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Infra übernimmt die Regie in den Bädern

Mit Einstieg in die Betriebsgesellschaft soll die defizitäre Entwicklung aufgehalten werden - 03.12.2009

Was diese jungen Wasserratten begeistert, bereitet im Bäderbetrieb Sorgen: Das Stadelner Hallenbad ist ein enormer Kostenfaktor. © Hans Winckler


Während das 2007 eröffnete Fürthermare die Gewinnerwartungen erfüllt hat, sind die alten Bestandsbäder am Scherbsgraben und in Stadeln tief in die roten Zahlen abgerutscht. Einer von der TFB im April beantragten Eintrittspreiserhöhung hat die infra den Riegel vorgeschoben. Schließlich werden sozialverträgliche Gebühren in den Bestandsbädern vom Privatisierungsvertrag garantiert.

Vergangenes Jahr schon stundete die infra der TFB allerdings 300 000 Euro. Weitere Beihilfen in Höhe von 903 000 Euro sind nach infra-Rechnung zur finanziellen Konsolidierung erforderlich. Um die Entwicklung endlich unter Kontrolle zu bekommen, will die infra nun selbst die Zügel in die Hand nehmen.

Keine Mehrbelastung

Rein rechtlich bleibt der Fürther Bäderbetrieb auch mit der infra als neuer TFB-Hauptgesellschafter reine Privatsache. Würde die TFB aufgelöst, müsste die Stadt das Erbbaurecht übernehmen und 700 000 Euro Grunderwerbssteuer zahlen. Der städtische Haushalt wird nach Berechnungen der infra in der neuen Konstellation nicht zusätzlich belastet. Wie mehrfach berichtet, zahlt die Stadt der TFB für den Betrieb der Bestandsbäder jährlich 1,8 Millionen. Diesen Betrag musste die Kommune schon vor der Privatisierung zuschießen.

Durch Übernahme kaufmännischer Dienstleistungen und Steuervorteile aus dem Querverbund der Versorgungssparte mit den Bädern will Wolfgang Greul, Chef der zentralen infra-Dienste, das Defizit deutlich reduzieren. Schon 2011 soll das Fürthermare nach Greuls Vorstellungen wieder im ruhigen Fahrwasser sein. Die Alltagsgeschäfte in den Bädern führt auch weiterhin die von Horst Kiesel geleitete Vitaplan-GmbH.

Nicht zur Debatte steht für infra-Chef Hans Partheimüller und Oberbürgermeister Thomas Jung die bei den städtischen Haushaltsberatungen für 2010 zur Kosteneinsparung ins Gespräch gebrachte Schließung des 30 Jahre alten Stadelner Hallenbades. Allerdings denkt Partheimüller über den Fortbestand der Warmbadetage nach. Die gehen besonders ins Geld, weil das Stadelner Bad über eine schlechte Wärmedämmung verfügt. Vor allem für das Schul- und Vereinsschwimmen hält der OB das Stadelner Hallenbad auch weiterhin für dringend nötig.

Im Hinblick auf das Fürthermare setzt Jung mittelfristig darauf, dass die Naherholung in der Therme als Alternative zur Fernreise gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten weiteren Boden gutmacht. «Unsere Hoffnungen in das Fürthermare haben sich erfüllt», sagt Jung, der dabei auch an den Werbeeffekt für die Stadt denkt. Schließlich kommen über die Hälfte der Besucher von außerhalb.

In den Bestandsbädern hingegen hat neben den hohen Energiekosten ein Besucherrückgang die Probleme verschärft. Fatal haben sich laut Partheimüller der Dachbrand und der Lüftungsrohr-Absturz im Hallenbad am Scherbsgraben ausgewirkt.

Die infra will nicht nur Einfluss auf Bädermanagement nehmen, sondern auch das mangelhaft genutzte neue Parkhaus am Scherbsgraben selbst bewirtschaften. Gedacht ist dabei an das Vermieten von Dauerparkplätzen an Anwohner. Auch im Parkhaus Theresienstraße und in der Saturn-Tiefgarage führt die infra Regie.

Ähnliche Probleme wie in Fürth hatten zuletzt auch die Zirndorfer geplagt. Ende Juli erst hat die Kommune ihr hochdefizitäres Bibert-Bad nach 14 Jahren als Stadtwerke-Teilbetrieb wieder selbst übernommen – samt 9,1 Millionen Euro Schulden. 

Volker Dittmar

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