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In Ammerndorf gibt es alles für gutes Brot

Bayerische Ernährungstage 2017: Irene Meyer zeigt Schülerinnen Felder, eine Mühle und einen Brotbackofen - 16.07.2017 14:00 Uhr

Wo und wie früher traditionell Brot gebacken wurde, das zeigten Fachlehrerin Irene Meyer (li.) und Erwin Müller (mit grüner Schürze) vom Heimat- und Gartenbauverein den Teilnehmern in Ammerndorf. © Foto: Peter Budig


Knapp 20 Schülerinnen treffen sich mit ihrer Fachlehrerin Irene Meyer in Ammerndorf. Es ist eine recht gemischte Gruppe: junge Mädchen, junge Frauen, ältere Frauen, und sie kommen aus verschiedensten Sparten: Landwirtinnen, medizinische Berufe, Pflegeberufe, Studentinnen sind darunter. Nur kein Mann ist dabei, der den "einsemestrigen Studiengang Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule" besucht, in dem gelehrt wird, wie ein Haushalt – insbesondere in der Landwirtschaft – fachkundig zu führen ist.

Das klingt altertümlich, doch die Inhalte, gesunde Ernährung, Baby- und Seniorenpflege, Gartenanlage, Textilpflege, Diätlehre und richtiges Putzen – sind zeitlos und die teilnehmenden Damen interessiert und – kurz vor ihrer Prüfung – sehr wissbegierig und gut informiert. Der Inhalt des lehrreichen Spaziergangs durch Ammerndorf könnte aber auch jugendliche Schüler oder andere Gruppen interessieren, macht Irene Meyer klar. Sie arbeitet im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürth und hat ihren Kollegen, den Pflanzenbauberater Nikolaus Ehnis, mitgebracht.

Was ist Triticale?

Zuerst geht es auf die Felder des Ehepaars Harald und Margit Lober, die als Nebenerwerbslandwirte mit 30 Hektar Land hier Getreide anbauen. Der gemeine Städter kennt vielleicht Weizen und Hafer, allenfalls noch Gerste, aber Ehnis weiß viel mehr zu erzählen, von Winter- und Sommergetreide, von Futter- und Brotgetreide, von Kreuzungen wie Triticale (aus Weizen und Roggen) und alten Sorten wie Emmer. Immer mehr Dinkel wird angebaut, lernt man, und Grünkern ist nichts anderes als unreifer Dinkel.

Zurück im Dorf, gibt es eine Rarität zu besichtigen: Die Ammerndorfer Mühle der Stinzendörfers, seit 1878 im Familienbesitz, ist quasi eine Überlebende. Von 20 000 Mühlen, die es nach dem Krieg noch gab, sind nur 500 übriggeblieben. Die Stinzendörfers haben sich – nicht ausschließlich aber doch – auf Biogetreide spezialisiert. Seniorchefin Pauline Stinzendörfer bestätigt, dass es einen Trend zum Dinkel gibt, der bekömmlicher ist als Weizen.

Im Hausladen kann man Vollkorn- und Weißmehle, Roggen, Emmer und Dunst, ein etwas gröberes Getreideprodukt, das sich gut zur Herstellung von Spätzle und Strudel eignet, kaufen. Die Mühle aus dem Volkslied, "sie klappert am rauschenden Bach", gibt es in Ammerndorf auch noch, aber als historisches Relikt. Gemahlen wird mit hochmodernen, computergesteuerten Mühlen ohne Wasserantrieb (Infos: www.ammerndorfer-muehle.de. Die Stinzendörfers bilden aus und freuen sich über Bewerbungen).

Vom Müller zum Bäcker: Erwin Müller, der den Teig für etwa 30 Brote, die frisch aus dem Holzofen abkühlen und duften, mit der Hand geknetet hat, ist ehemaliger Maurermeister und Vorsitzender des Heimatvereins. Mit seiner Frau hat er den Ofen, den er auch gebaut hat, für die Lehrwanderer angeworfen und erklärt die Vorzüge seines Roggen-Sauerteigs ohne Hefezusatz.

Margot Löffler unterstützt ihn. Die Kräuter- und Backexpertin hat einen Brezelteig und eine Lauge vorbereitet, der jetzt zum Abschluss noch von den Schülerinnen verarbeitet, gebacken und sofort mit leckeren vegetarischen Aufstrichen aus der Löffler’schen Produktion verzehrt wird. Wer nun neugierig geworden ist, kann in Ammerndorf Brotbackkurse belegen, an Kräuterwanderungen teilnehmen und vieles mehr.

ZInfos und Termine unter www.hgv-ammerndorf.de Telefon unter (0 91 27) 65 85. 

PETER BUDIG

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