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Kirschtorte kann den Rathauschef nicht umstimmen

Mit Ironie und ätzender Kritik haben Initiativen erneut gegen den Abriss des Park-Hotels protestiert — Stadt bleibt bei ihrer Haltung - 10.06.2013 16:00 Uhr

Während die Arbeiten am Einkaufsprojekt mit dem Abriss des City-Kinos in Schwung kommen, © Forster


1888 wurde das Hotel National an prominentester Stelle Fürths, vis-a-vis der heutigen Freiheit und einen Steinwurf vom damaligen Ludwigsbahnhof entfernt, feierlich eröffnet. Feierlich, wenngleich unter gänzlich anderen Vorzeichen, war die Stimmung auch 125 Jahre später, als Aktivisten der Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ und des Vereins „Wir sind Fürth“ aus diesem Anlass vor das inzwischen allerdings erheblich umgebaute und verunstaltete Gebäude einluden — Kirschtorte in Hotel-Form und ätzende Kritik inklusive. Denn geht es nach dem Willen der Stadt und des Investors, der hier seinen neuen Einzelhandelskomplex plant, ist das Park-Hotel, wie es später hieß, dem Abriss geweiht.

protestieren vis-a-vis die Befürworter des Hotel-Erhalts mit Geburtstagstorte. © Winckler


Wie berichtet, gab die Kommune kürzlich grünes Licht für die Beseitigung — so wie es mit MIB vereinbart war, als die Berliner Firma im Juli 2011 den Zuschlag für den Bau des Einkaufsschwerpunkts bekam; die Auswahl des Investors erfolgte damals übrigens mit ausdrücklicher Zustimmung der Bürgerinitiative. Offenbar hatte man in deren Reihen gehofft, MIB würde seine Meinung doch noch ändern und den von der BI gewünschten Fortbestand des denkmalgeschützten Festsaals im Inneren ermöglichen.

Der Investor blieb jedoch bei seinem Plan, an dieser Stelle einen Neubau hochzuziehen; technisch zu aufwändig und wirtschaftlich nicht vertretbar sei es, den heute zudem reichlich ramponierten Saal zu integrieren. Die beiden Initiativen setzten daraufhin kurz vor Baubeginn alle Hebel in Bewegung: Im Januar 2013 begann die Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren, das den Erhalt des Gebäudes zum Ziel hat — das allerdings auch jetzt, fast fünf Monate später, noch weit von den nötigen 4600 Unterschriften entfernt ist. Nach Angaben von „Wir sind Fürth“-Sprecher Kamran Salimi haben bis dato 2200 Fürther unterzeichnet.

Pro und Contra

Vergangene Woche kam eine Online-Petition des Stadtheimatpflegers hinzu, die sich gegen den Abriss des Festsaals wendet. Sie haben bis zum Sonntagnachmittag rund 1300 Menschen unterstützt. Auf der anderen Seite hatte sich Ende Januar eine Initiative unter dem Namen „Pro Neue Mitte“ gebildet und unter dem Beifall vieler Einzelhändler für den Abriss und den raschen Bau des Einkaufsschwerpunkts geworben. Hier kamen 3300 Unterschriften zusammen, bevor die Aktion nach knapp zwei Monaten beendet wurde.

Auch gestützt auf diese Zahlen geht Oberbürgermeister Thomas Jung davon aus, dass eine große Mehrheit der Fürther hinter den Plänen von Stadt und MIB steht. Er, sagte Jung am Freitag auf FN-Anfrage, appelliere deshalb an die Kritiker, „sich als gute Demokraten zu erweisen und einzugestehen, dass die Mehrheitsmeinung des Stadtrats auch die der Bevölkerung widerspiegelt“.

Von der Abrissgenehmigung werde man deshalb nicht abweichen — auch wenn sich das Landesamt für Denkmalpflege und der Landesdenkmalrat inzwischen klar für den Saal-Erhalt ausgesprochen haben. Die beiden Fürther Initiativen haben sich mit Verweis auf diese Voten in einem Schreiben Ende Mai an die Regierung von Mittelfranken gewandt, die als rechtliche Aufsicht der Kommunen fungiert. Die „Denkmalstadt Fürth“ müsse „zur Räson“ gebracht werden, heißt es darin, die Abrissgenehmigung sei zurückzunehmen.

Eine von der Regierung angeforderte Stellungnahme der Stadt habe man am vergangenen Freitag auf den Weg gebracht, so der OB. Der Würdigung der Aufsichtsbehörde sehe er mit Zuversicht entgegen: Man habe „sorgfältig abgewogen“, für Jung sind „grobe Rechtsfehler“ der Verwaltung „nicht ersichtlich“.

Anders sehen das die Kritiker, die am Samstag großformatige Fotos von im Lauf der Jahrzehnte verschwundenen Baudenkmälern der Stadt am Bauzaun in der Breitscheidstraße befestigten — von Commerzbank bis Café Fürst reichte das Tableau. Thomas Jung, meinen sie, reihe sich nun nahtlos in die Tradition seiner Vorgänger ein. 

Wolfgang Händel/Hans-Joachim Winckler

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