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Das Sonnenlicht bricht sich im Wasser des Mühlbachs, der munter über zwei Stufen plätschert, eine kleine Insel im auf fünf Metern Breite aufgeweiteten Bett umkurvt und schließlich ein Stück weiter unten zwischen Brennnesseln verschwindet. Im vergangenen Sommer hat ein Minibagger den Bach aus seiner Monotonie befreit. Die optische Verbesserung mit der Aufweitung sticht jedem ins Auge, der am Ufer entlang streift. Um aber den bereits beginnenden ökologischen Gewinn zu erkennen, dafür braucht es einen Experten.
Auf die sich immer wieder ändernde Rippenstruktur des Bachbettes, Zeichen verbesserter Strömungsdynamik, weist beispielsweise Andreas Lessmann hin. Barfuß watet der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt im Wasser und macht auf andere Aufwertungen aufmerksam: auf die Flachwasserbereiche, die Fische, Amphibien und Libellen als Brutbereich dienen sollen, oder auf den Weidensprößling, mitten auf der kleinen Insel im Bach. Bis er einmal so groß wird, wie einige seiner Artgenossen, die im Zuge der Renaturierung der Motorsäge zum Opfer fielen, wird es freilich dauern. Für Lessmann dennoch ein unumgänglicher Schritt. Nur so kann das für ökologische Prozesse unbedingt notwendige Sonnenlicht den Bach erreichen: „Da muss man auch in den sauren Apfel beißen und schöne Bäume fällen.“
Die Idee für das Projekt kam von der Roßtaler Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN). Thomas Liebert pflegt zusammen mit weiteren Ehrenamtlichen zwei Grundstücke auf den nach den früheren Eigentümern benannten Zemschen Wiesen im Grenzgebiet zwischen Roßtal und Zirndorf. Bereits in den 1980er Jahren hatte der BN hier einen inzwischen verlandeten Tümpel angelegt. Im Zuge der neuen Maßnahmen wurde nun ein neues, rund 40 Quadratmeter großes Gewässer oberhalb des Bachlaufs geschaffen. Auch nahe der Roßtaler Kläranlage wurde bereits ein Teil des Mühlbaches renaturiert. Dennoch weiß Liebert von einer hohen Erosion des Bachbettes zu berichten. Der Druck des Wassers in der schmalen Rinne sei zu stark. Auch dieses Manko soll die nun getroffene Maßnahme — neben der Vergrößerung der Artenvielfalt — verbessern helfen.
Geplant und in die Tat umgesetzt hat die Maßnahmen der beim Bezirk Mittelfranken angesiedelte Landschaftspflegeverband. Man verstehe sich als Dienstleister für Kommunen, Verbände, aber auch Privatpersonen, sagt Dieter Speer. Der Landschaftspflegeverband übernimmt Planung und Ausschreibung der Projekte sowie die Vorfinanzierung und hilft durch das Dickicht von Förderrichtlinien, um an entsprechende Gelder zu kommen. Auch der Bezirk engagiert sich finanziell. Fällig werden dafür Verwaltungsgebühren, die mit der Rechnung ins Haus flattern.
Neben den regelmäßigen Arbeiten, wie etwa Heckenpflege im Winter, hat Speer im Landkreis schon diverse Vorhaben realisiert. Pflanzungen von Streuobstwiesen, auch heuer wieder im Fokus, oder Gewässer-Renaturierungen wie am Mühlbach: Langenzenn, Puschendorf und Veitsbronn fallen dem Diplom-Biologen spontan ein. Seiner Einschätzung nach ist der Landkreis da ganz gut aufgestellt: „Es läuft relativ viel.“ Allerdings im an die Städte grenzenden Osten weniger als im Westen. Entsprechende Areale zu bekommen, ist schließlich die entscheidende Voraussetzung. Früher sei das Angebot größer gewesen, sagt Speer. Im Zuge der Energiewende — Stichwort: Biogas — habe sich der Druck auf die Flächen erhöht. Landwirtschaft oder Naturschutz? Grundeigentümer überlegten sich die Art der Nutzung, so Speer. „Das ist legitim.“
Beim Mühlbach war das kein Problem. Der Abschnitt gehört der Stadt Zirndorf. 5200 Euro hat sich die Kommune die Aufwertung in puncto Natur kosten lassen. Nicht aus Spaß an der guten Sache. Für jede Baumaßnahme muss die Stadt schließlich einen natürlichen Ausgleich schaffen. Diese Maßnahmen werden in einem komplizierten Verfahren bewertet und schlagen sich auf einem sogenannten „Öko-Konto“ nieder. 11,5 Hektar an Ausgleichsflächen hat Zirndorf hier derzeit nach Auskunft von Bauamtsleiter Norbert Ruffertshöfer angesammelt. Der Mühlbach fließt mit 1000 Quadratmetern ein.
Die BN-Kreisvorsitzende Sabine Lindner setzt auf den Vorbildcharakter des Projekts: An den Gewässer-Nachbarschaftstagen sollen sich auch andere Kommunen von Unterfangen dieser Art — klein, aber fein — überzeugen lassen. Libelle, Lurch & Co. werden es danken — schöne Kinderstuben sind immer gefragt.




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