückkehren kann.

 

Was haben Sie als Geschäftsstellenleiterin in der nächsten Zeit vor?

Müller-Klier: Ich übernehme ja eine gut laufende Geschäftsstelle von meinem Vorgänger; viele Themen werden da schon bearbeitet, zum Beispiel das Entwicklungsleitbild für Stadt und Landkreis Fürth. Viele meiner Aufgaben sind damit bereits klar gesetzt. Ich sehe es jetzt vor allem als meine Aufgabe, in den nächsten Wochen und Monaten sehr, sehr viele Gespräche zu führen – mit der Wirtschaft, mit den Mitgliedsunternehmen, mit den Gremiumsvertretern, aber natürlich auch mit der Politik und den Bürgermeistern im Landkreis. Einfach, um mal zu besprechen, wo Bedürfnisse sind, wie es bisher gelaufen ist und zu sehen, wo Schnittstellen sind, die vielleicht noch stärker genutzt werden könnten.

 

Was sind konkret die Themen, die Sie angehen möchten?

Müller-Klier: Da sind die bekannten Schlagworte wie der Fachkräftemangel, der sich auch immer stärker hier bemerkbar macht und durchaus als ein wirtschaftliches Risiko zu sehen ist. Dann das Thema, wie geht man um mit der Digitalisierung und vor allem, wie nimmt man seine Mitarbeiter mit auf den Weg. Das ist ja auch mit vielen Ängsten verbunden. Fürth hat sich aber zuletzt sehr, sehr positiv entwickelt und zwar in allen Belangen. Wir haben zusätzlich mit Einrichtungen wie beispielsweise dem ZMP, dem Fraunhofer-Institut, aber auch der Wilhelm-Löhe-Hochschule, oder dem neuen Lehrstuhl am Ludwig-Erhard-Zentrum eine wissenschaftliche Kompetenz aufgebaut. Und auch das ist ein Thema, mit dem wir uns noch vermehrt beschäftigen müssen.

 

Wie soll das konkret aussehen?

Müller-Klier: Im wirtschaftlich-technologischen Leitbild der Metropolregion sind wir mit einem Thema ganz stark vertreten: den neuen Materialien. Das ist ein Punkt, an dem wir uns noch stärker sichtbar machen können als Wissenschaftsstadt Fürth. Wissenschaft – das heißt aber nicht nur Forschung für mich, sondern auch lebenslanges Lernen und Bildung. Und auch das ist ein Thema, das uns hier beschäftigen wird. Die Stadt Fürth ist mit einem starken Mittelstand und vielen Familienunternehmen ein toller Wirtschaftsstandort und auch das ist ein Thema, das man immer wieder wiederholen und noch stärker sichtbar machen muss.

 

Haben Sie schon Ideen, wie das in der Praxis aussehen soll?

Müller-Klier: Wir haben ja in diesem Jahr das Jubiläum 175 Jahre IHKs in Bayern. Das heißt letztlich auch 175 Jahre Wirtschaft in Eigenverantwortung und in dem Kontext möchten wir ganz besondere Geschichten von Unternehmen aus Stadt und Landkreis Fürth erzählen. Ich denke, wir müssen auch die Bürger stärker auf unsere wirtschaftliche Stärke aufmerksam machen. Und es ist wichtig, gerade jungen Menschen die Perspektiven zu eröffnen, die der Mittelstand in Fürth bietet.

 

Zurück zum Fachkräftemangel. Wie könnten da Lösungsansätze aussehen?

Müller-Klier: Wir hatten ja im März den Bildungskongress Landkreis Fürth. Das war eine sehr schöne Veranstaltung, die sich vor allem an Personaler und Geschäftsführer gerichtet hat. Man hat dort versucht, ganz spezifische Ansätze zu entwickeln, wie man Fachkräfte und vor allem Azubis gewinnen kann. Das war deshalb so schön, weil man gesehen hat, dass die Unternehmen da unheimlich viel voneinander lernen können.

Das sind oft ganz minimale Ansätze, zum Beispiel: Wie behandle ich einen Auszubildenden in der Zeit zwischen Vertragsunterzeichnung und Ausbildungsstart? Wie halte ich mit ihm Kontakt? Das sind ganz kleine Möglichkeiten, sich da von anderen Unternehmen abzusetzen. Diese Art themenbezogene Vernetzung von Unternehmen wollen wir auf jeden Fall fortsetzen.

Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

Müller-Klier: Wir haben in Stadt und Landkreis Fürth ganz besonders die Herausforderung Fläche. Denn die Wirtschaft läuft seit jetzt acht Jahren gut und die Betriebe möchten sich am liebsten an ihrem Standort entwickeln. Da sind aber natürliche Grenzen gesetzt. Da muss man Modelle entwickeln und über die Themen Flächenrecycling und interkommunale Gewerbeflächen noch mal verstärkt nachdenken. Beispiele wie die Erweiterung von Norma und Uvex zeigen aber, dass dies auch in einem relativ urbanen Gebiet geht. Dann möchte ich ein Augenmerk darauf legen, dass wir bei der Hochschulentwicklung nicht zu kurz kommen. Denn über Wissenschaft vor Ort schafft man es auch eher, die Entwicklungen in Anwendungen in den Betrieben vor Ort zu bringen. Wir haben hoch innovative Unternehmen, und da wäre eine stärkere Vernetzung vor Ort schön.

 

Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil beschreiben?

Müller-Klier: Ich denke, dass der sehr kooperativ ist. Das Team ist mir sehr wichtig. Ich gehe sehr offen an die Dinge heran. Zwei Dinge haben mich geprägt: Ich habe mein Studium finanzieren müssen und das habe ich durch einen 20-Stunden-Job in einem mittelständischen Metallbaubetrieb gemacht. Da habe ich klassische Büroarbeiten, Marketing und Auftragsakquise gemacht. In der Endphase des Studiums und danach habe ich bei der Grundig AG gearbeitet. Das war eine ganz spannende Phase, weil Philips da schon die Unternehmensführung übernommen hatte. Das sind so Einblicke, die vergisst man nicht. Und diese unterschiedlichen Perspektiven sind auch das, was mich reizt an meiner neuen IHK-Aufgabe, das zusammenzubringen.

 

Was wünschen Sie sich für Ihre Zeit als Geschäftsstellenleiterin?

Müller-Klier: Dass ich weiter so positiv aufgenommen werde wie bisher. Ich wünsche mir, dass ich ein vertrauensvoller Partner der Wirtschaft vor Ort sein und mich als Gesicht der heimischen Wirtschaft etablieren kann. Und dass wir den guten Weg, den Fürth eingeschlagen hat, weiter aktiv mitgestalten können. Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als für seine Heimatregion aktiv zu sein und die mitzuprägen. 

Interview: A. Löffler

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