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In der Kirche mit John Lee Hooker Junior

Nach einem Auftritt mit den Rolling Stones startete der Musiker seine Deutschlandtour in der Kofferfabrik - 22.09.2017 09:30 Uhr

„Entweder grandios oder total unterirdisch“: Sänger John Lee Hooker Junior. © Foto: Peter Romir


Der 2001 verstorbene Bluesmusiker John Lee Hooker war einer der unbestrittenen Meister seines Fachs. Nun ist es sein 1952 geborener Sohn John Lee Hooker Jr., der die Erinnerung an seinen Vater wachhält und gleichzeitig an seiner eigenen musikalischen Legende strickt. Gerade noch spielte er mit den Rolling Stones in Österreich, nun startete er zur Deutschlandtour – und zwar in der Kofferfabrik in Fürth. "Das ist natürlich eine große Ehre für uns", freute sich Koffer-Chef Udo Martin und schob vor dem Konzert gleich eine Prognose nach: "Hookers Konzerte sind entweder grandios oder total unterirdisch – ein Mittelding gibt es nicht". Da durfte man gespannt sein, welches Extrem auf das Publikum wartete.

Die Zuschauer mussten sich allerdings eine Weile bis zur Auflösung gedulden, denn die ersten Songs spielte Hookers vierköpfige Begleitband ohne ihn. Den Gesang übernahm Gitarrist Geoffrey James, selbst ein Meister an seinem Instrument, aber stimmlich und von der Bühnenpräsenz her weniger mitreißend. Das änderte sich schlagartig, als Hooker auf die Bretter stieg: Mit immenser Energie wirbelte er herum und genoss den Auftritt sichtlich. "Mit den Stones haben wir zuletzt vor 100 000 Leuten gespielt. Hier sind es 100 – und das ist mir viel lieber! Es ist wie bei meinem Papa, als er angefangen hat", rief er den Zuhörern zu.

Dementsprechend eng war der Publikumskontakt. Hooker schüttelte Hände, posierte in der Pause für Fotos und signierte Autogrammkarten. Und ließ das Publikum auch musikalisch mitmachen: In der ersten Hälfte bekam ein Herr in der ersten Reihe kurzerhand ein Mikro in die Hand gedrückt, um zu singen. In der zweiten erhielt ein Saxofonist aus dem Publikum spontan die Gelegenheit, mit der Band zu jammen. Ja, wo gibt’s denn sowas!

Musikalisch bot der Abend viel Abwechslung: Neben souligen und rockigen Nummern mit der Band streute Hooker Junior auch immer wieder Songs von Hooker Senior ein, dann begleitet von James an der akustischen Gitarre. Zwischendrin erzählte der Musiker Geschichten aus seinem Leben und natürlich über seinen Vater, den er liebevoll Papa nennt und von dem er nicht nur den Blues, sondern auch seine Spiritualität geerbt hat: Klassische Gospels machen einen großen Teil des Programms aus. "Wenn euch die Leute fragen, wo ihr heute Abend gewesen seid, dann sagt, ihr wart in der Kirche – mit John Lee Hooker Junior!"

Oder eben auf einem fantastischen und abwechslungsreichen Konzert, dass einem für ein paar Stunden das Gefühl gab, ganz nah dran zu sein an den Ursprüngen der Blues- und Gospelmusik. 

PETER ROMIR

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