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Kärwazug: Teilnehmerschwund bleibt Thema

Die einen wünschen sich eine offizielle Einladung, die anderen beklagen die Altersstruktur in ihren Gruppen - 18.10.2012 11:00 Uhr

FÜRTH  - Weniger Bewerbungen, weniger Gruppen: Das Interesse am Fürther Erntedankfestzug schwindet. Nicht nur bei der Stadt und den Kärwa-Schaustellern, sondern auch bei den Teilnehmern macht man sich Gedanken über die Ursachen – diese scheinen vielschichtig zu sein.

Wer beim Erntedankfestzug mitmacht, wie diese Landfrauen aus dem Knoblauchsland, hat seinen Spaß, doch die Zahl der teilnehmenden Gruppen ist zuletzt deutlich gesunken.
Wer beim Erntedankfestzug mitmacht, wie diese Landfrauen aus dem Knoblauchsland, hat seinen Spaß, doch die Zahl der teilnehmenden Gruppen ist zuletzt deutlich gesunken.
Foto: Thomas Scherer
Wer beim Erntedankfestzug mitmacht, wie diese Landfrauen aus dem Knoblauchsland, hat seinen Spaß, doch die Zahl der teilnehmenden Gruppen ist zuletzt deutlich gesunken.
Wer beim Erntedankfestzug mitmacht, wie diese Landfrauen aus dem Knoblauchsland, hat seinen Spaß, doch die Zahl der teilnehmenden Gruppen ist zuletzt deutlich gesunken.
Foto: Thomas Scherer

Fränkische Trachtengruppen sind ein fester Bestandteil des Fürther Erntedankumzugs. Auch der Heimatverein Markt Erlbach war schon des Öfteren mit von der Partie — doch nicht in diesem Jahr. „Wir haben jetzt mal ausgesetzt“, bestätigt Irmgard Wagner auf Nachfrage. Und warum? Das Vereinsleben werde eben nicht leichter: „Die Älteren werden immer älter, die Jüngeren immer weniger.“ Ein Problem, das viele Brauchtumsgruppen kennen dürften.

Dennoch habe man sich auch in Markt Erlbach darüber gewundert, dass die Teilnehmerliste in Fürth derart schrumpft: von 89 Gruppen und Kapellen im Jahr 2010 auf 76 und dann auf 62. „Wie lange das Fernsehen das noch überträgt?“, habe einer aus ihren Reihen laut gedacht, sagt Wagner und fügt hinzu: „Vielleicht wäre es in diesem Fall doch sinnvoll, wenn die Stadt — wie früher — Einladungsschreiben verschicken würde.“


Video zum Thema
Der Fürther Erntedankfestzug 2012 lockte am Bauernsonntag 80000 Menschen in die Stadt. Zwei Stunden lang zogen 62 Vereine, Spielmannszüge und Kapellen von der Herrnstraße Richtung Rathaus. Einige Spieler der SpVgg Greuther Fürth waren auch dabei.

Noch deutlicher wird in diesem Punkt ein älterer Mann aus Großgründlach, in dessen Freundeskreis der schrumpfende Zug ebenfalls ein Thema ist. „Wir fürchten, dass die Stadt die Sache zu leicht nimmt“, sagt er. Viele Gruppen würden enorm viel Arbeit in ihre Wagen stecken; allein das Binden einer Erntekrone dauere seine Zeit. „Und das ist der Stadt nicht mal ein Einladungsschreiben wert“, klagt er. Dabei würden die Gruppen auch aus Verbundenheit und Freundschaft zur Stadt Fürth teilnehmen. „Und Freundschaften gehören gepflegt, da sollte man nicht am Porto sparen.“

Kritik übt auch ein langjähriger Zugteilnehmer aus Eschenbach. Ursprünglich habe die Stadt den Teilnehmern sogar die Buskosten ersetzt, erinnert sich Günter Langkafel. Inzwischen wurden auch die Verzehrgutscheine gestrichen. „So weit, so gut“, sagt er. Nicht verstehen könne er jedoch, dass die Ordner entlang der Strecke Sonderurlaub und Gutscheine für ihren Einsatz erhalten: „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Entweder keiner oder alle.“

Bilderstrecke zum Thema
Gerade noch rechtzeitig zu Beginn des Fürther Erntedankfestzuges hörte es in Fürth auf zu regnen. Rund 80.000 Zuschauer ließen sich das bunte Treiben nicht entgehen. Hier gibt es die Impressionen von der Strecke.




Das will man bei der Stadt Fürth so nicht stehenlassen. „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt Festzugsorganisator André Hollitzer. Den rund 45 Ordnern stünden 3500 Zugteilnehmer gegenüber. „Die Ordner sorgen in ihrer Freizeit dafür, dass der Zug überhaupt stattfinden kann“, stellt er klar. Müsste er dafür einen privaten Sicherheitsdienst engagieren, käme er schnell auf einen fünfstelligen Betrag. Außerdem falle für die Ordner — im Gegensatz zu den Zugteilnehmern — kein Applaus ab.

Wie berichtet, gibt die Stadt — trotz der sinkenden Bewerberzahl — nicht jeder Bewerbung statt. Zu den Leidtragenden gehört der TV Fürth 1860, dessen Abteilungen sich anlässlich des Vereinsjubiläums 2010 auf dem Festzug präsentieren durften. „Wir waren davon so begeistert, dass wir 2011 gleich wieder mitlaufen wollten“, sagt 60er-Chefin Nina Weimann-Sandig. Doch die Stadt lehnte mit dem Hinweis auf die zahlreichen Vereine und Verbände ab, die sich bewerben würden – vielleicht ein andermal, hieß es. Beim TV Fürth 1860, dem größten Verein der Stadt, wie Weimann-Sandig betont, saß der Frust aber so tief, dass man sich 2012 gar nicht mehr bemüht hat.



Ferngeblieben ist in diesem Jahr auch der Heimat- und Volkstrachtenverein Heroldsbach. Die Heroldsbacher plagen ebenfalls Nachwuchssorgen, verrät der Vorsitzende Edwin Dippacher. Vier oder fünf Teilnahmen an Umzügen pro Jahr seien da mehr als genug. Diesmal habe ihnen Fürth einfach nicht ins Programm gepasst — und nächstes Jahr werde es das vermutlich auch nicht. Dann wollen die Heroldsbacher auf dem Oktoberfestumzug mitlaufen. Dass es einen allgemeinen Trend weg von Fürth und hin zu München gebe, glaubt er allerdings nicht. „Der Fürther Zug ist in Franken nach wie vor das Nonplusultra.“ 

Johannes Alles


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Zum Thema
Fürhter Kerwa
Termin:
28.09. bis 09.10.2013



Kurzbeschreibung:
Mitten in der Fürther Innenstadt wird jedes Jahr Ende September/Anfang Oktober die Michaelis-Kärwa gefeiert.
Besucher:
1,6 Millionen Menschen
Teilnehmer:
270 Schausteller