Samstag, 16.02.2019

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Investor plant ein Hotel an der Wolfsgrubermühle

Stadtspitze will die Gebäude verkaufen — Kommunalpolitiker klagen über Hauruckverfahren - 15.12.2018 11:00 Uhr

Das kleine Wasserkraftwerk (im Vordergrund) gehört dem Investor schon seit langem, jetzt möchte er auch die restlichen Gebäude kaufen, darunter den großen Backsteinturm. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Ein Kino, ein Altenheim oder Wohnungen – für die Wolfsgrubermühle am Rande der Fürther Altstadt gab es schon viele hochfliegende Pläne. Verwirklicht wurde nichts davon.

2016 erwarb die Stadt das Areal unterhalb des Sozialrathauses, um dort womöglich einen Neubau für das nahe Schliemann-Gymnasium zu errichten. Im kommenden Jahr soll ein Architektenwettbewerb die Möglichkeiten eines Neubaus ausloten.

Jetzt wurde bekannt: Ein Investor möchte der Stadt einen Teil des Geländes abkaufen: Zum einen den alten mehrstöckigen Backsteinturm und die angrenzenden Gebäude, zum anderen einen kleinen Teil der Fläche, die eigentlich für die Schule vorgesehen ist. Dort soll ein Parkdeck entstehen.

Der Investor, ein Ingenieur aus Oberbayern, hat vor, die seit vielen Jahren brachliegenden Häuser zu sanieren, sie teilweise um eine Etage aufzustocken und in ein Hotel mit einer Gaststätte zu verwandeln – samt Außenbestuhlung zum Wiesengrund hin. Bei dem Investor handelt es sich um den Eigentümer des benachbarten Wasserkraftwerks.

Nachdem das Vorhaben offenbar neulich kurz im nichtöffentlichen Teil des städtischen Wirtschaftsausschusses angesprochen wurde, befasste sich am Mittwoch der Bauausschuss damit. In der Tagesordnung war das durchaus spektakuläre Thema unter dem Punkt "Bebauungsregelungen" versteckt. Manche der Stadträte hörten zum ersten Mal davon, sollten aber einem Verkauf zustimmen, damit ihn der Stadtrat nächsten Mittwoch endgültig absegnen kann.

Das ging den meisten deutlich zu schnell – zumal etliche Fragen auftauchten. Vor allem: Wie wird das Hotel für Autofahrer zu erreichen sein? Oder: Schränkt der Verkauf von zusätzlicher Fläche (Parkdeck!) den Bau des Schliemann-Gymnasiums zu sehr ein oder stellt er ihn sogar komplett infrage? Könnten an- und abfahrende Baufahrzeuge Einsätze der Feuerwehr blockieren, die ja noch bis 2020 am benachbarten Helmplatz sitzt? Oder auch: Kann die Stadt eine Schule bauen, wenn nebenan bereits der Hotelbetrieb läuft?

"Warum diese Hektik?"

"Warum diese Hektik?", wollte Grünen-Stadtrat Kamran Salimi deshalb wissen. Auch SPD-Fraktionschef Sepp Körbl war sichtlich verärgert. "Wir erfahren ein oder zwei Tage vorher davon und sollen dann gleich Nägel mit Köpfen machen, so geht das nicht", stellte er seinen Oberbürgermeister und Parteifreund Thomas Jung zur Rede und ergänzte: "Wir sollten doch zumindest die möglichen Konsequenzen unseres Beschlusses kennen."

Dennoch betonten die Stadträte während der Sitzung und über die Parteigrenzen hinweg, dass sie durchaus Sympathie für das Projekt hegten. Kamran Salimi sagte, er kenne bislang kein besseres Vorhaben für dieses Gelände.

"Wenn es Ihnen gefällt, dann stimmen Sie dafür", warb Oberbürgermeister Thomas Jung für die Hotelpläne. "Manchmal tun sich Chancen auf, die sollte man dann ergreifen." Bislang hätten sich alle Interessenten an den Altbauten die Zähne ausgebissen, unter anderem an dem Umstand, dass die Turbine des Wasserkraftwerks nicht nur laut sei, sondern offenbar auch Erschütterungen auslöse. "Wenn einer diese Investition leisten kann, dann ist das der Besitzer des Kraftwerks", betont Jung. Mit den Anwohnern, die vor vielen Jahren ein anderes Bauprojekt bereits per Klage verhindert haben, stehe der Investor "in einem guten Austausch", heißt es. "Wir sollten froh sein, wenn wir die Gebäude verkaufen können", ergänzte Baureferentin Christine Lippert.

Klausel im Kaufvertrag

Weder sie noch Jung glauben, dass das Projekt den Schulneubau gefährden könnte. Das Parkdeck knapse nur 300 von insgesamt rund 7000 Quadratmetern ab. Die Zufahrt für das Hotel sollte langfristig gesehen – wie für die Schule – über eine Abzweigung von der Henri-Dunant-Straße erfolgen. Bis diese gebaut wird, dürften aber mindestens drei Jahre vergehen. So lange müssten Autos über den Helmplatz kommen.

Jung wies zudem darauf hin, dass der Kaufvertrag – ein Preis kam in der Sitzung nicht zur Sprache – mit einer Klausel versehen würde. Könne der Investor, aus welchen Gründen auch immer, das Projekt nicht umsetzen, falle das Grundstück zurück an die Kommune.

Die Stadträte konnte das nicht beschwichtigen. Auf ihren Wunsch hin wurde der Investor nun für kommenden Mittwoch in den nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung eingeladen, um Fragen zu beantworten. Völlig unklar ist bislang zum Beispiel, wie viele Betten das Hotel einmal beherbergen soll. Über den Verkauf soll frühestens im Januar abgestimmt werden. 

Johannes Alles

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