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Fränkische Trachtengruppen sind ein fester Bestandteil des Fürther Erntedankumzugs. Auch der Heimatverein Markt Erlbach war schon des Öfteren mit von der Partie — doch nicht in diesem Jahr. „Wir haben jetzt mal ausgesetzt“, bestätigt Irmgard Wagner auf Nachfrage. Und warum? Das Vereinsleben werde eben nicht leichter: „Die Älteren werden immer älter, die Jüngeren immer weniger.“ Ein Problem, das viele Brauchtumsgruppen kennen dürften.
Dennoch habe man sich auch in Markt Erlbach darüber gewundert, dass die Teilnehmerliste in Fürth derart schrumpft: von 89 Gruppen und Kapellen im Jahr 2010 auf 76 und dann auf 62. „Wie lange das Fernsehen das noch überträgt?“, habe einer aus ihren Reihen laut gedacht, sagt Wagner und fügt hinzu: „Vielleicht wäre es in diesem Fall doch sinnvoll, wenn die Stadt — wie früher — Einladungsschreiben verschicken würde.“
Noch deutlicher wird in diesem Punkt ein älterer Mann aus Großgründlach, in dessen Freundeskreis der schrumpfende Zug ebenfalls ein Thema ist. „Wir fürchten, dass die Stadt die Sache zu leicht nimmt“, sagt er. Viele Gruppen würden enorm viel Arbeit in ihre Wagen stecken; allein das Binden einer Erntekrone dauere seine Zeit. „Und das ist der Stadt nicht mal ein Einladungsschreiben wert“, klagt er. Dabei würden die Gruppen auch aus Verbundenheit und Freundschaft zur Stadt Fürth teilnehmen. „Und Freundschaften gehören gepflegt, da sollte man nicht am Porto sparen.“
Kritik übt auch ein langjähriger Zugteilnehmer aus Eschenbach. Ursprünglich habe die Stadt den Teilnehmern sogar die Buskosten ersetzt, erinnert sich Günter Langkafel. Inzwischen wurden auch die Verzehrgutscheine gestrichen. „So weit, so gut“, sagt er. Nicht verstehen könne er jedoch, dass die Ordner entlang der Strecke Sonderurlaub und Gutscheine für ihren Einsatz erhalten: „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Entweder keiner oder alle.“
Das will man bei der Stadt Fürth so nicht stehenlassen. „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt Festzugsorganisator André Hollitzer. Den rund 45 Ordnern stünden 3500 Zugteilnehmer gegenüber. „Die Ordner sorgen in ihrer Freizeit dafür, dass der Zug überhaupt stattfinden kann“, stellt er klar. Müsste er dafür einen privaten Sicherheitsdienst engagieren, käme er schnell auf einen fünfstelligen Betrag. Außerdem falle für die Ordner — im Gegensatz zu den Zugteilnehmern — kein Applaus ab.
Wie berichtet, gibt die Stadt — trotz der sinkenden Bewerberzahl — nicht jeder Bewerbung statt. Zu den Leidtragenden gehört der TV Fürth 1860, dessen Abteilungen sich anlässlich des Vereinsjubiläums 2010 auf dem Festzug präsentieren durften. „Wir waren davon so begeistert, dass wir 2011 gleich wieder mitlaufen wollten“, sagt 60er-Chefin Nina Weimann-Sandig. Doch die Stadt lehnte mit dem Hinweis auf die zahlreichen Vereine und Verbände ab, die sich bewerben würden – vielleicht ein andermal, hieß es. Beim TV Fürth 1860, dem größten Verein der Stadt, wie Weimann-Sandig betont, saß der Frust aber so tief, dass man sich 2012 gar nicht mehr bemüht hat.
Ferngeblieben ist in diesem Jahr auch der Heimat- und Volkstrachtenverein Heroldsbach. Die Heroldsbacher plagen ebenfalls Nachwuchssorgen, verrät der Vorsitzende Edwin Dippacher. Vier oder fünf Teilnahmen an Umzügen pro Jahr seien da mehr als genug. Diesmal habe ihnen Fürth einfach nicht ins Programm gepasst — und nächstes Jahr werde es das vermutlich auch nicht. Dann wollen die Heroldsbacher auf dem Oktoberfestumzug mitlaufen. Dass es einen allgemeinen Trend weg von Fürth und hin zu München gebe, glaubt er allerdings nicht. „Der Fürther Zug ist in Franken nach wie vor das Nonplusultra.“
Do. 11.10.12
Di. 09.10.12
So. 07.10.12
So. 07.10.12
So. 07.10.12