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In Hamburg sind die Nächte lang

Geht so: Fred Bertelmann und das Thomas-Fink-Trio im Stadttheater - 25.11.2012 11:00 Uhr

Meist noch gut bei Stimme: Fred Bertelmann in Fürth. © Bartmann


Er kam, sah und siegte - und als er nach den einleitenden Filmausschnitten aus den fünfziger und sechziger Jahren leibhaftig aus dem Dunkel der Bühne ins Rampenlicht trat, brandete herzlicher Beifall auf. Das weitgehend mittelalterliche, um nicht zu sagen: spätmittelalterliche Publikum applaudierte schon, wenn Fred Bertelmann, der „lachende Vagabund“ der Wirtschaftswunderjahre, nur die Titel seiner Lieder ansagte. Dass er nach sechs Jahrzehnten auf der Bühne noch immer ein Liebling der Frauen ist, machte der hohe Damenanteil im Publikum deutlich. Allerdings blieben die hinteren Reihen im Stadttheater weitgehend leer.

„Das Leben ist Erinnerung“ nennt Bertelmann sein Bühnenprogramm, mit dem er derzeit auf Tournee geht. In der Tat: Dass er sich noch erinnert, 1949 schon einmal im Fürther Haus aufgetreten zu sein in einer Operette Eduard Künnekes, verzückt seine Zuhörer noch mehr. Musik vom Feinsten verspricht er in seiner Begrüßung, und er kann dabei aus seinem großen Repertoire schöpfen, das vom Schlager und Musical bis zum französischen Chanson „La mer“ reicht, vom gefühlvollen „Heimat, deine Sterne“ bis zu „Wenn es Nacht wird in Montana“. Die tiefen Töne seiner weich timbrierten Stimme klingen immer noch sonor; in der Höhe wird es dann schon ein bisschen dünn, was er aber geschickt zu kaschieren weiß.

Aus dem Melodienpotpourri ragte das einfühlsam gestaltete „Hobellied“ aus dem Singspiel „Der Verschwender“ heraus. Ein 87-Jähriger weiß eben, wie es sich anfühlt, wenn das Schicksal den Hobel ansetzt – eine Wiedergabe mit bemerkenswertem Tiefgang. Ein Abdriften ins seichte Schlagerniveau war allerdings auch zu verzeichnen, nämlich als die Musiker des Thomas-Fink-Trios mittendrin scheinbar spontan die Bühne verließen, um der Konkurrenz Platz zu machen, der Musik aus der Konserve, gespielt von einem beliebigen Unterhaltungsorchester. Aber zumindest sang Bertelmann weiterhin selbst – und live.

Gerade das Thomas-Fink-Trio aber war es, das das musikalische Niveau des Abends hoch hielt, nicht nur mit jazziger Begleitung von Oldies wie „In Hamburg sind die Nächte lang“, sondern auch mit einigen instrumentalen Einlagen und mit tollen Soli von Klavier, Bass und Schlagzeug. Verdienter Szenenapplaus. 

GÜNTER GREB

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