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Was der deutsche Jazzpianist Walter Lang (50) und der japanische Taiko-Trommler Takuya Taniguchi (28) entfesseln, geht durch Mark und Bein. Ihre Temperamente verbinden sich wie Yin und Yang. Lang ist der Zurückhaltende, Taniguchi der Draufgänger. Dabei setzen die beiden nicht ausschließlich auf die schiere Gewalt ihrer (Schlag-) Instrumente. Sie verstehen sich auch ganz ausgezeichnet auf deren intimeren Wortschatz.
Wenn Taniguchi die große Odaiko-Trommel bearbeitet, dann bebt nicht nur das Kulturforum, dann singt auch das Trommelfell. Es ist kein Spiel, was der durchtrainierte Japaner da zelebriert, es ist ein Ritual, das seine Affinität mit Kendo oder Tai-Chi nicht verbergen kann. Denn es kommt dabei nicht nur auf den musikalischen Ausdruck an, sondern auch auf die Art und Weise, wie er entsteht. Das wiederum ist ein Stellungsspiel mit ebenso raffinierten wie wirkungsvollen Regeln.
Taniguchi ist der, der mit der Trommel tanzt. Und er lässt keinen Zweifel aufkommen, dass er alles unter Kontrolle hat. Mit seinem archaischen Instrumentarium aus Trommeln, Gong und Rasseln entfesselt er bevorzugt Naturgewalten. Mal lässt er den Sturmwind in ein Feuer fegen, dass es blau wird, mal beschwört er ein gewaltiges Donnerwetter herauf und verbannt es wieder. Dabei sitzt nicht nur jeder Schlag mit unglaublicher Präzision, auch die dazugehörige Choreografie stimmt bis in die kleinste Geste. Musik und Musikant verschmelzen zu einer homogenen Einheit.
Taniguchi ist die treibende Kraft, Lang der heimliche Steuermann. Der Pianist gibt die Richtung vor, bringt die Ideen ins Spiel. Im Kontrast zum beherrschten Energiebündel an den Trommeln agiert er mehr introvertiert, lauscht den Tönen nach und entfernt allen überflüssigen Ballast. Seine Kunst blüht schwerelos im Rhapsodischen, in der schlichten Schönheit des Volksliedhaften.
In japanischen Volksweisen gehen Klavier und Trommeln eindrucksvolle Symbiosen ein, unterstützt vom völlig unprätentiösen Gesang Taniguchis. In der intuitiven Übereinstimmung offenbart sich die Qualität des Duos, das seit acht Jahren zusammenarbeitet. Der Klangkosmos, den die Instrumente beschreiben, scheint grenzenlos. Ein gewaltiger Brückenschlag gelingt dabei. Spektakulär nicht nur in seiner Tragweite, sondern auch in seiner filigranen Ornamentik.
Der Bayerischer Rundfunk, der das Konzert aufgezeichnet hat, sendet es am 12. Januar um 19.05 Uhr auf BR-Klassik. Im nächsten Passagen-Konzert am 2. März reisen Saxofonist Norbert Nagel und sein Ensemble zu Astor Piazzolla nach Argentinien.



