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Kampf um Tempo 30

Großvater will verkehrsberuhigte Straße in Zautendorf - 07.11.2017 13:00 Uhr

Das Thema Verkehrsberuhigung beschäftigt Anwohner in Zautendorf. © Foto: dpa/Wüstneck


Seit zehn Jahren wohnt Rudolf Hofmann in Zautendorf, Tochter und Schwiegersohn mit drei Kindern, sechs, elf und 13 Jahre alt, leben im Haus nebenan. Bereits Anfang des Jahres hatte der pensionierte Polizist bei der Gemeinde einen Antrag auf Temporeduzierung auf 30 km/h gestellt, den seinen Angaben zufolge alle Anwohner unterschrieben haben.

Als Rentner könne er den Verkehr in seiner Straße gut beobachten, sagt Hofmann, immer wieder würde zu schnell und rücksichtslos gefahren. Unter anderem zählt er Paket-, Post- und Lieferdienste auf, "die für die Beschaffenheit der Straße zu rasant durchbrettern".

Die Gemeinde veranlasste darauf hin zwei Wochen lang Geschwindigkeitsmessungen. Das Ergebnis: Ein Autofahrer fuhr rund 60 km/h, einige um die 50, der größte Teil zwischen 30 und 35 km/h. "Warum also nicht gleich komplett auf Tempo 30 reduzieren?", argumentierte Hofmann.

Nun, die Untere Verkehrsbehörde schätzte die Lage anders ein. Die Begrenzung sei angesichts der Messungen nicht nötig, so der zuständige Verkehrsexperte. So entschied schließlich der Bauausschuss negativ über Hofmanns Antrag.

Bürgermeister Bernd Obst weist auf Nachfrage auf die Gegebenheiten vor Ort hin: "Diese Straße mit 13 Häusern mündet in einen Feldweg, der lediglich für landwirtschaftliche Fahrzeuge freigegeben ist." Sie zähle, so Obst weiter, wohl zu den "am wenigsten befahrenen Straßen im Gemeindegebiet". Dort gäbe es kein Gewerbe und fast ausschließlich Anwohnerverkehr.

Zudem seien ihm bzw. dem Gemeinderat die Hände gebunden: Wenn die übergeordnete Behörde, in diesem Fall die Untere Verkehrsbehörde beim Landratsamt Fürth, "nein" sage, könne das Gremium nicht anders entscheiden.

"Wenn es danach geht, könnten wir ganz Cadolzburg zu einer Tempo-30-Zone machen", sagt Obst, der selbst an einer Kreisstraße wohnt, "auf der jeden Tag 3000 bis 5000 Fahrzeuge vorbei brausen – auch ich hätte nichts gegen eine Geschwindigkeitsreduzierung vor meiner Haustüre."

"Verantwortungslose" Aussage

Hofmann hat den zuständigen Verkehrspolizisten sogar persönlich aufgesucht. "Er sagte mir, er kenne die Straße, und wir würden im Paradies leben", berichtet er. Eine Aussage, die Hofmann als "verantwortungslos" empfand. "Doch dann riet er mir zu meiner Überraschung, ich solle doch stattdessen einen Antrag auf eine Spielstraße stellen, das würde er befürworten."

Da es dem Pensionär "ausschließlich um das Wohl und die Sicherheit der elf Kinder in unserer Straße geht", habe er den Antrag gestellt.

Bürgermeister Obst findet das "interessant". Aber: "Eine Spielstraße zieht bauliche Veränderungen und Maßnahmen nach sich – Parkplätze müssen geschaffen, Gehsteige und Hindernisse installiert werden." Die Kosten? "Müssen nach Kommunalrecht umgelegt werden – auf die Anwohner. Ob die Betroffenen allerdings hierfür ihre Zustimmung geben, wage ich aller Erfahrung nach zu bezweifeln ," befürchtet Obst.

  

CLAUDIA WUNDER

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