Montag, 24.09.2018

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Jeder kann singen, man muss es nur lernen

Zirndorf: Kirchenmusikerin Bettina Wißner geht — Schwerpunkt Chorarbeit mit Kindern - 15.09.2018 18:50 Uhr

Nach 30 Jahren Orgelspiel in Gottesdiensten freut sich Bettina Wißner auf mehr freie Wochenenden. © F.: FN-Archiv/privat


"Ich musste einfach zugreifen." Bettina Wißner strahlt Vorfreude aus. Ihre neue Stelle in Niedersachsen stellt in den Mittelpunkt, was der 42-Jährigen am Herzen liegt: Kinder im Chor mit Musik vertraut zu machen und sie dabei Gemeinschaft erleben zu lassen. Die neue Position wurde gerade erst eingerichtet, auf Wißner, für die es in Zirndorf aktuell noch keinen Nachfolger gibt, kommt in der Propstei Goslar Aufbauarbeit zu. "Die Idee ist, dass es dort in Zukunft vier bis fünf verschiedene junge Chorgruppen gibt, die jedem Alter – vom Kleinkind bis zum Jugendlichen – etwas anbieten können."

Für Bettina Wißner bedeutet dieser Schritt auch persönlich eine spürbare Veränderung: "Nachdem ich 30 Jahre lang mehr oder weniger jeden Sonntag und nicht selten auch samstags im Gottesdienst oder bei Trauungen die Orgel gespielt habe, werde ich jetzt an den Wochenenden überwiegend frei haben."

Als die Kirchenmusikerin, die aus der Wetterau stammt, im September 2015 nach Zirndorf kam, hatte sie bereits zehn Jahre im hessischen Dreieich gearbeitet. Dort — und anschließend in Barth an der Ostsee — entwickelte sich das Musizieren mit jungen Menschen zum Schwerpunkt ihrer vielseitigen Arbeit. Eine Aufgabe, der inzwischen eine neue Bedeutung zu kommt: "Früher gab es zahlreiche Gesangvereine, und oft war es doch beinahe selbstverständlich, dort mitzumachen." Diese Zeiten sind vorbei. Längst können viele Kinder und Eltern zwischen den unterschiedlichsten, teilweise konkurrierenden Freizeitangeboten wählen.

Geändert hat sich aber nicht zuletzt auch die Chorarbeit. Wißner macht klar: "Singen kann jeder, man muss versuchen, es ihm beizubringen." Auf dieser Grundlage hat jeder die Chance, Freude am musikalischen Miteinander zu entwickeln und sich einzubringen in die Gemeinschaft.

Wenn nach intensiver Probenarbeit an diesem Wochenende zwei Aufführungen der Kinderkantorei über die Bühne gehen, dann sind 60 Jungen und Mädchen von fünf bis zwölf Jahren begeistert dabei. Sie werden die Songs des Pop-Musicals "Ritter Rost und Prinz Protz" singen, aber nicht nur: "Rumstehen gibt es bei mir nicht", macht die Chorleiterin klar.

Deshalb gibt es auch Spiel und Tanz, damit die Geschichte vom faulen Ritter, der dem Burgfräulein die ganze Hausarbeit aufbürdet, bis die Gute sich zum charmanten Prinzen Protz flüchtet, zum mitreißenden Spaß für alle wird. An den beiden Aufführungstagen ist die Besetzung unterschiedlich, und das aus gutem Grund: "Auf diese Weise können möglichst viele Kinder eine Rolle bekommen." Denn, so Wißners Credo, Singen ist eben auch eine Sache von Übung und Erfahrung mit solchen Auftritten.

Inzwischen sitzt die Kirchenmusikerin schon auf gepackten Koffern. "Nur um den Umzug des Klaviers muss ich mich noch kümmern". Im Oktober beginnt ihre Zeit in Goslar. Ein letzter Blick auf Zirndorf gilt, kein Wunder, vor allem den jungen Sängerinnen und Sängern: "Ich hab’ hier sehr gerne mit den Chören gearbeitet, sie sind offen und experimentierfähig."

"Ritter Rost und Prinz Protz": noch diesen Sonntag, 16 Uhr, Stadtkirche St. Rochus Zirndorf (Kirchenplatz 2). Ab 15 Uhr und im Anschluss serviert der Freundeskreis Kirchenmusik St. Rochus im Musical-Café. 

Sabine Rempe

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