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Im Buchstabensalat

„Lesekoch“ Siegbert Rudolph startet Schulprojekt - 11.11.2013 13:00 Uhr

Zog die Kinder in der Pestalozzi-Grundschule in Oberasbach mit den Abenteuern von Emma in ihren Bann: Autorin Vroni Priesner. © Axmann


Irgendwie kommt einem gleich die Nudelsuppe mit den Buchstaben in den Sinn. Doch Lesekoch Siegbert Rudolph ist weit davon entfernt, im Alphabet zu rühren. Der Oberasbacher hat vielmehr mit Hilfe des Computers ein Leseförderprogramm entwickelt, das Kindern und Jugendlichen helfen soll, in kleinen Schritten ihre Fähigkeiten zu verbessern. Im Landkreis Fürth hat Rudolph bereits, wie auch an anderen Schulen in der Metropolregion, Kinder individuell betreut. Die von ihm gegründete Initiative „Der Lesekoch“ stellt er nun mit Unterstützung des Präventionsvereins „1-2-3“ mit dem Projekt in Oberasbach auf eine breitere Basis.

Was es mit der Bezeichnung „Lesekoch“ auf sich hat, muss Rudolph regelmäßig erklären. Eigentlich wollte der frühere stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Datev mit dem Eintritt in die Rente das Kochen lernen. Als Mitglied des Vereins „Aktivsenioren Bayern“ musste er allerdings bei einem Bewerbungstraining erleben, dass viele Jugendliche schlichtweg nicht in der Lage waren, die Texte der Stellenanzeigen zu lesen, geschweige denn sie zu verstehen.

„Das konnte ich nicht mit ansehen“, meint Siegbert Rudolph, „ich bin es von meinem Beruf her gewohnt, Probleme an der Wurzel zu packen.“ Gesagt, getan. Sein Leseprogramm bringt Kindern die Wörter Buchstabe um Buchstabe und Silbe für Silbe näher. Der Aufbau wird damit klar und ein Problem vermieden: Viele Kinder, die sich mit dem Lesen schwer tun, neigen beim Anblick des gesamten Wortes gleich zum Raten. Das Tempo seines Trainings kann Rudolph, je nach Fortschritt des Kindes, variieren.

Doch die Übungen sind nur das eine, wichtig für die ehrenamtlichen Trainer sind auch noch zwei andere Dinge: „Sie müssen Zuversicht ausstrahlen, diese auf das Kind übertragen und es so zum Lesen motivieren.“ Oft, so die Erkenntnis des Oberasbachers, sei die Frustration der Kinder mit Leseschwächen derart hoch, dass sie bei ihren Versuchen ganz schnell scheitern.

Wörter sammeln

In der Aula der Pestalozzi-Grundschule kann davon keine Rede sein, dort sitzen die Dritt- und Viertklässler und lauschen aufmerksam den Abenteuern von Emma. Emma ist die Hauptfigur des Buches „Kauderwelsch und Kuddelmuddel“ und hat ein besonderes Hobby. Sie sammelt besondere Wörter. Eines Tages lernt sie die Spinne Arachnia kennen und plötzlich spielen die Wörter verrückt. Emma beschließt, neue Wörter zu erfinden. Doch das macht die Sache nicht besser. Bis zum glücklichen Ende gilt es, einige Abenteuer zu bestehen.

Geschrieben wurde das Buch, auf das Siegbert Rudolph sein Leseprojekt stützt, von Vroni Priesner alias Vera C. Koin, so lautet ihr Pseudonym als Autorin. Priesner liest vor, singt mit den Kindern und animiert sie, ebenfalls neue Wörter zu erfinden. Für den Lesekoch hat die Autorin ihr Buch Satz für Satz, inklusive einiger Übungen, als Tondatei zur Verfügung gestellt, um sie über den PC abspielen zu können. Auch Eltern können sich an dem Material bedienen, das es auch als Papierversion gibt, um daheim mit den Kindern zu üben.

Froh über das Pilotprojekt an ihrer Schule ist Rektorin Petra Schwarz. „Je früher die Hilfe bei der Leseförderung einsetzt, umso besser“, weiß die Schulleiterin. In Kooperation mit den Eltern wurden 20 Kinder aus den dritten, vierten, aber auch aus den zweiten Klassen ausgewählt. Jedes bekommt einen Lesekoch oder eine Leseköchin an die Seite gestellt und dann wird einmal in der Woche eine Stunde lang geübt.

Eine zeitliche Vorgabe für die Schüler und ihre Helfer gibt es nicht. Die Kinder lernen individuell unterschiedlich schnell, und an Nachrückern herrscht kein Mangel. 15 weitere Kinder stehen bereits auf einer Warteliste.

Rudolph, der im Bürger-Informations-Treff am Oberasbacher Rathaus nach Ehrenamtlichen für sein Unterfangen gesucht hat, war von der Anzahl der Rückmeldungen sehr überrascht. 20 Freiwillige, diese Zahl hebt auch Landrat Matthias Dießl in seiner Funktion als Vorsitzender von 1-2-3 positiv hervor. „Wenn es gut läuft“, sagt er, „würden wir das Projekt gerne vielen zugänglich machen.“ Dazu braucht es aber noch weitere Köche, die in diesem Fall nicht den Brei verderben, sondern Kinder auf den Geschmack des Buchstaben-Salats bringen. 

Harald Ehm

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