Montag, 17.12.2018

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Import unnötig: Haselnüsse wachsen auch im Landkreis Fürth

Starkoch Alexander Hermann empfiehlt die Früchte als Delikatesse — 2015 verarbeiteten die heimischen Landwirte sechs Tonnen - 09.10.2016 16:00 Uhr

Zwölf Arbeitsschritte sind nötig, bis die Haselnüsse geknackt werden können. Finanziell rechne sich das nur, wenn sich mehrere Bauern zusammentun, sagt Landwirt Fritz Stiegler (li.) aus Gonnersdorf. © Petra Scholz-Fiedler


Fritz Stiegler demonstriert in seiner Maschinenhalle, was den Haselnüssen blüht, wenn sie aus den fränkischen Plantagen angeliefert werden. Da wird gerüttelt, gesiebt, gewaschen, getrocknet und geknackt. Das Zusammenspiel der Maschinen, die im vergangenen Jahr sechs Tonnen Haselnüsse für die Endverarbeitung vorbereiteten, stimmt eine ohrenbetäubende Symphonie an. „Ohne Gehörschutz geht hier nichts“, verweist Stiegler auf die Kopfhörer, die er gewöhnlich stundenlang trägt.

Aller Anfang war schwer

Dem Pioniergeist von Sieglinde und Fritz Stiegler ist es zu verdanken, dass die Haselnuss nach Mittelfranken kam. „Sie ist inzwischen hier angekommen“, erklärt Fritz Stiegler bei einem Besuch von Vertretern der Regionalinitiative „Gutes aus dem Fürther Land“. Landrat Matthias Dießl bemerkt anerkennend, dass der Projektstatus abgeschlossen und die Haselnuss längst „in Betrieb gegangen ist“. Dabei hat Landwirt Stiegler noch die überaus skeptischen Kommentare seiner Kollegen auf einer der jährlichen Bauernrundfahrten im Ohr: „Dem Stiegler sei War’, des wird nix“. Und tatsächlich kann man aus seinen Schilderungen über die Anfänge, die Wahl der Sorten, die verkümmerten Neupflanzungen, die Suche nach geeigneten Produktionsschritten und spezialisierten Maschinen schließen, dass aller Anfang vor allem eines ist: schwer. Das war vor rund zehn Jahren. „Heute“, sagt der Haselnusspionier, „haben wir im Landkreis die härtesten Nüsse geknackt“.

Stiegler sieht in der Haselnuss ein gutes Produkt und meint damit nicht nur, dass die Kerne aus der Werkstatt von FrankengeNUSS sehr gut schmecken. „Für mich ist die Haselnuss ein landwirtschaftliches Produkt mit Zukunft. Denn“, so der Landwirt, „Deutschland importiert zu fast 100 Prozent seinen Haselnussverbrauch“. Für ihn sei es daher sinnvoller, Produkte zu fördern, die tatsächlich gebraucht würden, als Fördermittel in Betriebszweige zu stecken, die letztlich zu einer Überproduktion führen. „Es wurde viel zu milchlastig gedacht“, kommentiert Stiegler die EU-Förderrichtlinien.

Zwölf Schritte

Lange habe er sich nicht durchringen können, zur Pflanzung von Haselnüssen zu raten, schildert der Landwirt. „Heute sage ich ohne Einschränkung: Macht das.“ Er berichtet vom größten Fehler bei der Einstiegsinvestition: „Wir haben alle unsere schlechtesten Felder bepflanzt“. Mit „wir“ meint Stiegler sich und die weiteren sieben Landwirte, die sich an die Haselnussproduktion gewagt haben. Sie teilen sich die Maschinen und Geräte – nur gemeinsam lassen sich die zwölf Arbeitsgänge bewältigen, die es braucht, bis die Nuss geknackt werden kann. Lösungen mussten und müssen noch immer diskutiert werden. Eine dieser Lösungen: Die Nussbauern verlassen sich nicht auf eine Sorte. An die 50 stehen in den Plantagen.

Geschafft: 50 verschiedene Sorten kultivieren die fränkischen Haselnussbauer inzwischen. © Petra Scholz-Fiedler


Der Vermarktung der Haselnüsse hat sich inzwischen Stieglers 24-jähriger Sohn Martin angenommen. Er hat eine GmbH gegründet und ist Abnehmer der geknackten Nüsse. „Die ersten Nüsse haben wir in Müllbeutel verpackt und ausgeliefert“, erinnert sich der junge Landwirt. Als sich abzeichnete, dass man mit und irgendwann von den Nüssen leben will, ist der Junior in die USA gegangen, hat sich dort auf den großen Haselnussplantagen umgeschaut und Ideen gesammelt.

„Wir wollen bei FrankengeNUSS möglichst zu jedem Saisonstart ein neues Produkt anbieten“, erklärt er. So stehen in dem schmucken Hofladen neben Haselnussgeist und Haselnusscreme auch Dinkel-Haselnussnudeln. Nächstes Schmankerl sollen Nuss-Toffees werden.

Kooperation mit Riegelein

Herausragende Bedeutung für die Haselnussproduzenten hat die Zusammenarbeit mit dem Schokoladeproduzenten Riegelein. „Die haben uns die ersten Nüsse abgenommen und den Cadolzburger Nussbruch kreiert“, erzählt Martin Stiegler. Jetzt, wo bereits an Weihnachten die gesamte Produktion ausverkauft sei, würde Riegelein als erster regionaler Kunde auch weiter bedient. „Unsere Nüsse haben das Qualitätsmerkmal, in der Riegelein-Schokolade zu stecken“, beschreibt Stiegler. Gleichzeitig könne Riegelein damit werben, auch fränkische Haselnüsse zu verarbeiten.

Um innovative Nussprodukte zu kreieren, hört sich Martin Stiegler außerdem gerne bei Star- und Spitzenköchen um. Oberfranke Alexander Hermann etwa empfiehlt die Franken-NUSS als regionale Delikatesse. Von einem Mitarbeiter des ebenfalls medial präsenten Ulrich Rach hat Stiegler das Rezept für die perfekte Zubereitung der Nussdinkelnudeln: „Ganz leicht mit wenig hochwertigem Öl, frischen Tomaten und Kräutern“.

Es gebe noch viele Absatzmöglichkeiten für die fränkischen Nüsse, die ihr Aroma der strengen Selektion und Behandlung im Röster verdanken, unter anderem sie in die Regionalkiste zu packen, glaubt Landrat Dießl. Die fränkischen Haselnussbauern selbst sagen, sie könnten die doppelte der bisher produzierten Menge verkaufen. Während in manchen Familien noch über eine Ausweitung der Anbauflächen diskutiert wird, sind die Stieglers sicher: „Die Nüsse sollen eines Tages unser Hauptbetriebszweig sein“, skizziert Sohn Martin. 

PETRA SCHOLZ-FIEDLER

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